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Neuburg

16.08.2018

Neuburger Energiewald wird zum „Käferholz-Friedhof“

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Links strecken noch die letzten Pappeln des bestehenden Energiewaldes ihre grünen Blätter in den Himmel, daneben donnern bereits tote Fichten auf ihre vorerst letzte Ruhestätte. Sie sind vom Borkenkäfer befallen und mussten raus aus den Wäldern – täglich werden es mehr.
Bild: Marcel Rother

Weil der Borkenkäfer in diesem Rekordsommer abertausende Fichten befällt, müssen diese raus aus den Wäldern. In Neuburg entsteht ein neues Lager.

Der Kontrast könnte kaum größer sein: In der Vertikalen stehen Pappeln voll im Saft und präsentieren aufrecht ihr Grün – das blühende Leben. Direkt daneben hieven Greifarme tonnenweise abgeholzte Fichtenstämme von Anhängern und befördern diese krachend in die Horizontale. Die Zeit, in der die Bäume standen, ist vorbei. Für sie, wie für tausend andere, bedeutete der Borkenkäfer den Tod. Auf dem Gelände, wo das Studienseminar seinen Energiewald hatte – südlich der B16, gegenüber der Krauthauskapelle – errichteten die Bayerischen Staatsforsten nun einen „Käferholz-Friedhof“. Ein Zwischenlager, bis das Holz einen Abnehmer findet.

Wer das rund 2,8 Hektar große Areal in den vergangenen Tagen beobachtet hat, wird sich gewundert haben, wie viele schwer beladene Lkw dort unablässig Holz anliefern. „Wir transportieren zwei bis drei Mal wöchentlich rund 30 Ladungen Baumstämme an“, sagt Speditionsleiter Christian Burzler. Schuld sei eine „bayernweite Borkenkäferkatastrophe“. Diese habe sogar dazu geführt, dass das zulässige Ladegewicht der Lkw von 40 Tonnen um zwei Tonnen aufgestockt wurde. „Überall auf den Straßen sind wegen der dramatischen Lage in den Wäldern gerade vermehrt Holztransporte zu beobachten“, erklärt Burzler.

Woher das Borkenkäferholz stammt

Das Holz, das in Neuburg zwischenlagert, stammt aus Staatswäldern zwischen Eichstätt und Donauwörth. Die Bayerischen Staatsforsten Kipfenberg haben die Fläche in Neuburg vom Studienseminar gepachtet, um die enormen Mengen befallener Fichten möglichst schnell aus den Wäldern zu bringen und zwischenlagern zu können. Dafür muss der Energiewald weichen. Eine rund einen Hektar große Fläche mit neun Jahre alten Pappeln ist noch übrig. Sie wird so lange stehen bleiben, bis auch dieser Platz benötigt wird, dann werden Hackschnitzel aus ihnen. „Der Energiewald war nur als Zwischennutzung gedacht“, erklärt Alfred Hornung, Mitglied im Stiftungsvorstand des Studienseminars. Und da die Fläche für die im Seminarforst befallenen Fichten zu groß sei, werde sie verpachtet. Zum Vergleich: Der Seminarforst hat 800 Hektar, der Forstbetrieb Kipfenberg umfasst 16800 Hektar Wald. Und der müsse möglichst schnell von „Käferholz“ befreit werden, damit die Insekten möglichst nicht auf andere Bäume überspringen können, sagt Forstbetriebsleiter Rudolf Habereder.

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Das kann zu Platzproblemen führen, die sich aufgrund des Klimawandels aller Voraussicht nach nicht entschärfen werden. „Generell kann man in den vergangenen vier Jahren von einer Massenvermehrung der Borkenkäfer sprechen“, sagt Habereder. Daher sei die Pacht für mehr als 20 Jahre angelegt. Im Sommer sei die Lage für die Forstwirtschaft besonders heikel: Während der Borkenkäfer Hochsaison hat, haben die Sägewerke, potenzielle Abnehmer für das Fichtenholz, Sommerurlaub. Das macht eine Zwischenlagerung unverzichtbar.

Warum es auf der Energiewaldfläche ständig „regnet“ 

Ebenfalls unverzichtbar ist eine Bewässerungsanlage: Nur so sterben die Borkenkäfer ab und das Holz bleibt frisch, erklärt Habereder. Würde es trocken lagern, bildeten sich Risse und der Holzwert würde weiter sinken. Bekommen Forstwirte normalerweise rund 100 Euro für den Festmeter Fichtenholz, sind es dank der Bewässerung immerhin noch um die 60. „Das Wasser für die Beregnungsanlage wird aus einem eigenen Grundwasserbrunnen entnommen und versickert im Handumdrehen zu 80 Prozent wieder im Boden“, erklärt Hornung. Bis die aus den Wäldern entnommenen Fichten wieder nachgewachsen sind, könnten Jahrzehnte vergehen.

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