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Auszeichnung

14.10.2016

Ein Leben für die Geschichte

Reinhard Seitz wurde für sein Lebenswerk mit dem Pro Suebia-Wissenschaftspreis ausgezeichnet (von links): Prof. Rolf Kießling, Reinhard Seitz, Eugen Liedl, Prof. Hans Frei und Fellheims Bürgermeister Alfred Grözinger.
Bild: Walter Müller

Der Neuburger Reinhard Seitz erhält den Pro Suebia-Wissenschaftspreis der Dr. Eugen-Liedl-Stiftung für sein Lebenswerk. Die Preisverleihung war im Allgäu

Die Erforschung der regionalen Geschichte und die Förderung von Kunst und Kultur in Schwaben sind die Ziele und Aufgaben der Dr. Eugen-Liedl-Stiftung. Nahezu 300000 Euro für 30 Projekte aus verschiedenen Bereichen – von der Sprachforschung bis zur Denkmalpflege, von der Regionalgeschichte bis zu den Museen – wurden bislang ausgeschüttet. Die Vergabe von zwei Preisen Pro Suebia mit jeweils 10000 Euro bildet alljährlich einen nachhaltigen Impuls für die Geschichtswissenschaft und die Bewahrung des kulturellen Erbes in Schwaben. In diesem Jahr hat der Neuburger Historiker Dr. Reinhard Seitz den Wissenschaftspreis für sein Lebenswerk in der Geschichtsforschung und als Archivdirektor im Regierungsbezirk Schwaben erhalten. Verliehen wurde er in Fellheim im Unterallgäu.

Als Sohn eines Lehrers, der als Museumsleiter und Kreisheimatpfleger ehrenamtlich wirkte, kam er von Kindesbeinen mit historischen und kulturellen Themen in Verbindung. Er studierte Geschichte, Germanistik und historische Hilfswissenschaften und promovierte in München mit einer umfangreichen Arbeit über die Ortsnamen im Stadt- und Landkreis Dillingen.

Mit dem Eintritt in den staatlichen Archivdienst 1961 hat er seinen Berufsweg auf den vertieften Umgang mit historischen Quellen ausgerichtet. Er führte vom Staatsarchiv Amberg 1976 nach Schwaben, zunächst ins Staatsarchiv Neuburg und 1989 mit dessen Verlagerung nach Augsburg. Seit 1977 gehörte er der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft an, viele Jahre arbeitete er im Vorstand mit. Eine vertiefte stadtgeschichtliche Betrachtung widmete er seinem Heimatort Neuburg mit der Einbeziehung des Mediums „Fotografie“. Dabei hat er den Weg der Stadt durch 2000 Jahre begleitet und Geschichte anschaulich vermittelt.

Schwaben und Neuburg – dieses Begriffspaar war für ihn beruflich und persönlich eine Herausforderung. Dabei galt sein Interesse gleichermaßen dem „bunten Flecklesteppich“ des schwäbischen Raumes im alten Reich mit 165 Einzelterritorien wie dem Flächenstaat Bayern, an dessen Entwicklung als Königreich und Freistaat seit mehr als 200 Jahren Schwaben gebend und nehmend Anteil hat. Mit dem Aufbau und der fachlichen Organisation des Staatsarchivs in Augsburg hat er dabei Pionierarbeit geleistet. Neue Ziele setzte er sich im Ruhestand als Autor und Herausgeber. Mit einem kompetenten Autorenteam hat er sich intensiv um die Herausgabe eines umfangreichen Werkes über die Entwicklung des Bauerndorfes Wörishofen zum weltbekannten Kurort gekümmert. In vieler Beziehung singulär ist die Schlossgeschichte von Höchstädt, deren 1000-jährige Entwicklung Seitz nachvollzogen hat. Ein besonderes kulturelles Erbe mit wechselvoller Geschichte schildert die Publikation über die Neuburger Schlosskapelle. Sie ist als Hofkapelle geplant worden, der Bauherr hat sich während der Bauzeit der Reformation angeschlossen, sodass sich in dem prächtig ausgestatteten Raum als katholisches und evangelisches Gotteshaus die konfessionellen Auseinandersetzungen spiegeln. „Reinhard Seitz hat mit seinen Leistungen als Archivar, mit seinen Arbeiten als Historiker in der schwäbischen Geschichtsforschung wichtige Akzente gesetzt. Die Bandbreite reicht von der Siedlungs- und Stadtgeschichte über Herrschafts-, Bau- und Kunstgeschichte bis zur Kirchengeschichte. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass regionale Geschichte als verbindendes Element in einem vielschichtigen Raum zur Wirkung kommt“, heißt es in der Laudatio. (nr)

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