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Geburtstag

22.04.2015

Der älteste Karlshulder wurde 95

Mit 95 Jahren ist Alois Neugebauer (Mitte) der älteste Einwohner Karlshulds. Zu seinem Geburtstag gratulierten ihm (von rechts) Enkel Sebastian und Tochter Helga Weinert, seine ehemalige Kollegin Helga Blöckl und deren Nachfolger in der Gemeindeverwaltung, Bürgermeister Karl Seitle.
Bild: Uwe Kühne

Alois Neugebauer aus dem Sudentenland verschlug es nach zwei Jahren in russischer Gefangenschaft nach Karlshuld. Dort arbeitete er bald in der Gemeindeverwaltung, wo er auch Karl Seitle anlernen durfte

Mit seinen 95 Jahren ist Alois Neugebauer der älteste Bürger der Gemeinde Karlshuld. Der am 21. April 1920 in Niederthomasdorf im Kreis Freiwaldau im Sudentenland geborene Jubilar hat in den 95 Jahren viel erlebt. Seine Eltern Johann und Emma Neugebauer bewirtschafteten ein kleines landwirtschaftliches Anwesen, auf dem er mit vier Geschwistern aufwuchs. Nach harten Kinder- und Jugendjahren – die Deutschen hatten es in der neugegründeten Tschechoslowakei nicht immer leicht – lernte er nach dem Besuch der Realschule den Beruf des Einzelhandelskaufmanns, den er bis zu seiner Einberufung ausübte.

Bis zum letzten Tag hat er den Russlandfeldzug mitgemacht. Am 8. Mai 1945 kam er bei Prag in russische Gefangenschaft und wurde nach Charkow in der Ukraine verbracht. Fast zwei Jahre musste er warten, bis er ein erstes Lebenszeichen von seinen Eltern erhielt, die die angestammte Heimat verlassen mussten und in Karlshuld „beim Seitz“ (Hausnummer 17) einquartiert worden waren.

Wo bitte liegt Karlshuld? Der Mitgefangene Bolleininger aus Oberstengelheim klärte ihn über die neue Heimat auf. Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft 1949 kam er mit dem Zug bis Niederarnbach. Dann ging es zu Fuß nach Karlshuld, wo ihm die Gemeinde eine „Schlafstelle“ bei Adolf Forster anwies. Als „Notstandsarbeiter“ in der Donaumoosentwässerung verdiente er sein erstes Geld.

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Am 9. Juli 1953 begann für Alois Neugebauer ein neuer Lebensabschnitt. Er wurde „aushilfsweise bis auf Widerruf“ für 250 Mark im Monat in der Gemeindeverwaltung, die damals in der Klosterwirtschaft, ab 1. Dezember 1959 im „Doktorhaus“ untergebracht war, angestellt. Er übernahm die Sozialversicherungsaufgaben, brachte deren Abrechnung in Ordnung und wurde „Mädchen für alles.“ Als Helga Blöckl in Mutterschutz ging, bekam er am 1. September 1968 einen neuen Lehrling: Karl Seitle, der am 1. Mai 1984 zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt wurde. Die Gemeindeverwaltung bestand damals aus Bürgermeister Josef Geier, Verwaltungschef Alois Neugebauer und Lehrling Karl Seitle. Aus der „aushilfsweisen“ Tätigkeit wurden 30 Jahre und 21 Tage – ein Zeichen dafür, dass er gute Arbeit geleistet hat. Bei seiner Verabschiedung 1983 sagte Bürgermeister Josef Geier: „Mit Alois Neugebauer tritt ein fleißiger, korrekter, arbeitsamer und pünktlicher Mitarbeiter in den Ruhestand.“

Alois Neugebauer hat die Entwicklung der Gemeinde nicht nur als Verwaltungsangestellter, sondern auch als Gemeinderat von 1952 bis 1972 sowie von 1984 bis 1990 mitgestaltet. Sein persönliches Glück fand er mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Anna, die er 1951 heiratete und mit der er eine Tochter hat.

Der Jubilar ist geistig fit, kann sich selbst versorgen und fährt mit seinem Gehwagen ab und zu auch zum Einkaufen. Unterstützt wird er von seiner Tochter Helga, die bei der Geburtstagsfeier zusammen mit Enkel Sebastian die „tragende Rolle“ übernommen hatte und die Gäste bewirtete. Deren gab es genug – von der Hausgemeinschaft über die ehemaligen Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung bis zu den Gemeinderatskollegen mit Bürgermeister Karl Seitle und vielen Gratulanten, die sich in seiner Wohnung im „Lehrerwohnhaus“ die Klinke in die Hand gaben, um dem beliebten und rüstigen Mitbürger, der nun der älteste Bürger der Gemeinde ist, ihre guten Wünsche auszusprechen.

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