Newsticker
Corona-Gipfel: Lockdown wird wohl bis Mitte Februar verlängert
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Vorwürfe in Richtung Neu-Ulmer Firma Paragon: Geschäftsführung steuert auf Crashkurs mit Arbeitnehmerrechten

Neu-Ulm

15.12.2020

Vorwürfe in Richtung Neu-Ulmer Firma Paragon: Geschäftsführung steuert auf Crashkurs mit Arbeitnehmerrechten

Paragon entwickelt, produziert und vertreibt Lösungen im Bereich der Automobilelektronik, Karosserie-Kinematik und Elektromobilität. Zum Portfolio des marktführenden Direktlieferanten der Automobilindustrie zählen im Segment Elektronik innovatives Luftgütemanagement, moderne Anzeige-Systeme und Konnektivitätslösungen sowie akustische High-End-Systeme.
Bild: dpa-tmn

Plus IG Metall und Betriebsrat prüfen die Einleitung rechtlicher Schritte nachdem in dem vor der Schließung stehenden Werk angeblich geltendes Recht missachtet werde. Und das vor dem Hintergrund eines Rekordgewinns.

Ende Mai soll wie berichtet das Neu-Ulmer Werk des Autozulieferers Paragon schließen, so hat es der Mutterkonzern beschlossen. Die 50 Beschäftigten wählten Hindernissen zum Trotz daraufhin einen Betriebsrat.

Verstoß in Neu-Ulm gegen Bundesurlaubsgesetz?

Die Gewerkschaft IG Metall und Betriebsrat prüfen nach eigenen Angaben nun die Einleitung rechtlicher Schritte. Denn: Die Geschäftsführung von Paragon pfeife weiter auf Arbeitnehmerrechte und betriebliche Mitbestimmung. Dass die Geschäftsführung von Paragon weiterhin nicht viel von betrieblicher Mitbestimmung und Arbeitnehmerrechten hält, habe sie in den vergangenen Wochen mehrfach bewiesen. So habe Paragon, trotz ernster Pandemielage und der eindringlichen Bitte seitens des Betriebsrates, deshalb zwischen den Jahren Betriebsruhe einzuhalten, ursprünglich geplant, die Belegschaft durcharbeiten zu lassen und den Resturlaub aus 2020 und 2021 erst Ende Mai 2021 zu gewähren.

„Die Belegschaft hatte dieses Jahr noch keine zwei Wochen am Stück zusammenhängend Urlaub. Das Bundesurlaubsgesetz sagt aber ganz klar, dass das Urlaubsjahr das Kalenderjahr ist“, sagt die Betriebsratsvorsitzende Carmen Fischer. Die Arbeitnehmervertreter nehmen die Apelle von Ministerpräsident Söder und auch der Bundesregierung ernst: „Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber werden gebeten, Betriebsferien oder großzügige Homeoffice-Lösungen vom 16. Dezember bis zum 10. Januar anzubieten.“

Druck der Arbeitnehmervertreter hat Auswirkungen bei Paragon in Neu-Ulm

Erst auf den Druck der Arbeitnehmervertreter habe die Geschäftsführung nun entschieden, zwischen den Jahren eine Betriebsruhe einzuhalten. „Das freut uns prinzipiell sehr, dass hier die Vernunft gesiegt hat, aber die Geschäftsführung kann diese Entscheidung nicht mehr einseitig ohne Beteiligung des Betriebsrates treffen. Sie machen es aber trotzdem.“

Die IG Metall und auch der Betriebsrat prüfen derzeit die Einleitung rechtlicher Schritte. Es sei erstaunlich, mit welcher Ignoranz hier Seitens Paragon agiert wird, und Arbeitnehmerrechte und betriebliche Mitbestimmung durch gewählte Betriebsräte weiterhin nicht ernst genommen werden, so Günter Frey, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Neu-Ulm - Günzburg. „Die Einstellung der Verantwortlichen bei Paragon ist für mich nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch rechtlich nicht haltbar. Die Geschäftsführung ignoriere auch offizielle Stellen wie die Inklusionsämter in Bayern. Diese müssen vor Ausspruch einer Kündigung eines Menschen mit Schwerbehinderung angehört werden. Daran habe sich die Firma nicht gehalten.

"Wir sind mit der Entwicklung von Paragon absolut zufrieden."

Klaus Dieter Frers, Vorsitzender der Geschäftsführung von Paragon, hatte bereits im Juli gegenüber unserer Zeitung eingeräumt, dass er von einem Betriebsrat wenig halte. Man habe immer auf die Belange der Mitarbeiter gehört und brauche keinen Vermittler. Der ursprüngliche Plan des Unternehmens war es, nur einige Produktionslinien in das Paragon-Werk Limbach zu verlagern. Für die restliche Produktion wurde ein Gebäude in der Nähe des bisherigen Neu-Ulmer Standorts gesucht. Es seien bereits Investitionen für das neue Werk in Neu-Ulm von mehr als vier Millionen Euro vorbereitet. Im Zuge der Corona-Pandemie seien diese Pläne erneut überprüft worden. Die Geschäftsführung von Paragon habe sich daraufhin entschieden, kein neues Werk im Neu-Ulmer Raum zu errichten und die Aktivitäten bis spätestens 30. Juni 2021 an größere Paragon-Standorte zu verlagern, um Kosten zu sparen.

Was den Mitarbeiter in Neu-Ulm besonders bitte aufstoßen dürfte. Es läuft trotz geplanter Werksschließung. "Wir sind mit der Entwicklung von Paragon absolut zufrieden. Dass sich unser Geschäftsmodel lin dieser auch für die Automobilindustrie herausfordernden Zeit behauptet, ist ein Verdienst der strategischen Weichenstellungen, die wir in den vergangenen Monaten und Jahren getroffen haben. Wir werden das Geschäftsjahr deutlich besser abschließen, als es viele von uns erwartet haben. Und im kommenden Jahr nehmen wir Kurs auf das Vor-Corona-Niveau“, betont Klaus Dieter Frers in einer Pressemitteilung. Mit dem höchsten Quartalsumsatz im Automobilgeschäft seit Bestehen des Unternehmens hatte Paragon ein Rekordergebnis aufgestellt.

Auch interessant:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren