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Infektionen

11.01.2012

Tödliche Keime in Ulm: Die lange Spur der Legionellen

Durch Legionellen sind vor zwei Jahren 64 Menschen in Ulm erkrankt, fünf von ihnen sind gestorben.
Bild: Foto: Archiv

Wer schuld an dem Ausstoß der tödlichen Keime war, ist auch zwei Jahre nach der Serie von Erkrankungen noch nicht klar. Ein Gutachten soll entscheidende Hinweise bringen.

Zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass eine unheimliche Serie von Erkrankungen durch Legionellen die Region in Atem hielt. Fünf Menschen starben, 59 weitere erkrankten schwer. Die Quelle der Keime war zum Glück bald gefunden – ein Kühlturm auf dem Dach des Telekomgebäudes in der Olgastraße in Ulm. Doch eine Frage ist bis heute nicht geklärt: Wer war schuld an der Verbreitung der tödlichen Erreger?

Die Staatsanwaltschaft Ulm ermittelt nach wie vor wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung. Eine Firma ist bereits seit Sommer vorigen Jahres verstärkt ins Visier der Ermittlungen geraten. Es handelt sich dabei um eines der Unternehmen, das an der Errichtung des Blockheizkraftwerks beteiligt war, aus dessen Kühlsystem die Legionellen in einer Art tödlichen Wolke in die Luft gelangt waren.

Möglicherweise habe eine zu geringe Konzentration des Biozids, das die Verkeimung des Kühlwasserkreislaufs verhindern sollte, das Legionellenwachstum innerhalb der Anlage begünstigt und so zu der verhängnisvollen Entwicklung beigetragen, vermutet die Staatsanwaltschaft. Wegen dieses Verdachts durchsuchte die Polizei voriges Jahr Räume der betreffenden Firma und beschlagnahmte zahlreiche Beweismittel. Die sichergestellten Unterlagen und Datenträger seien mittlerweile ausgewertet, sagte gestern Oberstaatsanwalt Rainer Feil.

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Experte für Hygiene und Gesundheit beauftragt

Doch das Thema ist komplex. Deshalb hat die Strafermittlungsbehörde ein Gutachten in Auftrag gegeben, und zwar beim Leiter des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit in Bonn, Prof. Dr. Martin Exner. „Es ging uns darum, einen absoluten Experten zu bekommen“, sagte Rainer Feil. Noch liege das Gutachten nicht vor. Wann dies der Fall sei, könne er derzeit auch nicht sagen, so der Oberstaatsanwalt.

Allerdings: „Das Gutachten ist der Dreh- und Angelpunkt des weiteren Vorgehens.“ Entweder der Kernvorwurf – also fahrlässige Tötung – wird bestätigt. Dann werden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Oder es stellt sich heraus, dass im strafrechtlichen Sinne niemand schuld an der Freisetzung der gefährlichen Erreger war. Dann handelte es sich schlicht um ein schicksalhaftes Geschehen. Das Verfahren würde dann eingestellt.

Derzeit geht die Staatsanwaltschaft allerdings davon aus, dass menschliches Versagen zu den tödlichen Infektionen beigetragen hat. „Wir haben eine Firma speziell im Fokus der Ermittlungen. Das heißt aber keinesfalls, dass die anderen beteiligten Firmen reingewaschen wären“, betont Feil.

Die damalige Quelle der Legionellen, die Kühlanlage auf dem Dach der Telekom, wurde runderneuert und technisch aufgerüstet. Unter anderem wurden die Türme mit einer modernen UV-Licht-Anlage versehen, die eventuell auftretende Keime in der Abluft unschädlich macht. Seit März vorigen Jahres ist die Anlage wieder in Betrieb. In den ersten drei Monaten gab es 14-tägige Kontrollen im Kühlwasser. Die Ergebnisse mussten der Abteilung Umweltrecht der Stadt Ulm vorgelegt werden. Der Betrieb der Anlage laufe seitdem reibungslos, sagte Marlies Gildehaus, Pressesprecherin der Stadt Ulm.

Neue Richtlinie soll Anlagen sicherer machen

Und noch etwas hat sich getan infolge der Ereignisse vor zwei Jahren: Es soll eine neue Richtlinie für den Betrieb von Kühltürmen und Verdunstungskühlanlagen geben. Diese ist derzeit noch in Arbeit. Federführend dabei ist der Verein Deutscher Ingenieure.

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