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Natur in Neuburg

17.08.2018

Neuburger Naturschützer lehnt Umweltpreis ab

Ulrich Mayer engagiert sich seit über 30 Jahren beim Bund Naturschutz für die Umwelt. Dafür sollte er nun vom Freistaat mit dem Grünen Engel ausgezeichnet werden. Doch der 69-Jährige lehnte dankend ab.
Bild: Philipp Kinne

Eigentlich sollte Ulrich Mayer aus Neuburg für sein Engagement für den Naturschutz vom Freistaat ausgezeichnet werden. Warum er den Grünen Engel nicht annimmt.

Ein Grüner sei er eigentlich nicht, sagt Naturschützer Ulrich Mayer. Und ein Engel erst recht nicht. Dennoch sollte er von Umweltminister Marcel Huber (CSU) mit dem Grünen Engel, einer Auszeichnung des Freistaats, geehrt werden – für sein langjähriges Engagement für die Natur. Doch Mayer lehnte die Auszeichnung ab: „Ich kann das von dieser Regierung nicht annehmen.“ Seit Jahren setze sich die Politik in Bayern zu wenig für den Naturschutz ein. Der Raubbau sei immens, die Umwelt überlastet. Zwar werde ein Naturschutzprogramm nach dem anderen beschlossen, „es änderst sich aber nichts“, sagt Mayer. Der 69-Jährige ist frustriert.

Mit dem Ablehnen des Umweltpreises will Ulrich Mayer aus Neuburg ein Zeichen setzen

Dabei wäre er eigentlich genau der Richtige für die Auszeichnung des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz. Seit 2011 verleiht das Ministerium den Grünen Engel an Persönlichkeiten und Vereinigungen für vorbildliche Leistungen und langjähriges, nachhaltiges, ehrenamtliches Engagement im Umweltbereich. An Menschen wie Ulrich Mayer eben. Seit über 30 Jahren engagiert er sich für die Natur. Die Auszeichnung sollte er unter anderem für die Mitwirkung bei Artenschutzkartierungen, die Erstellung der Roten Listen und Atlanten, Artenhilfs-Schutz und Pflegemaßnahmen oder die Durchführung von naturkundlichen Führungen bekommen. Eine Arbeit, auf die Mayer stolz ist. „Jedes ehrenamtliche Engagement verdient Respekt“, sagt er. Es gehe ihm nicht darum, die vielen Ehrenamtler in allen Bereichen unserer Gesellschaft zu diskreditieren. Viel mehr wolle er durch das Ablehnen der Auszeichnung ein Zeichen setzen. Er könne nicht einerseits Ehrungen einer Regierung annehmen, die er andererseits vielfach kritisiert. Mayer möchte Bewusstsein schaffen für das, was seiner Meinung nach falsch läuft.

Und da gibt es eine Menge. Da ist zum Beispiel das lange Hin und Her zum Thema Nationalpark. „Da hat die Politik vorbei an den Leuten entschieden“, sagt Mayer. Am Ende habe man Naturschützer für Probleme verantwortlich gemacht, die man im Gespräch mit den betroffenen Grundstückseigentümern und Landwirten schnell hätte klären können. Ein anderes Beispiel ist der Auwald zwischen Lech und Ingolstadt. Er sei eines der wichtigsten und größten Biotope Bayerns – und dennoch würden dort Eichen gefällt. „Das ist ein absolutes Unding.“ Denn dadurch verschwinden nicht nur alte Bäume aus dem etwa 2000 Hektar großen Naturschutzgebiet. „Es sterben seltene Insekten, die einen wichtigen Teil für das System Umwelt leisten“, erklärt Mayer.

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Seit mehr als 30 Jahren setzt sich Ulrich Mayer für Natur und Umwelt der Region ein

Für den Naturschutz setzt sich der 69-jährige Neuburger, der ursprünglich aus Nördlingen stammt, schon seit über 30 Jahren ein. Seitdem ist er beim Bund Naturschutz. Er ist Mitbegründer der Artenschutzgruppe der Naturschützer und hat seit den 1980er Jahren keine Vogelzählung in seiner Heimat verpasst. Mayer engagiert sich besonders für die Erhaltung bedrohter Vogelarten. Auch bei der Wiederansiedlung von Störchen in der Region ist er beteiligt. „Ich war schon immer mit der Natur verbunden“, erzählt Mayer, während er auf der kleinen Terrasse in seinem Garten sitzt. Um ihn herum tragen Äpfel- und Zwetschgenbäume ihre Früchte, es gibt Salat und Tomaten. „Ich lebe teilweise autark“, sagt Mayer. Mit der Natur leben, das heiße für ihn auch, zu wissen, wann welches Gemüse geerntet werden kann und dass es im Winter nun einmal keine Erdbeeren gibt.

Doch nicht nur beim Blick in seinen kleinen Garten denkt Mayer an das Große Ganze. „Wir Menschen spielen uns zu oft in den Vordergrund“, meint er. Seit Jahren warne er beispielsweise vor den Folgen des Klimawandels, vor Dürre und Hochwasser. Die Ursachen dafür finde man vor der Haustüre. Überall werde gebaut, große Flächen würden zu Parkfläche, der Verkehr nehme stetig zu, ebenso der Konsum. „Und wir schauen zu oft einfach nur zu.“

Doch so groß der Ärger über all das auch sein mag, verbittert ist Mayer nicht. Er bleibt aktiv im Bund Naturschutz und wird sich auch weiterhin für die Umwelt stark machen. Auch geht es ihm nicht darum, die Auszeichnung des Freistaats grundsätzlich schlecht zu reden. „Einige meiner Freunde haben den Grünen Engel“, sagt er. Einen Vorschlag, wer statt ihm ausgezeichnet werden sollte, hat Ulrich Mayer auch schon: „Meine Frau.“ Sie engagiere sich nämlich ebenso lange wie er für die Natur. „Und vermutlich würde sie die Auszeichnung auch annehmen.“

Lesen Sie dazu den Kommentar „Keine Auszeichnung - aus Prinzip“.

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