Ulm

31.03.2017

Unter dem Blues-Mond

Perfekte Gitarrenarbeit: Delta Moon im Charivari.
Bild: Reinhard Pfetsch

Auftritt Delta Moon im Charivari: Was die Band so besonders macht

Ulm Wenn zwei E-Gitarren gemeinsam solieren, dann kann das zu wunderbaren Duetten führen wie einst bei den Allman Brothers oder Wishbone Ash. Ungleich schwieriger wird es, zwei Slide-Gitarren in inniger Harmonie zu verschmelzen, denn wenn die Instrumentalisten nur ein klein wenig schlampig mit dem Glas- oder Metallröhrchen über die Saiten gleiten, quietschen sofort die Trommelfelle. Delta Moon aus Atlanta gehören zu den wenigen Bands überhaupt, die mit zwei gleichberechtigten Slide-Spielern auftreten. Wenn sich Tom Gray und Mark Johnson duellieren oder gemeinsam sahnige Läufe aus ihren Gitarren kitzeln, dann klingt das so innig, als wären die beiden eineiige Gitarrenzwillinge. Kein Wunder, denn die zwei Gründungsmitglieder der Band spielen schon seit etwas über 20 Jahre zusammen und scheinen sich blind zu verstehen. Im Charivari legten sie schon zum zweiten Mal einen Auftritt hin, der nur einen Wunsch offenlässt – dass sie bald mal wieder vorbeischauen mögen.

Das Quartett spielt diesen etwas trägen, bluessatten Sumpfrock, wie er nur in der schwülen Hitze des US–Südens gedeihen kann. Dieser verträgt keine übertriebene Hektik, sondern lebt von den dampfenden Slide-Gitarren. Die beherrschen Gray und Johnson so meisterhaft, dass sich der Sound von Delta Moon tatsächlich von dem vieler anderer Bands abhebt. Die Songs sind gut, solide Arbeit, bekommen aber den gewissen Glanz, der sie aus der Masse heraushebt, erst durch das feine Gitarrenspiel. Das verrichten Gray und Johnson unaufgeregt, ohne übertriebenes Posing, nur manchmal wackelt Gray, der mit grauem Kopf und dicker Brille eher wie der freundliche Erzählonkel wirkt, ein wenig mit der Hüfte. Das muss als Bühnenshow genügen, die Musik spricht für sich – und das wird im wieder mal gut mit Kennern gefüllten Charivari entsprechend beklatscht. Doch gegen Ende geht die Band aus sich raus und hebt zu einer kleinen Session ab. Da darf auch mal Bassist Franher Joseph, der mit abgrundtiefer Chorstimme die Refrains erdet, den Fingern ein wenig Auslauf gönnen und Aushilfstrommler Greg Baba zeigt, dass er mehr drauf hat, als nur zuverlässig den Beat zu klopfen.

Ach ja, mit Johnson und Gray lässt sich auch angenehm plaudern, denn nach dem Konzert suchen sie noch den direkten Kontakt zum Publikum – zwei reifere Herren, denen ihr Job richtig Spaß macht.

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