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Ulm

17.04.2016

Viel mehr als nur der Chauffeur

Dank Roland Weichert können die Patienten Philipp Tunda (von links), Gerhard Mühlich und Wolfgang Straub dem Krankenhausalltag entfliehen.
Bild: Alexander Kaya

Roland Weichert ist Freizeitbetreuer am Rehabilitations-Krankenhaus Ulm. Was ihm dabei wichtig ist.

Es ist Wochenende, das Wetter spielt mit, also ab zum Blautopf oder nach Roggenburg zum See. Kein Problem für Menschen mit zwei gesunden Beinen. Für querschnittsgelähmte Patienten der Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) wird ein Ausflug dagegen schnell kompliziert. Wie kommt man hin? Gibt es behindertengerechte Parkplätze? Sind die Wege für den Rollstuhl geeignet? Hier hilft Roland Weichert, der seit zwei Jahren der offizielle Freizeitbetreuer für diese Patienten ist. Das gab es davor noch nicht im RKU.

„Ich sorge für einen Tapetenwechsel zum grauen Krankenhausalltag“, erklärt der gelernte Pfleger für Heilerziehung. An einem schwarzen Brett im RKU hängt er verschiedene Veranstaltungen aus. Vom Besuch eines Rockkonzerts über einen Ausflug zum Thalfinger See erfüllt er auch persönliche Wünsche einzelner Patienten. „Wenn mal wer zu einem Besichtigungstermin einer behindertengerechten Wohnung in Augsburg muss oder einfach mal Lust auf saure Kutteln hat, ich versuche, die Seele des Betroffenen zum Lächeln zu bringen“, sagt der 61-jährige Weichert. Immerhin sei die Freizeitgestaltung ein wichtiger Prozess der Genesung. Vorab schaut er sich die Orte an, ob alles rollstuhltauglich ist, damit es keine unangenehmen Überraschungen gibt.

Wolfgang Straub beispielsweise, der seit einer bakteriellen Infektion an den Rollstuhl gebunden ist, erklärt: „Man kommt einfach wieder raus aus dem Krankenhaus.“ Viele würden sich nach einem langen Aufenthalt damit schwer tun.

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Für die Ausflüge nutzt Weichert einen Kleinbus mit Hebebühne. Das Detail übersehen manche Autofahrer und parken zu nah am Fahrzeug, dann kann die Bühne nicht ausgefahren werden. Daher appelliert er, genauer hinzuschauen. Wenn aber alles gut läuft, kann er drei Rollstuhlfahrer mitnehmen. Falls es mal länger dauert, hat er Getränke dabei und falls es mal noch länger dauert auch Urinflaschen. Das bringe die Erfahrung mit sich, so Weichert.

29 Stunden in der Woche kümmert er sich um die Patienten. Alleine. Das ganze Jahr. „Aber auch in seiner Freizeit ist er für uns da“, sagt der Patient Gerhard Mühlich. Überhaupt baut sich eine enge Beziehung zwischen den Patienten, deren Familien und ihrem Betreuer auf, immerhin verbringt man viel Zeit miteinander. Da kann ein Ausflug schon mal länger dauern als geplant. „Manchmal meckern die Krankenschwestern“, sagt Weichert schmunzelnd. Immer ein Highlight sind die Spiele der Sabres Ulm. Die Rollstuhlbasketballer haben auch eine Kooperation mit dem RKU. Sie leihen sich für Auswärtsspiele den Bus aus, dafür gibt es Freikarten zu den Heimspielen. „Wir haben ein gutes Verhältnis zu den Spielern, man kennt sich mittlerweile“, sagt Straub.

Für dieses Wochenende ist der nächste Ausflug geplant. Es geht nach Roggenburg zum Kloster und anschließend nach Meßhofen in die Hausbrauerei Kolb. Der Pfleger und seine Patienten freuen sich schon darauf.

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