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Ulm

28.06.2017

Vater gesteht vor Gericht: Ich habe meinen Sohn getötet

Im Munderkinger Mordprozess am Landgericht Ulm hat der Vater des getöteten Buben ein Geständnis abgelegt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Im Munderkinger Mordprozess am Landgericht Ulm hat der Angeklagte die Schuld am Tod seines Sohnes eingestanden. Doch die Frage nach dem Motiv bleibt offen.

In einer kurzen Erklärung hat am Mittwoch der Angeklagte am Landgericht Ulm die Schuld am Tod seines sechsjährigen Sohnes eingestanden. Er sei erschüttert über die von ihm begangene Tat und müsse sich den Konsequenzen stellen, ließ er über seinen Verteidiger am dritten Verhandlungstag im Schwurgericht vortragen: „Ich weiß, dass ich das nicht wieder gutmachen kann.“

Mit starrem Gesichtsausdruck hörte sich der 43-jähriger Angeklagte das an, was er auf nicht mehr als einer Seite zu Papier gebracht hatte. Vor Gericht steht der Mann, weil er in einem erweiterten Suizid versucht haben soll, sich und seinen Sohn am Abend des 13. Juli vergangenen Jahres in seinem Haus in Munderkingen (Alb-Donau-Kreis) zu töten. Er überlebte den Suizidversuch. Sein kleiner Sohn starb hingegen an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Der Vater hatte im Schlafzimmer gewartet, bis das Kind einschlief und rollte dann seinen Holzkohlegrill in den Raum, verklebte die Tür und entnahm dem Rauchmelder die Batterie. Dann zündete er das Grillgut an, sodass sich die geruchlosen tödlichen Dämpfe ausbreiten konnten. Anschließend legte er sich in dem Doppelbett neben seinen Sohn und wartete auf den Vergiftungstod. Nachbarn alarmierten die vom Angeklagten getrennt lebende Ehefrau, weil sie den Bub vermisst hatten. Die Mutter eilte sofort mit ihrem Bekannten zum Haus und entdeckte die Leiche ihres Sohnes und den benommenen Ex-Mann und alarmierte Feuerwehr und Polizei.

Am ersten Verhandlungstag hatte der Staatsanwalt begründet, warum er Mordanklage erhob. Der Angeklagte habe seinen Sohn heimtückisch getötet: „Er konnte sich nicht wehren.“ Der Angeklagte habe sich mit dieser Tat an seiner Frau rächen wollen, die sich von ihm hatte scheiden lassen und beim Familiengericht das alleinige Sorgerecht für den Sechsjährigen bekommen hatte. „Er wollte und konnte sich nicht mehr mit dieser Situation abfinden“, sagte der Staatsanwalt. „Und er fand den Sohn bei der Mutter nicht gut aufgehoben.“

In seiner Erklärung ging der Angeklagte mit keinem Wort auf die möglichen Motive ein und schloss weitere Angaben für die weiteren Prozesstage aus. Er ließ in der Erklärung das Schwurgericht auch wissen, dass er sich aufgrund der schweren Vergiftung bis heute nicht an die Tatvorgänge erinnern könne, aber aufgrund der Aktenlage die Verantwortung für den Tod des Sohnes übernehmen müsse.

Der Notarzt aus Ehingen, der nach der Entdeckung der Tat sofort zum Ort des Grauens und der Trauer gerufen wurde, sagte als Zeuge aus, dass bei dem Kind schon die Leichenstarre eingesetzt habe, als er eintraf. Der neben dem Sohn liegende Vater habe aber Lebenszeichen von sich gegeben. Er begleitete den Schwerverletzten im Rettungswagen zum Kreiskrankenhaus Ehingen, wo der Oberarzt ihn weiterhin medizinisch betreute. Immer wieder habe er versucht, mit dem benommenen Patienten verbalen Kontakt aufzunehmen, sagte er am Mittwoch vor Gericht „Zunächst hat er den Kopf bei meinen Fragen weggedreht.“ Nachdem die Kohlenstoffmonoxidwerte aber rasch sanken, konnte er ein wenig sprechen und antwortete auf die Frage des Arztes, ob er Probleme mit seiner Ehefrau gehabt habe: „Wenn ich das wüsste, warum meine Frau nicht mehr bei uns wohnt.“ Am nächsten Verhandlungstag am Montag, 3. Juli, tritt die Ex-Frau des Angeklagten und Mutter des getöteten Buben in den Zeugenstand.

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