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Ulm

17.02.2016

Verwirrspiel um das „Ulmer Oratorium“

Das „Ulmer Oratorium“ sollte dem Münsterturm (hier ein Bild aus dem Inneren) zum Jubiläum huldigen. Doch daraus wurde nichts.
Bild: Alexander Kaya

Hat Komponist Marios J. Elia eine fertige Partitur vorgelegt oder nicht? Die Stadtverwaltung sagt nein. Doch aus dem Gemeinderat gibt es Widerspruch.

Im Drama um das „Ulmer Oratorium“ schienen die Rollen klar verteilt. Der Bösewicht, das ist aus Sicht der Stadt Marios J. Elia, der es nach Aussagen der Organisatoren nicht rechtzeitig schaffte, seine Komposition fertigzustellen – deswegen wurde das musikalische Großereignis, das der Höhepunkt des Münsterturm-Jubiläums sein sollte, kurzfristig abgesagt. Schlimmer noch: Der Zyprer hat noch immer keine fertige Partitur abgegeben – heißt es aus dem Rathaus. Das betonte Oberbürgermeister Ivo Gönner im Dezember gegenüber der NUZ. Und auch im Abschlussbericht zum Jubiläumsjahr, der am Mittwoch, 17 Februar, im Gemeinderat diskutiert wird, heißt es, dass die Stadt „kein vollständiges, gedrucktes Notenmaterial“ habe. Doch ist das tatsächlich die Wahrheit? CDU-Stadtrat Hans-Walter Roth widerspricht: Auf seinem Schreibtisch liege seit dem 8. Mai 2015 die spielfertige und als spielbar beurteilte ausgedruckte Partitur.

Bei der neuen Diskussion geht es um eine zweite Chance für das speziell für Ulm komponierte Werk – der Vertrag mit Elia zum 5. März vergangenen Jahres gekündigt, die Uraufführung 2015 wurde durch das „Klangfest@125“ ersetzt, bei dem die für das Oratorium eingeplanten Ensembles und Künstler jeweils andere Werke zum Besten gaben. Schon seit einigen Monaten wird über einen neuen Versuch spekuliert, wobei der Komponist selbst sich auffällig zurückhielt. Der Grund: Es gibt offenbar eine Vereinbarung der Stadt mit Elia, die eine Schweigeklausel beinhaltet. Die freilich für die Stadtoberen nicht zu gelten scheint.

Stadtrat Roth ärgert der Umgang mit Elia und dem Werk. Deswegen macht er keinen Hehl aus seiner Verwunderung über die Aussagen aus dem Rathaus. Ihm sei bekannt, dass man auch dort von der Fertigstellung des Oratoriums wisse. Er wolle den Skandal nicht noch einmal hochkochen, sondern ihn zu einem friedlichen Abschluss führen: „Mir geht es darum, dass die Stadt ihr Gesicht wahren kann“, so der CDU-Mann. Sprich: Roth will alles dafür tun, damit es doch noch zu einer Aufführung kommt. Und er weiß einige andere Stadträte auf seiner Seite. Roth selbst will in der Sitzung die ausgedruckte Partitur des „Ulmer Oratoriums“ auf den Ratstisch legen. Damit keiner mehr sagen könne, er wissen nichts von deren Existenz.

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Doch warum wird vonseiten der Stadt eine so undurchschaubare Informationspolitik in Sachen Oratorium betrieben? Hans-Walter Roth will darüber nicht spekulieren. Wer aber das Drama um die Absage miterlebt hat, weiß: Das Thema ist hochemotional. Der Komponist beteuerte immer wieder, dass – anders als etwa von Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland beklagt – zum Zeitpunkt der Absage der entscheidende Teil der Partitur vorgelegen habe. Elia ist gekränkt und fühlt sich an den Pranger gestellt. Auf Seiten der Stadt reagierte man sauer und sogar beleidigt auf das Platzen der Uraufführung: OB Gönner wollte die Partitur danach nur noch im Archiv verstauben lassen. Hinter vorgehaltener Hand waren noch ganz andere Dinge zu hören, die bisweilen sogar nach Verschwörung klangen: Manche Beteiligte seien mit dem Werk schlicht überfordert gewesen und hätten das Projekt deswegen bewusst hintertrieben. Aus den Reihen des Gemeinderats hörte man auch Kritik an Gönner, weil dieser einen von Elia geforderten Projektmanager für überflüssig hielt.

Doch Stadtrat Roth geht es mit seiner Initiative nicht um eine Nachlese, sondern um die Zukunft. Aus seinem – schon vor einigen Monaten in unserer Zeitung geäußerten – Wunsch, dass das Oratorium am Schwörmontag aufgeführt werde, quasi zur Amtseinführung des neuen Oberbürgermeisters, werde zwar wohl nichts mehr werden. „Aus meiner Sicht würde sich aber auch das Reformationsjahr 2017 anbieten“, sagt Roth. Es wäre noch in dem Rahmen, den sich die Stadt gesteckt hat: Im Abschlussbericht zum Turmjubiläum steht, dass es eine Vereinbarung mit Elia gebe, innerhalb von zwei Jahren zu prüfen, ob eine spätere Realisierung möglich sei. Als Veranstalter, so ist zu lesen, wolle die Stadt aber nicht mehr auftreten. Ein fest definierter Zuschuss sei aber denkbar.

Einiges an Geld verloren hat die Stadt schon jetzt: Statt der 2014 eingeplanten rund 250000 Euro kosteten das Oratorium und das Ersatzprogramm laut Abschlussbericht rund 551000 Euro. Etwa 111500 Euro davon flossen in Vorarbeiten, die im „Klangfest@125“ keine Verwendung fanden. An Komponist Elia gingen demzufolge 23100 Euro plus Spesen.

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