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19.07.2010

Erst ausgemustert, dann aufgerüstet

Die Ladefläche eines Polizeitransporters haben ehrenamtliche BRK-Helfer in über 5000 Arbeitsstunden in eine rollende Einsatzzentrale verwandelt. Foto: Schalk
Bild: Schalk

Neuburg-Schrobenhausen Einen neuen, hochmodernen Einsatzleitwagen (ELW) hat der Rotkreuzkreisverband Neuburg-Schrobenhausen jetzt in Dienst gestellt. In über 5000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden hat das Team der Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UGSanEL) einen ausgemusterten Polizeitransporter umgebaut und aufgerüstet.

"Das Rote Kreuz hat jetzt auch einen Kater", grinst Thomas Liebl als Leiter der UGSanEL beim Blick auf den großen weißen Kastenwagen mit den roten Streifen rundum, der jetzt im BRK-Zentrum in Schrobenhausen stationiert ist. "Kater Neuburg 12/3" lautet nämlich der offizielle Funkname der Einsatzleitung im Einsatz erreichbar ist.

Schnittstelle bei Einsätzen

Acht Aktive umfasst derzeit die neu gegründete Gruppe unter der Leitung von Thomas und Ferdinand Liebl. Im Fall eines Notfalls bildet das Team eine entscheidende Schnittstelle für einen reibungslosen Einsatzablauf: Sie übernimmt die Koordination der Einsatzkräfte und -fahrzeuge, stellt Kommunikationswege wie Funk, Telefon, Fax und E-Mail sicher, regelt die Registrierung und den Abtransport von Verletzten, richtet Halteplätze für Einsatzfahrzeuge und Landeplätze für Rettungshubschrauber ein und unterstützt so Sanitäter, Notärzte und Einsatzleitung. Zu den weiteren Aufgaben gehört die Dokumentation der Einsätze. "Im Katastrophenfall sind wir die Kommunikationszentrale, und bei sonstigen Großschadensfällen halt einfach so eine Art Mädchen für alles", fasst der Gruppenleiter zusammen.

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"So breit wie unser Aufgabengebiet ist natürlich notwendigerweise auch die Ausstattung unseres Autos", erklärt Liebl.

Das "Auto", wie er die rollende Hightech-Einsatzzentrale bescheiden nennt, war in seinem früheren Leben ein Transporter des Polizeipräsidiums Ingolstadt. "Die haben ihn wegen Alters und Rost ausgemustert, da haben wir zugeschlagen", erinnert sich der stellvertretende Kreisbereitschaftsleiter des BRK, Günther Reil. "Durchaus einige skeptische Blicke" seien den Aktiven der UGSanEL beim ersten Anblick des 20 Jahre alten Kastenwagens begegnet, so Liebl. "Dass daraus mal ein Vorzeigefahrzeug werden würde, konnte sich so mancher nicht vorstellen", erinnert sich Ferdinand Liebl.

In monatelanger Tag-, Nacht- und Wochenendarbeit haben die ehrenamtlichen Rotkreuzler das hässliche Entlein langsam in einen stolzen Schwan verwandelt. Eine neue Lackierung war da nur eine Begleiterscheinung. Vor allem die Ausrüstung versetzt selbst Fachleute aus dem Katastrophenschutz nur noch in Staunen: Fax, Telefon, Internetzugänge, Funk, Beleuchtung, eine eigene Wetterstation und Computerarbeitsplätze mit Drucker lassen keine Wünsche offen.

Über einen ausfahrbaren, sieben Meter hohen Antennenmast ist das Fahrzeug mit der Außenwelt verbunden. "Die Computer können wir per Handy fernstarten", erklärt Thomas Liebl eine weitere technische Raffinesse, "so brauchen wir nicht erst am Auto die ganze Maschinerie hochfahren, sondern können gleich nach der Alarmierung ab BRK-Zentrum arbeiten." Schließlich zählen im Ernstfall Sekunden. Die Wetterstation liefert unter anderem bei Unwettern wichtige Informationen: "Wir haben ein Wetterradar an Bord, mit dem wir zum Beispiel genau verfolgen können, wo Niederschläge, Hagel und Gewitter hinziehen", ergänzt Reil.

Rund 40 000 Euro hat sich der BRK-Kreisverband den Umbau des Fahrzeugs kosten lassen. Der Landkreis hat weitere 10 000 Euro beigesteuert. Dazu hat die BRK-Gruppe laut Reil eine ganze Reihe von Sponsoren erfolgreich geworben: Ein Reifenhersteller spendierte eine neue Bereifung, ein Sitzhersteller die Bestuhlung, ein Wohnwagenbauer stiftete die Innenverkleidung, ein Mobilfunkbetreiber übernahm die Anschaffung des Fahrzeugs - "wir sind einfach mal auf Betteltour gegangen und haben Gott sei Dank auch viele offene Türen eingerannt", freut sich Thomas Liebl über die Unterstützung auch einiger Unternehmen, Banken und privater Spender aus dem Landkreis. "Wir bräuchten übrigens noch einen Sponsor, der die Lenkung und den Motor übernehmen könnte", meldet der UGSanEL-Chef noch aktuellen Bedarf an.

"Wir haben einen weiteren wichtigen Baustein geschaffen, um auch bei Großschadensereignissen wie Hochwasser schnell und professionell helfen zu können", betont BRK-Kreisvize Günther Schalk. Die Gruppe habe beim Fahrzeugumbau "schlichtweg Sensationelles" geleistet, lobt er das Team. (nr)

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