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Neuburg

12.07.2019

Mit dem Esel von Berlin über Neuburg nach Florenz

Enzo, Michel, Blou und Benigna (von links) sind derzeit auf dem Weg von Reuen bei Berlin nach Florenz. Von Donnerstag auf Freitag haben sie auf dem Wolfbauer-Hof in Sehensand übernachtet.
Bild: Dorothee Pfaffel

Plus Benigna und Michel, Mutter und Sohn, gehen mit ihren Eseln Blou und Enzo mehr als 1500 Kilometer bis nach Italien. In Sehensand haben sie Station gemacht.

Zärtlich tätschelt Benigna den Hals ihres Esels Blou. Ein paar Meter weiter steht Michel, der Sohn der 53-Jährigen, und schnallt zwei Packtaschen auf den Rücken eines zweiten, etwas kleineren Esels mit Namen Enzo. Die Vier machen gerade Rast auf dem Wolfbauer-Hof in Sehensand. Dort haben sie die Nacht von Donnerstag auf Freitag verbracht. Gleich brechen sie wieder auf. Denn Benigna, Michel, Blou und Enzo sind auf dem Weg von Reuen, einem Dorf 40 Kilometer östlich von Berlin, nach Florenz.

Seit 16. April ist Benigna, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen will, schon unterwegs. „Ich wandere gerne und bin gerne mit meinen Tieren zusammen“, erzählt die 53-Jährige, die ihr Geld als freiberufliche Bewegungspädagogin verdient. „Alle reden immer von Entschleunigung. Wir wollten mal sehen, wie sich das wirklich anfühlt, wollten herausfinden, ob sich das Zeitgefühl verändert.“ Und tatsächlich, meint Benigna, würde man den Tag viel intensiver erleben.

Sohn Michel hat sich der Wanderung spontan angeschlossen

Sohn Michel ist erst seit zehn Tagen dabei. Ursprünglich begann Benigna ihre Reise mit einer Freundin, die dann aber abgebrochen hat. Damit seine Mutter ihre Wanderung nicht auch aufhören oder einen der Esel nach Hause schicken musste, ist der 21-Jährige spontan eingesprungen. Der gelernte Zimmerer hat kurzfristig unbezahlten Urlaub genommen – und schon ging’s los.

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Mutter und Sohn ziehen mit tierischer Begleitung durch den Landkreis.
Video: Dorothee Pfaffel

Der Weg nach Florenz ist 1500 bis 2000 Kilometer lang, schätzt Benigna, je nachdem, wie die Route verläuft. Ungefähr die Hälfte, circa 800 Kilometer, hat die kleine Gruppe bereits bewältigt. Von Brandenburg aus führte ihre Strecke durch Sachsen und Thüringen, dann den Frankenweg entlang bis Berching – immer weiter Richtung Süden. 15 bis 20 Kilometer schafft die Gruppe pro Tag. Alle fünf Tage halten Mensch und Tier einen Ruhetag ein. Übernachtet wird auf Bauern- oder Reiterhöfen oder mal im Tierheim. „Wir fragen immer die Einheimischen, wo wir unser Zelt aufschlagen können und niemanden stören“, sagt Benigna. Die Leute seien stets sehr freundlich und auch wenn sie selbst die Reisenden nicht aufnehmen können, geben sie ihnen einen Tipp, an wen sie sich wenden können.

Bernadette Haderer vom Wolfbauer in Sehensand hat die Frau, den jungen Mann und die zwei Esel durchs Küchenfenster gesehen. Da ist sie sofort mit ihren Kindern nach draußen gelaufen und hat die Gruppe angesprochen. „Ich finde Esel toll. Außerdem haben wir Platz und es war gerade einigermaßen aufgeräumt“, erzählt Haderer und lacht. Ihr Sohn habe sich sofort um die Esel gekümmert und einen geeigneten Schlafplatz in der Maschinenhalle ausfindig gemacht.

Nächstes Jahr wollen die Brandenburger über Tschechien zurückwandern

Geduldig stehen Blou und Enzo auf dem Hof herum. Ihre Ohren stecken in bunten Stoffkappen zum Schutz vor Mücken. Die Tiere warten darauf, vollständig beladen zu werden, etwa mit Regendecken, Schlafsäcken, Isomatten, Zelt und Wechselkleidung. Blou trägt 25 bis 30 Kilogramm, Enzo 20 bis 25. Benigna und Michel laufen neben her. „Das Tempo der Esel ist sehr angenehm“, finden die Brandenburger. „Man bleibt in einem gleichmäßigen Rhythmus.“ Bis auf einen Sonnenstich sind Mutter und Sohn von Krankheiten verschont geblieben, nicht einmal Blasen haben sie an den Füßen.

Ende September wollen Benigna, Michel, Blou und Enzo in Florenz ankommen. Benigna: „Da hat meine Tochter Klassenfahrt, die wollen wir in Florenz treffen.“ Aber erst einmal müssen sie die Alpen überqueren, entweder in der Nähe von Mittenwald oder über den Reschenpass. Dann will die Gruppe in Italien überwintern – und nächstes Jahr soll es über Tschechien zurück nach Berlin gehen.

Für Bernadette Haderer heißt es nun Abschied nehmen. Zur Erinnerung macht sie noch schnell ein Foto. Mit Baby auf dem Arm sagt sie: „Es war schön, ein Streckenpunkt gewesen zu sein. Damit sind wir Teil dieser Geschichte.“

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