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Neuburg

03.10.2019

Das Aus für lukrative Sparverträge - auch in Neuburg

Alte Prämiensparverträge boten den Kunden der Sparkassen oft lukrative Zinssätze.
Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Die Sparkasse Neuburg-Rain hat alte Prämiensparverträge gekündigt und reagiert damit auf die aktuelle Zinspolitik der EZB. Was Sparer davon halten.

Überraschend kam der Brief für den Neuburger nicht. Es hatte sich bereits angekündigt, dass wohl viele Banken nach und nach lukrative Altverträge ihrer Kunden kündigen und damit auf die aktuelle Zinspolitik der EZB reagieren würden. Am vergangenen Donnerstag nun also lag der Brief im Briefkasten. Darin teilte ihm die Sparkasse Neuburg-Rain mit, dass sie seinen Prämiensparvertrag, den er Ende der 90er Jahre mit einem Zinssatz von über drei Prozent abgeschlossen hatte, kündigen werde. Das Neuburger Geldinstitut ist nicht das einzige, das seinen Sparern in den vergangenen Tagen die Kündigung ins Haus geschickt hat. Auch Prämiensparern der Sparkasse Ingolstadt-Eichstätt wurden die Verträge gekündigt.

Erst im Mai entschied der Bundesgerichtshof, dass langjährige Prämiensparer die Kündigung hinnehmen müssen, wenn die einmal vereinbarte Bonusstaffel ausgeschöpft ist. Denn die Verträge haben zwar keine Laufzeit, aber neben den Zinsen gibt es Bonuszahlungen, die Jahr für Jahr ansteigen, bis zuletzt eine 50-prozentige Prämienzahlung auf die Sparbeiträge erreicht ist. Genau das machte das Modell für Sparer auch so attraktiv.

So viele Kunden der Sparkasse Neuburg-Rain sind betroffen

Bei der Sparkasse Neuburg-Rain sind rund 1300 Kunden von den Kündigungen betroffen. Deren Verträge laufen seit mindestens 15 Jahren, haben keine Endfälligkeit und die höchste Prämienstufe ist bereits erreicht. „Die aggressive Geldpolitik der EZB macht derartige Entscheidungen nicht leichter“, sagt Vorstandsvorsitzender Nils Niermann. Denn mittlerweile müssen die Banken, um ihr Geld bei der EZB einzulagern, Strafzinsen zahlen. Und das bekommen nun auch die Sparer zu spüren. Niermann betont, dass die Bank den Großteil der betroffenen Kunden bereits im Vorfeld informiert habe und ihnen auch alternative Anlageformen angeboten hat beziehungsweise anbieten wird. Die Kündigungen gelten zum Ende des Jahres.

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Die VR Bank Neuburg-Rain sehe momentan nicht die Notwendigkeit für eine solche Maßnahme, sagt Vorstandsvorsitzender Werner Halbig. „Vermutlich gibt es auch bei uns solche Verträge, aber wir machen es nicht. Und wenn es einmal notwendig sein sollte, dann nicht in Bausch und Bogen. Wir würden da immer Einzelfallentscheidungen treffen.“

Sparkassenkunden können sich an den Verbraucherservice wenden

Beim Ingolstädter Büro des Verbraucherservice Bayern stehen seit Donnerstagnachmittag, als die ersten Briefe angekommen sind, die Telefone nicht mehr still. Fast alle Anrufer melden sich wegen ihrer gekündigten Sparverträge. „Wir sind in den kommenden drei Wochen komplett ausgebucht“, erklärt Beratungsstellenleiterin Susanne Gelbmann. Viele der Sparer seien total verunsichert und auch verärgert, hat Gelbmann beobachtet. Einige können nicht glauben, dass die Bank ihnen einfach ihren Vertrag kündigen kann. Doch nach dem BGH-Urteil kann das rechtens sein. Aber Gelbmann betont, dass es hier eine Einzelfallentscheidung war. Der Vertrag hatte keine Laufzeit und die höchste Stufe bei den Prämienzahlungen war bereits erreicht. Und so kann es durchaus nützlich sein, jeden einzelnen Vertrag noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Womöglich gibt es noch eine Laufzeit, die noch nicht abgelaufen ist. Viele der Sparer, die Hilfe beim Verbraucherservice suchen, wollen aber nicht nur die Kündigung anfechten, sondern vor allen Dingen wissen: Wie kann ich mein Geld, das bislang lukrative Zinsen beim Prämiensparen abgeworfen hat, in der aktuellen Niedrigzinsphase sinnvoll anlegen? Denn nicht immer seien die Vorschläge der Banken empfehlenswert, bestimmte Versicherungsprodukte seinen gerade für Ältere „kein guter Deal“. Der Neuburger Sparer, dessen Vertrag gekündigt worden ist, hat für sich bereits eine Lösung gefunden. Er hat Widerspruch eingelegt und will erst prüfen lassen, ob die Bank seinen Zinssatz korrekt berechnet hat. Und dann wird er künftig seine Bankgeschäfte nur noch bei einer Onlinebank erledigen.

Das Ingolstädter Büro des Verbraucherservice Bayern ist unter der Nummer 0841/ 95159990 erreichbar. Eine Vertragsprüfung kostet 30 Euro. (mit nel)

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