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Neuburg

26.11.2018

Ein Gratis-Essen am Welttag der Armen

Liebevoll gedeckte Tische empfingen die Gäste. Rund 80 Frauen und Männer nahmen die Einladung an. Auf der Speisekarte standen unter anderem Burgunderbraten mit Semmelknödel und Salat sowie ein Dessert. 
Bild: Caritas Augsburg/Bernhard Gattner

Etwa 80 Frauen und Männer trafen sich auf Einladung der Caritas zu einem gemeinsamen Essen. Ihre Schicksale zeigen: Armut kann jeden treffen.

Papst Franziskus hatte in seinem Aufruf zum diesjährigen zweiten Welttag der Armen dazu eingeladen, die Begegnung mit von Armut von betroffenen Menschen zu suchen, sie zum Essen einzuladen und zu sättigen, wie es im Psalm 22 heißt. So sollen sie erfahren und spüren können, dass sie Freunde und Familienangehörige sind, schrieb der Papst.

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Genau das durften am Sonntag fast 80 Frauen und Männer, die in Neuburg in einer Armutssituation verstrickt und Hartz-IV-Empfänger sind, erleben. Nach einem gemeinsamen Festgottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche lud der Caritasverband der Diözese Augsburg in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Neuburg-Schrobenhausen sie zu einem gemeinsamen Mittagessen in den Pfarrsaal ein. Es waren Klienten der Begegnungs- und Tagesstätte wie auch anderer Beratungsdienste der Neuburger Caritas und der örtlichen Tafel.

Wer arm ist, ist noch lange kein Schmarotzer

Schon im Gottesdienst hatte Diözesan-Caritasdirektor Domkapitular Andreas Magg in seiner Predigt darauf verwiesen, dass Armut weitaus mehr ist als nur ein materieller und finanzieller Mangel. Armut verändere das ganze Leben. Sie bringe Einsamkeit mit sich. Scham ob der eigenen Situation, aber auch Scham, seinen Kindern viel vorenthalten zu müssen, was für andere selbstverständlich ist. Auf jeden Fall seien Menschen mit Hartz-IV-Bezug keineswegs rundweg nur die Schmarotzer, die auf Kosten anderer ihr Leben führen, als die sie so häufig dargestellt werden.

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Wer dann bei Tisch im Pfarrsaal der Heilig-Geist-Pfarrgemeinde die Gelegenheit nutzte, mit den Gästen zu sprechen, der sah die Worte des Diözesan-Caritasdirektors bestätigt. Einer war 1989 aus der früheren DDR nach Neuburg gekommen und hat dann über 20 Jahre als Koch im Akkord gearbeitet. Herzinfarkt und Schlaganfall rissen ihn aus der Arbeitswelt. Voll belastbar ist er seitdem nicht mehr. Einen Job findet er deshalb auch nicht mehr. Ein anderer hatte ein eigenes kleines Reinigungsunternehmen. Er wurde herz- und zuckerkrank. Da war auch ein ehemaliger Maurer. Er erlitt mehrere Bandscheibenvorfälle. Sein Tischnachbar ist zu 100 Prozent gehbehindert. Er hatte seinen festen Arbeitsplatz verloren, weil ihn sein Arbeitgeber nicht mehr wollte – trotz 30 Jahren fleißiger Schichtarbeit. Sie alle kämpfen mit dem knappen Geld. Sie müssen zu ihren Medikamenten zuzahlen. Nach Abzug von Strom, Wasser und Heizung bleiben oft nur 25 Euro für die Woche übrig, um sich Lebensmittel zu kaufen. Neue Kleidung liegt meist weit außerhalb ihrer Möglichkeiten. Die Tafel ist für sie der Ort, der ihnen die Sicherheit gibt, nicht hungern zu müssen.

Im Pfarrsaal der Heilig-Geist-Kirche wurde aufgetischt

Als sie den Pfarrsaal betraten, überraschten sie die mit Deko geschmückten Tische. Künstlerisch gestaltete Menü-Karten zeigten ihnen, was sie erwartete: Ein Burgunderbraten „Esterhazy“ in dunkler Soße mit Gemüsestreifen, Semmelknödel und gemischtem Salat oder eine Gemüselasagne mit Tomatensugo geschichtet im gemischten Salat. Als Nachspeise wartete eine „Bayerisch Creme mit Himbeersoße“ auf sie. „Es ist eine schöne Sache, eingeladen zu sein“, sagte eine Frau. Die Sitznachbarn stimmten zu, andere nickten nur. Manche holten einen Nachschlag. Niemand verließ hungrig den Saal.

Christen, so hatte es Diözesan-Caritasdirektor Magg in seiner Predigt im Festgottesdienst gesagt, sollen wie Gott auf den Menschen schauen, das Leid und die Not anderer wahrnehmen und „es auch an uns heranlassen“. Allerdings seien sie auch verpflichtet, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Dafür wollte auch der Neuburger Pfarrer Herbert Kohler ein Zeichen setzen. „Ich bin einfach froh, dass wir als Pfarrgemeinde Gastgeber für diesen Welttag der Armen sein durften“, sagte er beim Mittagessen.

„Armut herrscht dort“, so der Geschäftsführer des Caritasverbandes Neuburg-Schrobenhausen Hans-Peter Wilk, „wo der Mensch ausgegrenzt wird“. Der Empfang sollte deshalb ein Zeichen gegen diese Ausgrenzung setzen, auch indem die Menschen miteinander sich freuen und untereinander austauschen konnten. Diese Gelegenheit hatten auch die stellvertretende Landrätin Sabine Schneider, die Sozialreferentin der Stadt Neuburg Eva Lanig, Fridolin Gößl, Bürgermeister von Oberhausen und Landratskandidat, wie auch Norbert Mages, ebenfalls Kandidat für die anstehenden Landratswahlen. (pca)

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