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Ambrosia

21.06.2012

Unscheinbares Kraut macht vielen zu schaffen

Die Ambrosia artemisiifolia kann Allergikern schwer zu schaffen machen.
Bild: Erika Hartmann/pixelio

Uniklinik Ulm sucht Teilnehmer für EU-Studie „Atopica“ über Allergien

Ulm Es hat gefiederte grüne Blätter, kann bis zu zwei Meter hoch werden und wird oft mit dem gemeinen Beifuß verwechselt: Das beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia), auch Beifuß-Ambrosie genannt. Doch das unscheinbare Kraut macht den Menschen auch in unserer Region zunehmend zu schaffen. „Die Ambrosia ist zum einen hoch allergen, das heißt, dass viele Menschen allergisch reagieren und bereits eine kleine Pollenmenge Reaktionen auslöst. Zum anderen verlaufen Ambrosia-Allergien oft sehr schwer“, sagt Privatdozentin Dr. Christiane Pfeiffer, Allergologin an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Ulm. „Das kann ein starker Heuschnupfen sein, eine Bindehautentzündung, ein juckendes Ekzem bis hin zum Asthma.“

Um Ausbreitung, Auswirkungen und Bekämpfungsmöglichkeiten des Ambrosia-Bewuchses zu erforschen, haben sich Institute verschiedener Disziplinen aus ganz Europa zu dem EU-geförderten Projekt „Atopica“ zusammengeschlossen. Die Ulmer Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie leitet den klinischen Teil der wissenschaftlichen Studie, wie Pfeiffer erläutert: „Wir möchten herausfinden, ob man auch im Alter noch Allergien neu entwickeln kann. Deshalb nehmen wir Menschen ab 60 Jahre in unsere Studie auf.“

Dazu sind die Wissenschaftler auf die Unterstützung durch die Bevölkerung angewiesen. Sie suchen Freiwillige, die zu einer kurzen Befragung und einem kostenlosen Allergietest in die neuen Klinikräume auf dem Oberen Eselsberg kommen. „Wir testen die Teilnehmer auf etwa zehn häufige Allergene und besprechen das Ergebnis anschließend mit ihnen. So können sie auch erfahren, ob sie eine allgemeine Neigung zu Allergien haben. Wer möchte, erhält einen Allergieausweis“, so Prof. Dr. Karin Scharffetter-Kochanek, die Ärztliche Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie.

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Der Zeitaufwand beträgt ein bis zwei Stunden. Teilnehmer benötigen weder ihre Versichertenkarte noch einen Überweisungsschein.

Dass Menschen hierzulande überhaupt unter Ambrosia-Allergie leiden, ist Ergebnis des Zusammenspiels von Globalisierung und Klimawandel: Die ursprünglich in Nordamerika beheimatete Pflanze wurde vermutlich bereits Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt. Zwischen Getreide und Kleesaat erreichten Ambrosia-Samen die Häfen Europas und breiteten sich von dort über die Landwege weiter aus. Doch die klimatischen Bedingungen in Deutschland ließen zunächst keine dauerhaften Ambrosia-Bestände zu. Die zunehmende Klimaerwärmung Ende des 20. Jahrhunderts änderte das.

Heute finden sich Ambrosia-Pflanzen an Wegesrändern und auf Schutthalden, auf Baustellen wie am Waldrand. Und auch in vielen Gärten der Region, wie Dr. Pfeiffer bestätigt: „Neben der Verbreitung über Gütertransporte ist ein Großteil der in Deutschland erhältlichen Vogelfuttermischungen mit Ambrosia-Samen verunreinigt“, so die Studienleiterin.

In einer Untersuchung des Verbrauchermagazins Ökotest aus dem Jahr 2007 waren nur drei von 18 Vogelfutterprodukten frei von Ambrosia-Samen. Via Pollenflug konnte sich die Ambrosia außerdem über die Westschweiz bis in den Oberrheingraben ausbreiten. Der Schaden ist so beträchtlich, dass die Schweiz eine Melde- und Bekämpfungspflicht eingeführt hat. Einfaches Abmähen genügt allerdings nicht, da die Wurzeln erneut austreiben und die Ambrosia, bis zu vier Mal pro Jahr blüht – und ihre Pollen verbreitet. (az)

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