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Bertoldsheim

05.09.2018

Gefährliche Arbeit an der Donausohle

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Die Wehre und die Bootsschleuse des Kraftwerks Bertoldsheim werden in den nächsten Monaten saniert. Derzeit wird am linken Wehrfeld gearbeitet, danach das mittlere eingerüstet, das dritte folgt schließlich im Herbst 2019. Die Brücke ist derzeit halbseitig gesperrt, der Verkehr wird per Ampelanlage geregelt.
Bild: Norbert Eibel

Derzeit werden  die Wehrfelder des Kraftwerkes ertüchtigt. Gearbeitet werden kann nur in der Niedrigwasserzeit. Die Donaubrücke ist nur halbseitig befahrbar.

Seit Montag ist die Donaubrücke bei Bertoldsheim einschließlich Fuß- und Radweg nur einspurig befahrbar. Der Verkehr wird über eine elektronische Ampelanlage geregelt. Die halbseitige Sperre wird zunächst bis voraussichtlich 23. November gelten und dann nochmals in der zweiten Dezemberwoche, bis schließlich am Wochenende 15./16. Dezember eine Totalsperre eingerichtet wird. Ursache ist eine grundlegende Revision der Wehranlagen seitens des Betreibers, der Uniper Kraftwerke GmbH, im Auftrag der Donau-Wasserkraft AG. Zwei Wehrfelder werden bis April, das dritte dann im Herbst 2019 instandgesetzt, weil Arbeiten aus Sicherheitsgründen nur zwischen September und April bei überwiegend Niedrigwasser stattfinden dürfen. Zudem wird die Bootsschleuse am rechten Ufer ertüchtigt und die Wehrtore mit einem zusätzlichen Hubsystem ausgestattet, um sie für Extremhochwasser (HQ 1000) zu rüsten. Für die Maßnahme am Standort Bertoldsheim sind 1,7 Millionen Euro veranschlagt. Die Stromproduktion für die Bahn läuft derweil weiter.

Vier Donauwehre werden saniert 

Uniper saniert seit Ende 2015 sukzessive die Wehre und Schleusen die vier Donaukraftwerke im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen und in der Stadt Ingolstadt. Die eingehende Inspektion in Bertoldsheim startete nach intensiven Vorplanungen und der Abstimmung mit Straßenbauamt und Landratsamt in der vierten Augustwoche mit der Montage eines zusätzlichen Hubsystems als weitere Sicherheitseinrichtung zum Öffnen der Wehre bei Hochwasser, erklärte Projektleiter Thomas Stoll am Mittwoch beim Ortstermin. Spezielle Hydraulik-Zylinder ermöglichen auch im Falle eines 1000-jährlichen Hochwassers und bei Ausfall jeglicher Antriebe das Öffnen der Wehrtore, um den maximalen Wasserabfluss zu garantieren. Zusammen mit Baustellenleiter Bernhard Ortner und den Pressesprechers Jan Kiver (Rhein-Main-Donau AG) und Theodoros Reumschüssel (Uniper) stellte Stoll die Arbeiten am ersten eingehausten Wehrfeld vor. Ziel der Revision sei es, die Hochwasserschutztauglichkeit der Wehrfelder zu garantieren und damit die Betriebssicherheit des Kraftwerks für die nächsten 30 Jahre zu sichern.

Donaubrücke war schon gesperrt

Schon einmal war die Brücke für wenige Tage komplett gesperrt, als die Dammbalken zur Trockenlegung des Wehrfeldes eingehoben und die dazu nötigten Gerüstteile eingebracht wurden. Berufstaucher säuberten die Bodenschiene in neun Metern Tiefe und ein 150-Tonnen-Autokran setzte den Revisionsverschluss aus 36 Stahlplatten, von denen jede 1100 Kilo wiegt. Diese Dammtafeln hielten die in die Bodenschiene eingelassenen H-Stahlträger, die sogenannten Nadeln, von denen jede 5,5 Tonnen wiege, berichtete Thomas Stoll. Zudem wurden die Wehrtore sandgestrahlt. Sie erhalten einen neuen Korrosionsschutz. Im Zuge der Inspektion werden Dichtungen und Seitenabschlüsse der Tore ausgetauscht sowie alle beweglichen Teile wie Ketten, Zugarme, Getriebe, Motoren und Lager kontrolliert und, wenn nötig, repariert. Ebenfalls überprüft und saniert werden alle baulichen Teile aus Stahl und Beton. Das gesamte Prozedere wird sich ab Mitte Dezember beim zweiten Wehrfeld wiederholen. Das dritte folgt erst im nächsten Herbst.

Ein Pilotprojekt für Bergheim

Bertoldsheim ist auch ein Pilotprojekt für das Kraftwerk Bergheim, wo 2020/21 gearbeitet wird. Dort ist die Verkehrsfrequenz wesentlich höher, am mittleren Wehrfeld in Bertoldsheim wird man deshalb mit einem Steg und Pontons arbeiten, um zu testen, ob in Bergheim ohne größere Brückensperrung gearbeitet werden kann. Bisher ist die Maßnahme reibungslos verlaufen. Thomas Stoll und Bernhard Ortner hoffen auf einen unfallfreien Verlauf der gefährlichen Arbeiten. Einzig das Verhalten einiger Verkehrsteilnehmer macht dem Projektleiter Sorgen. Sie hielten sich bei weitem nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h, und mancher verhalte sich sogar rowdyhaft. Dabei gehe es nicht um Gängelung, sondern um die Sicherheit der Kollegen, die auf der Brücke arbeiten und sich dort bewegen müssten. „Heute früh gegen 5 Uhr ist ein Mähdrescher über die Brücke, der hat einfach alles umgepflügt“, erzählt Thomas Stoll. Einer der Arbeiter, der schon früh auf der Baustelle gewesen sei, habe den Lärm der umfallenden Baken gehört. Der Fahrer sei derweil einfach weitergefahren, ohne sich zu kümmern. Sein Appell: „Bitte langsam!“

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