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Ulm

20.05.2015

Ulms Version von Silicon Valley

Noch eher trist zeigt sich Ulms große Zukunftsperspektive in Sachen Wohnraum: die derzeit ungenutzte Hindenburgkaserne am Eselsberg.
Bild: Alexander Kaya

In der Hindenburgkaserne soll ein neuer, innovativer Stadtteil mit 900 Wohnungen werden. Warum Planer durchaus Parallelen zu den Wurzeln kalifornischer Erfolgsgeschichten sehen

Ulm Ins Schwärmen geraten Ulmer Stadtplaner, wenn sie über die geplante Umwandlung der Hindenburgkaserne in ein neues Stück Stadt reden. Ein Stadtquartier, in dem nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet werden soll, wie Volker Jescheck, der Leiter der Stadtplanung, betont. Das städtebauliche Leitbild und das weitere Vorgehen für das Areal am Eselsberg wurde jetzt beschlossen.

Jescheck sprach jüngst im Bauausschuss gar von einem „Ulmer Silicon Valley“, ein Tal bei San Francisco, das als einer der bedeutendsten Standorte der IT- und High-Tech-Industrie weltweit gilt. Davon ist die Ulmer Wissenschaftsstadt freilich weit entfernt, doch Jescheck wollte damit auf eine geplante Verknüpfung des neuen Wohngebiets mit Ulmer Forschungsinstitutionen verweisen, die nach kalifornischem Vorbild erfolgen könnte. Denn die Wurzeln des Weltruhms des echten Silicon Valley entstanden, weil dort ehemalige Mitarbeiter und Absolventen der nahen Universitäten kleine, innovative Unternehmen gründeten.

Auch auf dem Hindenburg-Areal sollen Forscher die Möglichkeit bekommen, ihre Büros zu öffnen. Damit gehe Ulm mit der Zeit: Es sei ein nicht zuletzt durch die Möglichkeiten des Internets weltweit zu beobachtender Trend, dass im Städtebau die Wohn- und Arbeitswelten nicht mehr so säuberlich getrennt werden wie in früheren Zeiten. Ruhiges Wohnen im Grünen weit weg von der schmutzigen, verlärmten Industrie – das war in großen Teilen einmal. Die Rahmenbedingungen für das neue Viertel seien durch die Nähe zur Innenstadt und zur Wissenschaftsstadt, kombiniert mit bester Anbindung an die geplante Straßenbahnlinie 2, exzellent.

Ein zweiter Kerngedanke des nun beschlossenen Leitbilds ist eine kleinmaßstäbliche Parzellierung: Vielfalt anstelle uniformer Baublöcke. Im Wohneigentum und von Baugemeinschaften sind kleine, individuelle Hauseinheiten gefragt. 900 Wohnungen für etwa 2000 Menschen auf 8,6 Hektar Bauland sollen auf dem Bundeswehrgelände entstehen. Von einem „ungehobenen Schatz“ sprach Jescheck und meinte damit insbesondere den Bereich rund um das Fort Eselsberg, das sich prima als Zentrum eines Parks eigne.

Noch ist es ein weiter Weg, bis die Hindenburgkaserne ein blühendes Stadtviertel wird. Die letzten Soldaten sind zwar längst in die Rommelkaserne nach Dornstadt umgezogen, doch der Kauf der fast neun Hektar seitens der Stadt ist noch nicht über die Bühne. Der Prozess der Entstehung eines neuen Stücks Stadt soll wissenschaftlich begleitet werden. So will sich Ulm gemeinsam mit der Uni für das Projekt „Reallabor Stadt“ bewerben. Gefördert werden damit vom Wissenschaftsministerium Projekte, die in Zusammenarbeit mit Kommunen gesellschaftliche Herausforderungen des urbanen Raumes wissenschaftlich bearbeiten und die Stadtentwicklung aktiv vorantreiben. Im „Reallabor Stadt“ sollen so neue digitale Planungs- und Beteiligungsinstrumente entwickelt werden.

In Ulm hat Stufe eins der Beteiligung bereits begonnen. Seit Mai vergangenen Jahres fanden Dialogveranstaltungen und Planungswerkstätten statt. Der Ulmer Bauausschuss machte jetzt einstimmig den Weg frei für die Durchführung eines zweigeteilten städtebaulichen Wettbewerbs. Zwischen Stufe eins und Stufe zwei soll ein Dialog mit den Bürgern eingeschoben werden. Die Öffentlichkeit erhält die Gelegenheit, die Lösungsvorschläge mit den Finalisten zu diskutieren und Ideen für die Stufe zwei des Wettbewerbs einzubringen. Die Aufstellung des Bebauungsplanes ist für 2017 geplant. Das erste Haus soll ab 2019 gebaut werden können. Die ersten Bewohner werden aber Flüchtlinge sein: 150 Wohnplätze sollen in zwei umgebauten Mannschaftsquartieren entstehen.

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