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Kommunalwahl 2020

13.02.2020

"Forum live" in Neuburg: So war die Podiumsdiskussion

Das Kolpinghaus war voll, rund 450 Menschen kamen zur Diskussionsrunde.
Bild: Elisa Glöckner

Plus Bei der Podiumsdiskussion wurde es im Kolpinghaus brechend voll. Welche Inhalte den OB-Kandidaten am Herzen liegen und wie sie beim Publikum ankamen.

Es ist nicht leicht, sich vor rund 450 Menschen auf einer Bühne zu präsentieren. Die sechs Kandidaten, die sich am Sonntag, 15. März, in Neuburg zur Wahl des Oberbürgermeisters stellen, haben die Herausforderung angenommen – und sich am Mittwochabend im Kolpinghaus bei der Podiumsdiskussion der Neuburger Rundschau wacker geschlagen. Die Moderatoren – Redaktionsleiter Manfred Rinke und Stadtredakteur Fabian Kluge – haben den Kandidaten Fragen zu ihren jeweiligen Themenschwerpunkten gestellt. Hier eine Zusammenfassung der Antworten:

Podiumsdiskussion: Bernd Schneider von der SPD machte den Anfang

Per Losverfahren wurde entschieden, in welcher Reihenfolge die OB-Kandidaten interviewt werden. Den Anfang machte der Jüngste, Bernd Schneider (29) von der SPD: Provokant fragte ihn Manfred Rinke, ob er in seinem jungen Alter überhaupt wisse, worauf er sich da einlasse, ob er sich vorstellen könnte statt Netflix zu schauen, auf eine Feuerwehrversammlung zu gehen. Souverän antwortete Schneider, dass er nicht denke, dass dies eine Frage des Alters sei. In Sachen Lebenserfahrung stehe er den anderen Kandidaten in Nichts nach. „Ich verbringe mehr Zeit draußen, als die Herrschaften, die ab einem gewissen Alter einfach auf der Couch liegen“, reagierte Schneider schlagfertig.

Als Erster sprach Manfred Rinke mit dem jüngsten der OB-Kandidaten, Bernd Schneider von der SPD.
Bild: Elisa Glöckner

Er sei Finanzexperte und verfüge auch über Erfahrung in Mitarbeiterführung. Zum Thema Verkehr sagte Schneider, dass er die „richtigen Brücken“ bauen wolle, das heißt, Fuß- und Fahrradbrücken über den Inselspitz und am Nachtbergweg. Für eine zweite Autobrücke sei aktuell nicht der richtige Zeitpunkt, sie würde auch nicht helfen, den Verkehr aus Neuburg heraus zu bringen, da die meisten Menschen nicht um Neuburg herum, sondern in die Stadt hinein möchten. Ein Gesamtkonzept mit einem besser ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sei wichtig. Schneider möchte zudem, temporär eine Fußgängerzone ausprobieren, Stadtteiljugendzentren schaffen und durch den Campus eine lokale Gründerszene entwickeln.

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Bernhard Gmehling (CSU) war als zweiter Kandidat an der Reihe im Kolpinghaus

Ein schriller Piepton zeigte an, dass die neun Minuten Redezeit vorbei waren und schon kam der amtierende Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) – mit 60 Jahren der älteste Kandidat – auf die Bühne. Er wirkte deutlich angespannter als sein betont lässig im Poloshirt auftretender Vorredner. Was ihn antreibe, nach 18 Jahren im Amt doch noch ein weiteres Mal anzutreten – obwohl er dies ursprünglich einmal ausgeschlossen hatte, fragte Rinke den OB. Er möchte wichtige Beschlüsse des Stadtrats, die er mit angeschoben habe, umsetzen, zum Beispiel die Chance für Neuburg ergreifen, Hochschulstadt zu werden. Gmehling ist glücklich darüber, dass Neuburg sich so gut entwickelt habe, dass die Wirtschaftskraft der Stadt gestärkt werden konnte, dass 220 Millionen Euro in die Infrastruktur gesteckt wurden und gleichzeitig der Schuldenstand um fünf Millionen Euro gesenkt werden konnte.

Redaktionsleiter Manfred Rinke interviewte den amtierenden Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU).
Bild: Elisa Glöckner

Welche Entscheidungen der OB rückblickend anders treffen würde? „Selbstverständlich habe ich in 18 Jahren nicht alles richtig gemacht“, gab Gmehling zu, wie jeder, der im Beruf stehe. Das Postgebäude würde er auch jetzt nicht kaufen, ebensowenig das Bahnhofsgelände. Auch dass er die Innenstadtsanierung nur halbherzig anginge, dementierte der OB, der im Laufe des Vier-Augen-Gesprächs an Souveränität gewann. Man könne jeden Euro nur einmal ausgeben, müsse sich auf die Großprojekte konzentrieren. Hinsichtlich der zweiten Donaubrücke versprach Gmehling, dass es eine erste Planung und Kostenschätzung bis Mitte des Jahres oder spätestens im Herbst geben werde. Die ersten Projekte, denen er sich in einer neuen Amtsperiode widmen würde, wären der soziale Wohnungsbau, die Weiterentwicklung der Nahwärme und die Fortführung der Innenstadtsanierung.

Frank Thonig kandidiert für WIND als Oberbürgermeister

Frank Thonig (58) von WIND betrat als nächster die Bühne. Er will den Schrannenplatz zu dem zentralen Ort in Neuburg machen. Das ehemalige VR-Bank-Gebäude möchte er zu einem Bürgerhaus, zu einer Begegnungsstätte machen, wo man einen Teil der Verwaltung und die Volkshochschule (Vhs) unterbringen könnte. Ob die Vhs überhaupt umziehen wolle, diese Frage konnte Thonig Moderator Kluge allerdings nicht beantworten. Manchmal müsse man einfach mal eine Idee in den Raum werfen, sagte Thonig stattdessen, der sich besonnnen, ruhig und charmant gab.

Frank Thonig ist der Kandidat von WIND (Wählerinitiative Neuburg Donau).
Bild: Elisa Glöckner

Aus dem Vhs-Gebäude könnte man dann vielleicht ein Studentenwohnheim machen. Zum Thema Parkplätze erklärte Thonig, dass er zentralen Parkraum schaffen will: Die geplante Verdoppelung der Parkplätze am Parkbad und die Erweiterung der Parkmöglichkeiten an der Schlösselwiese – gepaart mit einer Fußgänger- und Fahrradbrücke von dort über den Inselspitz – sei dabei zunächst ausreichend. Er merkte aber noch an, dass man das Parkdeck am Hofgarten über die gesamte Breite hätte ausdehnen sollen. Thonig sprach sich eindeutig für eine zweite Donaubrücke aus, möchte aber vorher die Kosten genauer wissen. Außerdem will er durch den Hochschulcampus und Glasfaserausbau neue Wirtschaftszweige in Neuburg ansiedeln.

Auch Florian Herold (FW) will in Neuburg OB werden

Auf Thonig folgte Florian Herold (41) von den Freien Wählern (FW).Die anfänglichen Streitereien in der Partei um seine Kandidatur hätten sich gelegt, versicherte Herold. „Sie haben Ihr Wahlprogramm spielerisch aufgebaut, mit Bausteinen, Sie wissen aber dass OB-Sein kein Spiel ist, oder?“, fragte ihn Rinke. „Selbstverständlich“ antwortete dieser. Die Bausteine stünden lediglich für Themen, die die Freien Wähler ändern wollen, sie würden Fakten schaffen, anhand derer seine Partei später „verhaftbar“ gemacht werden könne. Herold nutzte die Gelegenheit, erneut seine „Neuburg-Card“ vorzustellen, die Bürger und Stadt stärker vernetzen soll. Sie soll zunächst kostenlos und später für eine geringe Gebühr verfügbar sein und dem Bürger bestimmte Leistungen günstiger anbieten.

Florian Herold kandidiert für die Freien Wähler (FW). Das Wahlprogramm ist in Bausteinen verfasst.
Bild: Elisa Glökner

Wie das alles finanziert werden soll, konnte Herold aber nicht ganz schlüssig erklären. Er will die Einnahmesituation der Stadt verbessern. Gleichzeitig gab er aber auch zu, dass die „Neuburg-Card“ die Stadt zunächst Geld kosten werde. Mittelfristig werde sie sich aber auszahlen, ist er sich sicher. Wie Thonig und Gmehling sprach sich auch Herold für eine zweite Donaubrücke aus. Man brauche ein Gesamtverkehrskonzept. Zu seiner umstrittenen Sicherheits-App sagte Herold, dass ihm bewusst sei, dass die Kriminalität in Neuburg nicht steige, aber er wolle auch auf das subjektive Sicherheitsgefühl der Neuburger eingehen.

Gerhard Schoder will für die Grünen ins Rathaus

Gerhard Schoder (38) von den Grünen musste seinen Wechsel von der CSU zu seiner jetzigen Partei erklären und wie die Wirtschaft in sein grünes Wahlprogramm passt. Das Wichtigste sei es, die Schöpfung für unsere Kinder zu bewahren, ging Schoder auf seinen konservativ-christlichen Hintergrund ein. Die Wirtschaft sei dabei ein effektiver Hebel, zum Beispiel um Energie zu sparen und die Gesamtsituation zu verbessern. „Klimaschutz muss finanzierbar sein, weil wir keine andere Wahl haben“, machte Schoder deutlich. Auf kommunaler Ebene könne man Wirtschaft und Ökologie gut zusammenbringen, könne zum Beispiel versuchen, nachhaltige und innovative Firmen anzusiedeln und zu fördern.

Stadtredakteur Fabian Kluge führte unter anderem das Zwiegespräch mit Gerhard Schoder von den Grünen.
Bild: Elisa Glöckner

Schoder sieht die Lösung der Neuburger Verkehrsprobleme nicht in erster Linie in einer zweiten Donaubrücke. Er sei aber auch nicht komplett gegen die Brücke. Er möchte sich gemeinsam mit den Bürgern schnellere und billigere Lösungen überlegen. Bevor er eine Brücke bauen würde, möchte er die Kosten genauer wissen. „Sollten wir tatsächlich bei 60 Millionen plus/minus 30 Prozent liegen, dann werde ich 1000 Euro an die Neuburger Tafel spenden“, lehnte sich Schoder weit aus dem Fenster. „Wenn es bis 2026 passiert, lege ich noch einmal 1000 Euro drauf.“ Statt einer Autobrücke könnte sich Schoder eher Fußgänger- und Fahrradbrücken vorstellen beim Brandl und am Donauspitz. Auch eine Fußgängerzone würde er gerne in Absprache mit den Einzelhändlern testen. Außerdem will er die Nahwärme ausbauen und Glasfaser in jedes Haus bringen.

Michael Wittmair will mit den Linken an die Spitze im Neuburger Rathaus

Als Letzter betrat der OB-Kandidat der Linken, Michael Wittmair (52), die Bühne im Kolpinghaus. „Der Herr des Rings“ hat den Einbahnstraßenring nicht aufgegeben, er glaubt fest daran, dass er die Innenstadt entlasten würde. Das kreuzungsfreie Konzept würde schließlich auch in anderen Städten funktionieren, nur der Neuburger Autofahrer sei nicht in der Lage, das Konzept zu verstehen, sagte Wittmair. Er will ein Gesamtverkehrskonzept entwickeln, im Zuge dessen er vor allem das Stadtbussystem ausbauen und den Bus sogar kostenlos zur Verfügung stellen möchte. Auch Radwege liegen ihm am Herzen. Wittmair sprach von einem Stadtentwicklungsplan aus dem Jahr 1998, der schon lange in der Schublade der Stadtverwaltung liegen und von OB Gmehling blockiert werden würde, weil er von seinem Vorgänger stamme. „Es ist traurig, dass es im Neuburger Stadtrat so zugeht“, meinte Wittmair. Ganz wichtig ist für ihn die Entschuldung der Stadt, eine Schule in Heinrichsheim, Firmen in Neuburg anzusiedeln, wie zum Beispiel Handwerksbetriebe, und den sozialen Wohnungsbau voranzutreiben mit Hilfe eines Selbstbauvereins. Der Campus spielt für die Linken eine untergeordnete Rolle.

Michael Wittmair will für die Linken ins Neuburger Rathaus.
Bild: Elisa Glöckner

Ganz zum Schluss der Veranstaltung durfte noch jeder der OB-Kandidaten eine Eigenschaft nennen, die für einen Oberbürgermeister essenziell ist. Herold sagte, er möchte zuhören. Gmehling nannte Bürgernähe und Hartnäckigkeit. Schoder brachte den Begriff „Teamplayer“ ins Spiel. Thonig sagte „Bürgernähe und Dinge umsetzen“. Wittmair will vor allem mit den Bürgern kommunizieren. Schneider sprach sich für Diplomatie aus und will die Fraktionen einen.

Hier sehen Sie die Podiumsdiskussion im Video

So waren die Reaktionen im Publikum auf die Podiumsdiskussion im Kolpinghaus

Wir haben uns nach der Podiumsdiskussion im Neuburger Kolpinghaus umgehört: Wie fanden die Zuschauer die Veranstaltung? Hat sie ihnen bei der Entscheidungsfindung geholfen? Wie haben die Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters beim Publikum abgeschnitten? Hier die Antworten:

Werner Rein (55): Die Podiumsdiskussion hat mir gut gefallen, allerdings haben die Moderatoren die Zeiträume nicht immer ganz eingehalten. Ich habe mir schon mehrere Veranstaltungen angesehen und die Kandidaten werden immer sicherer. Ich fand Gerhard Schoder überzeugend. Von Bernd Schneider war ich vorher schon überzeugt. Dass er nur ein Poloshirt anhatte, stört mich nicht, man muss nicht mit Anzug und Krawatte Eindruck schinden.

Marco Gramlich (47): Mir hat es sehr gut gefallen, man hat einen Überblick über alle Kandidaten bekommen. Der junge Moderator (Fabian Kluge) hat mir richtig gut gefallen, Manfred Rinke fand ich zu provokant und parteiisch. Die Veranstaltung hat mir bei der Entscheidungsfindung geholfen, ich weiß jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit, wen ich wähle. Das gesammelte Statement gegen Rechts fand ich sehr gut und wichtig.

Julian Gramlich (16): Mir hat es auch gut gefallen, auch wenn ich noch nicht wählen darf. Ich weiß jetzt mehr über die Personen, kann sie besser einschätzen. Mich haben Bernd Schneider und Gerhard Schoder überzeugt. Schneider bringt junge, frische Energie rein. Schoder bringt Ernsthaftigkeit mit und scheint mir am vertrauenswürdigsten.

Christian Lucya (48): Ich fand die Veranstaltung wirklich gut. Die Leute sind interessiert da geblieben und haben alles verfolgt. Schade, dass die Anmoderatorin (Claudia Stegmann) keine größere Rolle gespielt hat (lacht), Frauen waren unterrepräsentiert. Die Podiumsdiskussion war eine Hilfe, die Wahrnehmung zu unterstützen, die ich schon hatte. Michael Wittmair ist für mich nicht wählbar, nicht wegen den Linken, sondern wegen seiner Rhetorik. Bernd Schneider fand ich super wegen seiner Lockerheit, aber auch seine Erfahrung und die Offenheit anders zu denken, ist rüber gekommen. Gerhard Schoder ist ein bisschen eloquenter, glaubwürdig als Vater von vier Kindern, hat den Familienblick, ist nicht dogmatisch. Florian Herold war bei fachlichen Fragen relativ klar, Frank Thonig kann schön reden.

Paula Schneider (76): Die Diskussion heute Abend hat einen gut Einblick darin gegeben, wie die Oberbürgermeister-Kandidaten in verschiedenen Situationen handeln und reagieren. Das hat mir gut gefallen. Bisher war ich unschlüssig, welchen der Kandidaten ich wählen soll. Nur aufgrund von diesem Abend bin ich mir aber sehr sicher, welcher es sein wird.

Heinz Schneider (80): Dass so viele Menschen da waren, die sich für Kommunalpolitik interessieren, hat mich sehr gefreut. Meine Meinung zur Oberbürgermeister-Wahl hat sich grundsätzlich aber nicht geändert. Ich war mir vorher schon sicher, wer meine Stimme bekommt. Was mich an dem Abend gestört hat, war die Lautstärke: Wenn man mit schlechten Ohren weiter hinten saß, hat man gar nichts verstanden.

Ivo Henrichs (73): Ich fühle mich informiert. Einen sicheren Kandidaten für die Wahl im März habe ich noch nicht, ich befinde mich noch in der Entscheidungsphase. An diesem Abend im Kolpinghaus war aber sehr hilfreich, dass man die Kandidaten einmal persönlich kennengelernt hat.

Magdalena Henrichs (71): Eine Vorstellung davon, wen ich bei der Kommunalwahl wählen werde, hatte ich schon vor der Podiumsdiskussion. Der Abend hat mir aber genau das bestätigt, was ich mir zuvor schon gedacht hatte.


Das sind die OB-Kandidaten der Kommunalwahl in Neuburg im Porträt:

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