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Neu-Ulm

06.09.2019

Wird der Barfüßer in Neu-Ulm zum Kulturzentrum?

Was wird aus dem Barfüßer? Es gibt eine neue Idee für das Areal.
Bild: Alexander Kaya

Bürger haben ein Konzept für das Gelände ausgearbeitet. Dieses soll die Verwaltung nun prüfen – und danach der Stadtrat entscheiden, fordert die FWG-Fraktion.

Was passiert auf dem Gelände des Barfüßer an der Paulstraße? Eigentlich will Großgastronom Eberhard Riedmüller das alte Gebäude abreißen und durch einen Neubau samt Hotel und Tiefgarage ersetzen. Derzeit verhandelt der Pächter mit der Stadt über diese Pläne. Doch es könnte vielleicht ganz anders kommen: Eine Gruppe von Bürgern hat ein umfassendes Konzept erstellt, wie das Areal zu einem „modernen soziokulturellem Zentrum“ werden könnte – genauer gesagt: zum „Kulturwerk Neu-Ulm“.

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Die Gruppe der Bürger – kulturelle Aktivisten und Anwohner – hat sich aus dem Umfeld des eigens für das diesjährige Stadtjubiläum ins Leben gerufene Bürgertheater gebildet. Das Konzept für das Barfüßer-Gelände hat sie unter dem Arbeitstitel „Casino – neu denken“ erarbeitet. Demnach könnte das Areal ein „Ort für Begegnung und Kommunikation für Bürger, Familien, Vereine und Institutionen, für Kunst, Kultur und Bildung, Nachbarschaftstreffs, Treffpunkt für verschiedenste Gruppen, Entfaltung der Potenzial und Verwirklichung von Ideen aus der Neu-Ulmer Bevölkerung“ werden. Die Einrichtung soll dabei keineswegs in Konkurrenz zur bereits bestehenden Institutionen treten, sondern deren Angebote ergänzen.

Konzept für das "Kulturwerk Neu-Ulm" auf dem Barfüßer-Gelände umfasst 20 Seiten

In dem 20 Seiten umfassenden Konzept schreibt die Gruppe, die den Abriss des bekannten und geschichtsträchtigen Neu-Ulmer Gebäudes und insbesondere das Fällen des historischen Baumbestandes dort verhindern möchte: „Neben einem regelmäßigen Programmangebot mit Lesungen, Theater, Konzerten und Ausstellungen, welches das Kulturwerk veranstaltet und dessen Grundmotto von einem Leitungsgremium festgelegt wird, sehen wir das Haus als Hauptstandbein für ,mobile‘ Angebote.“ So soll es nicht nur feste Einmietungen geben, das Gebäude soll sich durch wechselnde Künstler, die ihre Arbeiten präsentieren, stets wandeln.

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Vorstellbar seien unter anderem ein Kulturhaus der Neu-Ulmer, wo sich beispielsweise Vereine und Bildungsangebote verankern könnten, eine Plattform für gesellschaftspolitische Themen oder Wohnraum für Gäste der Stadt im Hoteltrakt. Auch Räume für Projekte, ein Reparaturcafé oder regelmäßige Tanztee-Veranstaltungen seien denkbar. Aber auch Gastronomie soll vor Ort sein – und zwar mit einem Pächter, der das „Kulturwerk“ mit einem passenden Konzept unterstütze. „Beispielsweise muss es möglich sein, auch nach Konzerten oder Theateraufführungen das Publikum und die Künstler noch mit einem warmen Essen zu versorgen“, heißt es in dem Konzept. Das Angebot soll „klein aber fein sein zu fairen Preisen“.

Am Außenbereich bedarf es nach Meinung der Unterzeichner keiner großen Änderungen, eine kleine Bühne sei vorgesehen. Ein „erheblicher Vorteil“ aus Sicht der Gruppe: Die teilweise über 100 Jahre alten Bäume könnten erhalten bleiben. „Unser Konzept plant mit diesen Bäumen“, schreibt die Gruppe. Mittelfristig soll das Gelände dann wieder zum Glacis werden und weitere Bäume gepflanzt werden.

So soll das Kulturzentrum finanziert werden

Finanziert werden soll das alles durch eigene Erträge wie Verpachtung des Gastronomiebereichs sowie Vermietung von Hotelzimmern und anderen Räumen, durch Sponsoren und Werbung, Fördermittel und Zuschüssen sowie Spenden. Die Ersteller des Konzepts haben bereits eine Einnahmen- und Ausgabenplanung aufgestellt und einen Gesellschaftervertrag entworfen.

Das Konzept soll die Neu-Ulmer Verwaltung nun prüfen – das hat die FWG-Stadtratsfraktion beantragt. Danach soll der Nutzungsvorschlag dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt werden. Ein solches soziokulturelles Zentrum „würde die durch das Stadtjubiläum hervorgerufene Aufbruchstimmung fortsetzen“, schreibt die Fraktion. Der Stadt bliebe so ein historisches Bauwerk erhalten, und sie behielte das letzte Grundstück neben dem Schwal mit direktem Donauzugang in ihrer Hand. Zudem entfalle eine Sanierung des kompletten Bestands. Das Konzept für das soziokulturelle Zentrum könne zudem „interimsmäßig ,ausprobiert‘ werden“. Denn Pächter Riedmüller habe bereits zum 1. Januar 2020 gekündigt – und das Verfahren zur Neubebauung dauere „sicher noch einige Zeit“, heißt es in dem Antrag weiter.

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