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Handwerk

18.06.2011

Auf der Walz von Italien bis Polen

Steinmetzgeselle Andreas machte in Rennertshofen eine Zwischenstation und besuchte Bürgermeister Ernst Gebert.
Bild: Foto: Geyer

Ein ehrbarer Wandergeselle sprach im Rennertshofener Rathaus vor

Rennertshofen Es darf nur auf die Wanderschaft gehen, wer die Gesellenprüfung bestanden hat, ledig, kinderlos und schuldenfrei ist. Drei Jahre und ein Tag, so schreibt es die Zunft vor, „muss ein Wandergeselle unterwegs sein. Und weiter heißt es: „Die Wanderschaft soll nicht als Flucht“ vor Verantwortung missbraucht werden.“

Was früher bei den Zünften an der Tagesordnung war, ist heutzutage eher eine Seltenheit. Nur noch ganz selten trifft man auf einen Wandergesellen, der die schwierige Zeit der Tippelei auf sich nimmt. Am Donnerstag traf der Steinmetzgeselle Andreas („Mein Familienname ist unwichtig.“) aus Brennberg im Bayerischen Wald in Rennertshofen ein: Seine Kluft mit den weiten Schlaghosen, der Weste, dem schwarzen Jackett, einem Zylinder und dem „Charlie“, seinem Bündel mit dem Allernotwendigsten, ließ ihn schon von Weitem als Wanderburschen erkennen. Seinen gekrümmten Wanderstab hatte er irgendwo gefunden. Auch einen Ohrring als Gruppenkennzeichen der wandernden Gesellen trägt er.

Früher war der Ring eine Art letzte finanzielle Reserve und konnte im Notfall versetzt werden. Wenn sich ein Geselle aber unehrenhaft verhalten hatte, wurde dieser zum „Schlitzohr“ gemacht: der Ohrring wurde ihm ausgerissen.

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Sein erster Weg führte Andreas ins Rathaus, wo er bei Bürgermeister Ernst Gebert gemäß der alten Tradition mit einem geheim gehaltenen Vers zünftig um das Siegel vorsprach. In sein mitgeführtes Wanderbuch erhielt er dann das Siegel des Marktes Rennertshofen und die Unterschrift des Bürgermeisters. Daneben sprang auch noch ein kleines Zehrgeld heraus.

Der Bürgermeister von Genua hat ihn zum Essen eingeladen

Ein Blick in sein Wanderbuch zeigt, dass Andreas schon in allen sechzehn Bundesländern war und auch Italien, Österreich, die Schweiz und Polen besucht hatte. Nicht länger als drei Monate darf er bei einem Meister arbeiten, erzählte er. In seiner Reisezeit darf er einen Bannkreis von 50 Kilometern um seinen Heimatort nicht betreten, auch nicht im Winter oder an Feiertagen. Er darf kein eigenes Fahrzeug besitzen und sich nur zu Fuß oder per Anhalter fortbewegen.

Dann verrät er noch, dass er es in Genua besonders gut getroffen hatte, weil ihn dort der Bürgermeister zum Essen eingeladen hatte. Doch auch mit Rennertshofen war er zufrieden, konnte dort sogar die Oldtimer der Donau Classic bewundern und verriet zum Schluss noch, dass die Handwerksburschen mit dem Gruß „Fixe Tippelei!“ verabschiedet würden. Als ihm Selbiges gewünscht wurde, grüßte er mit dem korrekten „Fix bedankt.“

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