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Ulm

12.10.2018

Zeitreise in die fremde neue Heimat

Der Autor Imran Ayata und der Musiker Bülent Kullukcu (rechts) präsentieren die „Songs of Gastarbeiter“ im Ulmer Roxy. Die Resonanz blieb eher verhalten.
Bild: Andreas Brücken

Mit ihren Fundstücken berichten Imran Ayata und Bülent Kullukcu im Roxy von den Liedern der „Gastarbeiter“. Aber so richtig will der Abend nicht zünden.

Als in den 1950er Jahren die ersten Arbeiter aus Italien, Griechenland und später auch aus der Türkei nach Deutschland kamen, um das Wirtschaftwunder mit aufzubauen, hatten die Menschen auch Sehnsucht und Heimweh im Gepäck. Mit ihrer Musik brachten die neuen ausländischen Mitbürger ihren Schmerz und ihre Hoffnungen zum Ausdruck. Der Autor Imran Ayata und der Musiker Bülent Kullukcu haben sich mit ihrem Projekt „Songs of Gastarbeiter“ dieser importierten Kultur gewidmet. Rund 50 Besucher kamen zur Präsentation mit Musik, Filmen und Fotos ins Ulmer Roxy.

Intensiv suchten Ayata und Kullukcu in Archiven und durchforsteten die Musiksammlungen ihrer Eltern und Bekannten, um die Songs der ersten Einwanderergeneration zu finden.

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Der „Godfather der Gastarbeitermusik“ sei für sie Metin Türköz. Der gelernte Schlosser kam 1962 nach Deutschland, um für Ford in Köln zu arbeiten. Bald wurde er jedoch als Volkssänger bekannt und veröffentlichte schließlich 13 Langspielkassetten und 72 Singles, die auf Deutsch und Türkisch gesungen wurden. Sein Thema waren zunächst die hohen Mieten und das teuere Bier in „Alamanya“. Etwa zehn Jahre später sang Türköz auch über die Ausgrenzung und den Rassismus, den er und seine Landsleute in Deutschland erleben mussten.

Als echter Vorzeigetürke stellte Autor Ayata den Musiker Ozan Ata Canani vor: „Der ist für Demokratie und gegen Erdogan.“ Mit seinem Lied „Deutsche Freude” von 1978 sprach er wohl den vielen türkischen Einwanderern aus der Seele. In seinem Song bezog er sich auf das bekannte Zitat von Max Frisch:„Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen“. Canani schildert damit das Dilemma der damaligen Einwanderer in die Bundesrepublik, denn sie waren als Arbeitskräfte ins Land geholt worden, waren aber doch irgendwie ungewollt. Und tatsächlich wurden die neuen Mitbürger zunächst nur als Gäste angesehen, wie ein Filmausschnitt aus einer Talkshow aus den 1980er Jahren zeigte. Moderator Alfred Bioleck erkundigte sich darin bei jungen Türken, ob und wann sie denn wieder in ihre Heimat zurück wollten. Umso größer war das Erstaunen des Talkmasters, als die Befragten erklärten, dass sie sich in Deutschland zu Hause fühlten, hier zur Schule gingen, eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren wollten. Mit HipHop und Rap von den Enkeln der ersten Einwanderer beenden Ayata und Kullukcu die musikalische Zeitreise.

Oder vielleicht haben die Beiden auch die Notbremse gezogen: Denn ganz offensichtlich gelang es dem Duo nicht wirklich, das Thema an sein Publikum mit einem angemessenen Unterhaltungswert zu verkaufen. Bisweilen verließen auch Zuschauer schon während der Show den Saal. In wenig pointierten Dialogen hangelten sich die Zwei durch das Programm. So machte sich der Eindruck breit, dass das Publikum lediglich Zeuge wurde, wie Ayata und Kullukcu in ihrem Plattenarchiv kramten.

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