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Neuburg

31.01.2018

Das Gedächtnis des Landkreises

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Präsidentin der Lenbach Swingers, Michaela Lösch, und Chronist Reinhold Gleixner übergeben die Chroniken (seit Vereinsgründung 1997) an Gerhard Robold.
Bild: Dorothee Pfaffel

In der Regionalsammlung der Staatlichen Bibliothek ist allerlei Interessantes über Neuburg und Umgebung hinterlegt. Jeder kann zu diesem Bestand etwas beisteuern.

Adolf Priller hat sie einst feinsäuberlich mit der Hand geschrieben: eine Ortschronik seiner Heimatgemeinde Karlshuld aus den Jahren 1939 bis 1945/46 mit Kapiteln über Hausschlachtung, Tabakkonsum, Sauerkrautkonservierung und Schnapsbrennen. Dieses 248 Seiten umfassende Werk hat er kopiert, in einem Ordner abgeheftet und es 1993 stolz zu Gerhard Robold in die Staatliche Bibliothek nach Neuburg gebracht. Nun steht die Chronik im Magazin der Bibliothek, genauer gesagt in der Regionalsammlung „Neoburgica“, – im selben Regal wie die gedruckten Jahresberichte der Stadt Neubug an der Donau und Ehekirchens gebundene Gemeindeblätter. In zwei weiteren Regalen sind zum Beispiel alte „Örtliche“, Vhs-Programme und Isabella Brauns „Jugendblätter“ zu finden. Bibliotheksleiter Robold sammelt „alles, was im Landkreis und über den Landkreis erscheint“, wie er erklärt. Jetzt hat er wieder einen Neuzugang bekommen.

Michaela Lösch, Präsidentin der Lenbach Swingers, und Reinhold Gleixner, Chronist und Gründungsmitglied des Vereins, hatten sich am Dienstagabend extra in ihre Squaredance-Klamotten geworfen, um die zehn Chroniken – alle zwei Jahre erscheint eine – an Robold zu übergeben. Bis sie von einer der beiden Bibliotheksangestellten per E-Mail angeschrieben wurden, wussten sie gar nicht, dass es die Regionalsammlung überhaupt gibt. Die Idee, ihre Chroniken in der Staatlichen Bibliothek zu hinterlegen, hat sie aber sofort begeistert und ist etwas ganz Besonderes für sie. Lösch: „Es ist für uns sehr wichtig, dass die Chroniken aufbewahrt werden – damit meine Urenkel irgendwann mal nachschauen können, was ihre Uroma so getrieben hat.“

Auch Gerhard Robold freut sich, denn es ist gar nicht immer so einfach, an das regionale Material heranzukommen. Seine beiden Mitarbeiterinnen Uta Schlegel und Lena Zeidler durchsuchen beispielsweise jeden Tag die Zeitung, um herauszufinden, in welchem Ort im Landkreis ein Jubiläum oder eine Veranstaltung stattfindet, zu der es eine Festschrift geben könnte. Dann müssen sie Telefonnummern oder E-Mail-Adressen von Ansprechpartnern ermitteln, um Kontakt aufzunehmen. „Einige Vereine pflegen ihre Internetseiten, andere nicht“, erzählt Zeidler. Schlegel fügt hinzu: „Manchmal verzweifelt man da schon.“

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2017 konnte die Regionalsammlung um 193 Medien erweitert werden, 13 davon sind keine Bücher. Hier werden nämlich auch CDs, Kassetten, Schallplatten, Filme, Karten, Kalender wie „Die heiße Kartoffel“ und sogar Spiele wie das Neuburg-Monopoly verwahrt. Im Jahr 2016 waren es 233 neue Medien, 21 der Kategorie „nicht Buch“. In den vergangenen knapp 15 Jahren hat sich der Gesamtbestand der Sammlung von 3325 auf 7380 Medien mehr als verdoppelt, dabei haben sich die „nicht Buch“-Stücke von 181 auf 553 mehr als verdreifacht. Durch das Internet habe man heutzutage deutlich bessere Recherchemöglichkeiten als früher, erklärt der Bibliotheksleiter die Entwicklung.

Trotz des Aufwärtstrends wünscht er sich, dass die Regionalsammlung bei den Kommunen stärker im Bewusstsein verankert wäre und die Gemeinden von selbst auf ihn zukämen. Das würde die Arbeit einfacher machen, sagt Robold. Im nördlichen Landkreis funktioniere das besser als im südlichen. „Wir sind das Gedächtnis des Landkreises. Alles, was wir nicht haben, ist verlorenes Wissen.“ Hingegen alles, was – wie die Chroniken der Lenbach Swingers – in der Staatlichen Bibliothek landet, wird gesammelt, katalogisiert und für künftige Generationen bewahrt. Ein Teil wird auch digitalisiert und – wenn die Urheber es zulassen – im Internet öffentlich zugänglich gemacht. Der Rest wird zumindest ins Verzeichnis der Bibliothek aufgenommen und kann dann von den registrierten Benutzern ausgeliehen oder vor Ort im Gebäude am Karlsplatz eingesehen werden.

Gerhard Robold appelliert an alle Landkreisbewohner: „Jeder kann uns etwas vorbeibringen. Es muss nur einen Bezug zum Landkreis haben.“ Es könne durchaus auch etwas Älteres, zum Beispiel aus einem Nachlass, sein. „Bevor es weggeworfen wird, lieber uns geben!“

Öffnungszeiten: Montag 13.30 bis 16 Uhr, Dienstag 13.30 bis 18 Uhr, Mittwoch 13.30 bis 16 Uhr, Donnerstag 10 bis 12 Uhr und

13.30 bis 16 Uhr, Freitag 10 bis 13:30 Uhr.

Die Staatliche Bibliothek befindet sich am Karlsplatz 17 in Neuburg, Telefon: 08431/9106.

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