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Premiere

15.10.2018

Wer ist die Mörderin?

„Zwei Frauen und eine Leiche“ im Theater: Judith Brandstätter (blond) und Gaby Schall.
Bild: Theater Neu-Ulm

Die schwarze Komödie von Patrícia Melo „Zwei Frauen und eine Leiche“ am Neu-Ulmer Theater bringt einen Streit auf die Bühne, der am Ende eskaliert

Premiere im Theater Neu-Ulm und einige Zuschauerplätze blieben leer. Wer die irrwitzige Komödie der Spanierin Patricia Melo „Zwei Frauen und eine Leiche“ am Freitagabend verschmähte, hat etwas verpasst. Zwar ist das Zwei-Personen-Stück, das von den in der Salzburger Kleintheater-Szene bestens bekannten Gaby Schall (Beatriz) und Judith Brandstätter (Ana) gespielt wird, mitunter etwas abstrus und verwirrend, aber – sicher zum Teil deshalb – spannend, unterhaltsam und stets komisch.

Die beiden Frauen stellen vorzüglich die unterschiedlichen Charaktere von Beatriz, der Gattin des Toten und Ana, die dessen Geliebte war, dar. Doch so gegensätzlich sie sind, haben sie auch etwas Gemeinsames: eben den Mann, Ralf. Der ist, oder besser war ein Psychoanalytiker, der gleich zu Beginn der Komödie (in Form einer bekleideten Puppe) auf der nur mit spanischen Wänden, zwei weiteren Stühlen und einem Tisch ausgestatteten Bühne sitzt: Mausetot, kürzlich ermordet.

Der Beginn des Abends wirkte tragisch, doch dann wurde es urkomisch, wie die beiden Frauen mit dem Geschehenen umgingen. Beatriz beschuldigt ihre Rivalin, Ralf umgebracht zu haben, Ana behauptet das glatte Gegenteil. Im ersten Streit eine Schlüsselszene: Die temperamentvolle, etwas überkandidelte und leicht dümmlich wirkende Ana herrscht Beatriz – beide hatten sich immer als gute Freundinnen bezeichnet – an: „Du machst alles kaputt. Ich bin nicht Deine Freundin.“ Beatriz kontert: „Ich hasse dich!“. Ralfs Tod scheint für beide gar nicht so tragisch zu sein. Ralf, ob tot oder lebendig, ist nur die Ursache für allen Zwist zwischen den beiden Frauen. Mehr nicht. Die beiden auf der Bühne – Beatriz dezent gekleidet, Ana oft aufgedonnert, was zu ihr hervorragend passt – haben genug damit zu tun, zu streiten, sich Vorwürfe zu machen und mal ihre Freundschaft heraus zu streichen und sie dann wieder ins Reich der Fabel zu verbannen. Das zieht das Theaterstück bis zum Ende durch. Wobei die anfangs stoisch ruhig und überlegen wirkende Beatriz mit ihren pechschwarzen Haaren richtig aufblüht, wenn sie zornig wird. Ganz authentisch von Gaby Schall gespielt. Judith Brandstätter überzeugt am meisten, wenn Blondine Ana von der aufbrausenden Furie blitzartig zur ruhigen, Beatriz spöttisch betrachtenden und auf einmal einen klugen Satz von sich gebenden Frau wird.

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Dabei muss der Zuschauer aufpassen, dass er nicht den Faden verliert. Denn in der nächsten Szene siezen sich die Schauspielerinnen plötzlich. Beatriz erklärt Ana, sie fühle sich von ihr verfolgt. Eine Rückblende auf die Zeit, als sich die beiden kennenlernten und wie sie dann anhand eines Fotos feststellten, dass Ralf der Ehemann von Beatriz und der Analytiker von Ana wegen deren unerklärlichen Hustens ist. Irrwitzig, wie Beatriz während des Disputs immer wieder ihr Handy nimmt und Ana nicht beachtend, Mal um Mal mit Handwerkern oder Baumarktangestellten telefoniert und sich lauthals über Missstände beschwert. Oder wie die beiden ihre unterschiedlichen Diät-Arten demonstrieren.

In einem Monolog alleine auf der Bühne klagt Ana, dass Ralf mit ihr vor einiger Zeit Schluss gemacht hat, und zwar mittels einer Nachricht auf die Mailbox. Jetzt schimpft sie auf ihren Ex-Geliebten und dessen „blöde Frau“, die dann aber gleich wieder über den grünen Klee gelobt wird. Ein Beziehungs-Hin-und-Her ohnegleichen. Plötzlich hat Ana einen Revolver in der Hand und es fällt ein Schuss. Pause.

Im Anschluss geht der Streit weiter. Beatriz und Ana keifen sich an, dass es besser nicht geht. Dabei stellen beide immer wieder ihre angebliche Freundschaft höchst infrage. Ana glaubt aber, dass Ralfs Tod etwas Gutes habe: „Jetzt sind wir frei.“ Und was passiert? Die beiden Damen werden handgreiflich, prügeln sogar mit Stühlen aufeinander ein und Ana sagt: „Ich bin nicht so dumm. Ich habe alles ganz genau so eingefädelt, wie es gekommen ist.“

Es wird immer verrückter. Beatriz erklärt, sie habe Ralf gesagt, sie habe mit Ana ein Verhältnis, „damit das alles endlich aufhört“. Ana kann es nicht fassen, nimmt ein Messer und rammt es Beatriz in den Bauch. Die jammert, sie wolle nicht sterben und sticht das Messer Ana ebenfalls in den Bauch. „Zwei Frauen und eine Leiche“, von Gerda Gratzer spannend und stimmig inszeniert oder zwei Frauen, ein Mann und drei Leichen? Lassen wir es offen.

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