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Neuburg
21.07.2021

Bakterien im Neuburger Trinkwasser: Das rät das Gesundheitsamt

Erich Reng (links) von den Stadtwerken zeigt Oberbürgermeister Bernhard Gmehling eines der Gitternetze aus dem Luftschaft beim Wasserwerk in Sehensand. Weil sie nicht feinmaschig genug waren, konnten sich Mücken darin verfangen. Die Fäkalienbakterien waren vor vier Jahren der Grund für die Belastung des Trinkwassers.
Foto: W. Rein

Betroffen sind die vom Neuburger Wassernetz aus dem Sehensander Forst versorgten Stadtteile und das angeschlossene Gebiet der Gemeinde Oberhausen. Gesundheitsamt rät: Wasser abkochen und nicht Duschen.

Schlechte Nachricht für die vom Neuburger Wassernetz aus dem Sehensander Forst mit Trinkwasser versorgten Stadtteile und das angeschlossene Gebiet der Gemeinde Oberhausen: Im Trinkwasser wurde ein Bakterium mit dem Namen „Pseudomonas aeruginosa“ entdeckt. Das Landratsamt hat daher mit sofortiger Wirkung eine Abkochanordnung für das Trinkwasser erlassen. Nicht abgekocht soll das Wasser weder zum Verzehr, noch zur Körperpflege wie Duschen oder Baden verwendet werden. „Wasser abkochen und dann Waschlappen und Waschwanderl benutzen – so wie früher halt“, empfiehlt Johannes Donhauser, Leiter des Gesundheitsamtes. Für die Toilettenspülung und zum Wäschewaschen ist das Trinkwasser aus der Leitung ohne Einschränkung nutzbar.

Keime im Trinkwassernetz der Stadtwerke Neuburg bei erneuter Beprobung festgestellt

Wie Johannes Donhauser bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz erklärte, habe man bereits bei einer Routinebeprobung in der vergangenen Woche in der KJF Kliniken St. Elisabeth einen Keim festgestellt. „Das hat man allerdings öfter, gerade bei Baumaßnahmen, wo mit Standrohren gearbeitet wird“, erklärt der Mediziner. „Das ist eigentlich der Klassiker.“ Doch nach der erneuten Beprobung des Trinkwassers durch die Stadtwerke an zehn festgelegten Stellen am Montag hatte man Gewissheit: An neun Stellen wurde der möglicherweise krankheitserregende Keim erneut nachgewiesen. „Den mögen wir weder in den Krankenhäusern, noch in den Freibädern“, verdeutlichte Donhauser, dem das Ergebnis am Mittwochvormittag mitgeteilt wurde. Denn bei empfänglichen Menschen, vor allem kleinen Kindern, Hochbetagten und Menschen mit einem schwachen Immunsystem könnte der Keim zu eitrigen Entzündungen führen. Durchfallerkrankungen kann das Bakterium ausdrücklich nicht auslösen, wie Donhauser betonte.

Belastetes Trinkwasser: Jetzt läuft die Suche nach der Ursache.
Foto: Marcel Rother

Die dringende Empfehlung, das Wasser abzukochen – Donhauser rät, es zehn Minuten lang sprudeln und dann abkühlen zu lassen – gilt natürlich nicht nur für die betroffenen Haushalte. Auch Pflege- und Altenheime, das Krankenhaus und grundsätzlich lebensmittelverarbeitende Unternehmen wie Bäcker, Metzger, Brauereien und natürlich Gaststätten aller Art sind betroffen. Informiert von den Stadtwerke wurden nicht zuletzt auch die Zahnarztpraxen im betroffenen Gebiet. Und auch für das Brandlbad hat das Bakterium folgen. Zwar können die gechlorten Schwimmbecken weiter benutzt werden. Aber Duschen ist nicht mehr erlaubt – die wurden abgestellt. „Da hängt ganz schön was dran“, meinte Johannes Donhauser.

Auch dem betroffenen Trinkwasser wird ab dem heutigen Donnerstag Chlor zugesetzt. Täglich wird dann die Dosierung überprüft. Wie schnell dem Keim der Garaus gemacht werden kann, hängt dann vom Wasserverbrauch ab. Der ist im Sommer ohnehin und im Stadtzentrum wegen der größeren Dichte grundsätzlich höher als in der Peripherie. Nach fünf bis sieben Tagen, schätzt Georg von Großmann, von den Stadtwerken, sei das Wasser wieder rein.

In der Zwischenzeit läuft die Suche nach der Ursache. Dazu werden noch einmal an allen Brunnen sowie der Reinwasserkammer in Sehensand Proben gezogen. Dass der Keim aus der Tiefe des Sehensander Brunnens kommt, ist für Johannes Donhauser „unvorstellbar“. Meistens sei in solchen Fällen unbewusst die menschliche Hand im Spiel.

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Wasser in Neuburg mit Bakterien belastet: Bei Stadtwerken lief Telefon heiß

Als der Vorfall am Mittwoch öffentlich gemacht wurde, lief das Telefon bei den Stadtwerken heiß. In aller Regel wollten die Anrufer wissen, ob sie zu den betroffenen Haushalten gehören, die vom Wasserwerk in Sehensand aus versorgt werden. Während die Bewohnerinnen und Bewohner in Laisacker, Gietlhausen, Bittenbrunn und Bergen zum Beispiel anderweitig mit Trinkwasser versorgt werden und keine Vorsichtsmaßnahmen treffen müssen, sind die Haushalte in Hessellohe, Ried und Joshofen von der Verunreinigung betroffen. Wobei in Joshofen Teile auch von der Heimberg-Gruppe versorgt werden. „Dort werden wir Flugblätter verteilen müssen, weil sich das mitunter auch von Haus zu Haus ändert“, erklärt Georg von Großmann. Außen vor sind auch die von der Arnbach-Gruppe mit Trinkwasser versorgten Stadtteile Maxweiler, Zell, Neuzell, Bruck, Rohrenfeld, Grünau, Marienheim, Rödenhof, Fleischnershausen und große Teile von Heinrichsheim.

Das Trinkwasser in Neuburg steht, wie Stadtwerkeleiter Richard Kuttenreich betont, „unter strenger Kontrolle“ und wird alle Wochen an verschiedenen Stellen beprobt. Die neuesten Messgeräte würden dabei sehr genaue Hinweise auf die Qualität des Wasser geben.

Die vorerst letzte Belastung des Neuburger Trinkwassers mit Bakterien geht auf das Jahr 2017 zurück. Damals waren Fäkalbakterien, so genannte Enterokokken, ins System gelangt. Während man damals zuerst eine private Regenwasserzisterne, die zur Toilettenspülung eingesetzt wird, unter Verdacht hatte, deuteten die Fundorte der Bakterien letztlich auf das Wasserwerk hin. Und tatsächlich: Nach Prüfung aller Bauteile im Wasserwerk stellte sich als wahrscheinlichste Ursache für die Verschmutzung ein zu grobmaschiges Insektenschutzgitter in den Zu- und Abluftkaminen der Reinwasserkammer heraus. Durch die einen Zentimeter großen Öffnungen konnten Mücken eindringen und das Wasser mit Enterokokken kontaminieren. Die jahrzehntealten Gitter wurden daraufhin schleunigst durch engmaschige Fliegengitter ersetzt. Vor diesem Vorfall im September 2017 hatte es jahrzehntelang keine Belastung des Trinkwassers gegeben. \u0009 \u0009"Am Rande notiert

Wer Fragen bezüglich der Trinkwasserbelastung hat, kann sich unter Telefon 08431/5090 an die Stadtwerke wenden. Heute Mittwoch, ist die Hotline bis 19 Uhr besetzt. Am Donnerstag, 22. Juli, ist die Hotline von 8 Uhr durchgehend bis 17 Uhr besetzt, am Freitag, 23. Juli, von 8 bis 12 Uhr. Ab Montag sind die Stadtwerke Neuburg an der Donau zu den regulären Geschäftszeiten von 8 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr auf der Hotline erreichbar.

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