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Ulm

27.03.2019

Theater Ulm: Der nächste Umbruch steht bevor

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Fabian Gröver, hier als König Richard III,, gehört seit 2010 zum Ulmer Ensemble. Jetzt wechselt er nach Saarbrücken.
Bild: Jochen Klenk

Vier Schauspieler, darunter Fabian Gröver, verlassen das Ensemble nach der Spielzeit. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich.

Im neuen Spielzeitheft des Theaters Ulm wird wild gefeiert. Sektgläser, Schnapsflaschen, Fliegen, knappe Kleidchen, Nebelmaschine. Doch auf den Partyfotos fehlen einige bekannte Gesichter – und die kommen alle aus dem Schauspiel. Gleich vier Ensemblemitglieder verlassen nach dem Ende der Saison das Haus. Aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Der prominenteste Abgang ist zweifellos der von Fabian Gröver, der seit 2010 in Ulm engagiert ist und in den vergangenen Jahren der wohl prägende Mime des Ensembles geworden ist – mit seiner Darstellung des zweifelnden und doch skrupellosen Königs Richard in „Die Krönung Richards III.“. Gröver, geboren 1974, wechselt ans Saarländische Staatstheater Saarbrücken, wo er Teil eines größeren Ensembles wird. „Das wird für mich ein richtiger Neuanfang“, sagt der 44-Jährige, „ich brauche neue Impulse.“ Als er nach dem Intendantenwechsel einer der Übriggebliebenen war, habe er sich „wie ein Dinosaurier“ gefühlt, obwohl er mit dem neuen Schauspieldirektor Jasper Brandis „tolle Erfolge“ gehabt habe. Jetzt sei ein guter Moment für eine Veränderung, sagt Gröver: Sein Sohn sei volljährig und stehe auf eigenen Beinen, er müsse nur für sich selbst sorgen. Saarbrücken – eine Stadt, zu der er vorher keine Verbindung hatte – gefällt dem gebürtigen Dortmunder: Es erinnert ihn mit seiner maroden Industrie-Romantik an das Ruhrgebiet.

Noch kein festes Ziel hat Franziska Maria Pößl, die ebenfalls nach der Spielzeit geht. Sie hatte zwar das Vertragsangebot für ein weiteres Jahr im Ensemble, entschied sich aber, lieber frei arbeiten zu wollen. Während Gröver und Pößl dem Beruf treu bleiben, verabschieden sich zwei seiner Kollegen nicht nur aus Ulm, sondern von der Theaterbühne: Der Österreicher Jakob Egger, seit drei Jahren im Ensemble, will wieder studieren. Für ihn ist die Spielzeit quasi schon fast erledigt, er spielt nur noch „Soul Kitchen“ zu Ende und begleitet das Kinderkonzert im Podium. Ebenfalls dem Theater den Rücken kehrt der 1991 geborene Lukas Schrenk, der mit Intendant Kay Metzger nach Ulm kam und in „Soul Kitchen“ die Hauptrolle spielt. Auch er will studieren gehen.

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Schauspieldirektor Brandis bedauert nach eigenem Bekunden die Abgänge, besonders den von Gröver, der ein zentraler Baustein seines Ensembles war. Dass es so viele auf einmal sind, hält er jedoch für Zufall, zumal die Gründe der Schauspieler sehr unterschiedlich seien. Verständnis hat er auch für die, die – zumindest fürs Erste – ganz aussteigen: Der Lebensstil am Theater sei eben „sehr speziell“. Nicht ausschließen kann Brandis, dass auch der Intendantenwechsel und die damit verbundenen Verschiebungen im Ensemble bei den Entscheidungen eine Rolle gespielt haben. „Der erste Frühling, der von Neugier geprägt ist, ist nach ein paar Monaten vorbei.“ Das Ensemble verstehe sich aber sehr gut. Bei einer Produktion im Großen Haus stehen fast alle noch einmal gemeinsam auf der Bühne: Georg Kaisers Schauspiel „Von morgens bis mitternachts“, inszeniert von Brandis selbst. Er sei sehr guter Dinge, dass es ein schöner Abschied wird. „Ich bin deswegen noch immer ein bisschen aufgeregt, das ist ein gutes Gefühl.“ Premiere ist am Donnerstag, 23. Mai.

Mit Rudi Grieser steht ein Neuzugang bereits fest

Vier Abgänge bedeuten natürlich vor allem eines: Das Theater Ulm braucht für die Spielzeit 2019/20 vier neue Schauspieler. Wobei ein Neuzugang im Spielzeitheft bereits vermerkt ist: Rudi Grieser. Der 1990 geborene Rheinländer studierte am Salzburger Mozarteum und absolviert derzeit sein Studiojahr am Schauspielhaus Düsseldorf. „Auf ihn freue ich mich sehr“, sagt Schauspielchef Brandis. Für die anderen Ensemblestellen laufen bereits die Vorsprechen. Vier neu von 13: Das Ulmer Schauspiel steht vor einem weiteren Umbruch. Aus der Ära von Studnitz sind in der kommenden Spielzeit nur noch Tini Prüfert, Christel Mayr, Gunther Nickles und Benedikt Paulun übrig.

Auch hinter den Kulissen gibt es einen wichtigen personellen Wechsel: Martin Borowski, früher Regieassistent, zuletzt (zusammen mit Kollegin Charlotte van Kerckhoven) Leiter des Jungen Forums und der Theaterpädagogik. Ihn zieht es aus privaten Gründen mit der Familie weg aus Ulm. Seine Stelle übernimmt Stephanie Pardula; die ausgebildete Schauspielerin wird zudem den Kindermonolog „Der dickste Pinguin vom Pol“ spielen.

Ganz auf Martin Borowskis Kunst verzichten müssen die Ulmer Zuschauer aber nicht: Er inszeniert in der kommenden Spielzeit das Weihnachtsmärchen „Peterchens Mondfahrt“. Wie man hört, mit einer ordentlichen Portion Science-Fiction.

Lesen Sie auch: Theater Ulm feiert mit dem neuen Spielplan sein Zuhause

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