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Neuburg

04.02.2015

Notarzt soll Autofahrer gefährdet haben: Viele verurteilen die Anzeige

Wenn das Blaulicht an ist, heißt es für alle anderen Verkehrsteilnehmer: Platz machen. Doch manche Fahrer sehen sich gefährdet.
Bild: Alexander Kaya

Ein Notarzt aus dem Kreis Neuburg soll 4500 Euro zahlen, weil er bei einem Einsatz Autofahrer gefährdet habe. Viele verurteilen die Anzeige - es gibt aber auch andere Reaktionen.

Dr. Alexander Hatz hat eine Anzeige wegen Nötigung im Straßenverkehr erhalten, als er auf einer Blaulichtfahrt unterwegs ins Donaumoos war. Die Folge: ein Strafbefehl über 4500 Euro und sechs Monate Führerscheinentzug. Dieses Thema scheint niemanden kalt zu lassen. Es wird auf der Website unserer Zeitung genauso heiß diskutiert, wie auf den Straßen Neuburgs.

Hatz findet Zuspruch. „Mich haben viele Menschen auf den Artikel angesprochen. Und unisono waren sie der Meinung, dass eine solche Anzeige unsinnig ist.“ Selbst Politiker, wie der Bürgermeister der Gemeinde Rohrenfels, stellen sich hinter den Notarzt. Auf seinem Facebook-Profil haben sich Menschen bei ihm bedankt, denen er in seinen vielen Jahren als Notarzt geholfen hat.

Es gab aber auch andere Reaktionen, wenn auch nur ein paar wenige. Im Forum unseres Online-Auftritts formieren sich neben breiter Zustimmung Einzeltöne, die dem Autofahrer Recht geben, der den Notarzt angezeigt hat. „Wenn Fahrzeuge zur Vollbremsung und zum Ausweichen aufs Bankett gezwungen und damit gefährdet werden, hört der Spaß auf“ oder: „Gefährdung – auch mit Sondersignal – geht nicht.“

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Auch die Polizei setzt sich mit dem Thema auseinander

Tatsächlich ist das ein heikles Thema das nicht nur Notärzte betrifft. Zu denjenigen, die im Fall des Falles mit Blaulicht und Signalton über die Straßen jagen müssen, gehören auch die Polizeibeamten der Inspektion in Neuburg. „Aber jeder von uns überlegt sich genau, ob wir mit Sonderrechten, also mit Blaulicht, fahren oder gar unser Wegerecht einfordern, wenn wir auch noch den Signalton einschalten“, sagt Hauptkommissar Erwin Sonntag. „Dann allerdings brennt es irgendwo richtig, dann gilt es, keine Zeit zu verlieren.“

Doch auch im Notfalleinsatz, „wo man ja auch selbst sein Leben riskiert“ würden Regeln gelten, erklärt Sonntag. Man müsse bei einer roten Ampel so fahren, dass nichts passiert. „Wir sind gegenüber unserem Dienstherrn schadenersatzpflichtig, wenn wir im Notfalleinsatz grob fahrlässig handeln.“

Auf seiner Dienststelle habe es, soweit er sich erinnern kann, „Gott sei Dank“ noch keine solchen Forderungen gegeben. Ohnehin kann er sich nicht erinnern, dass bei einem Notfalleinsatz jemand den Fahrer eines Rettungsfahrzeugs – ob Feuerwehr, Bayerisches Rotes Kreuz (BRK), Polizei oder Notarzt – angezeigt hätte. Ganz selten käme es vor, so Sonntag, dass jemand anrufe und darum bitte, dass man doch mehr Rücksicht nehmen solle.

Auch dem BRK in Neuburg ist kein vergleichbarer Fall bekannt. Zwar gingen zwei- bis dreimal im Jahr Beschwerden in der Rettungsdienststelle von Leiter Peter Ertle ein. Doch die habe man im Gespräch aus der Welt geschafft. Eine Anzeige habe nie einer seiner Fahrer erhalten. Es ginge dabei nicht nur um Straßensituationen, sondern teils um Anwohner, die sich vom Martinshorn belästigt fühlen. Erhofft der Einsatzstellenleiter sich mehr Verständnis für den Rettungsdienst? „Grundsätzlich ist Verständnis da. Es gibt aber auch uneinsichtige Einzelfälle.“

Bei Blaulicht gehe es nun einmal um Leben und Tod

Zwischen 3000 und 4000 Einsätze fährt der BRK-Rettungsdienst in Neuburg jährlich. Bei jedem einzelnen gilt: Sobald Blaulicht und Martinshorn aktiviert sind, muss der Weg frei gemacht werden. Rote Ampeln, Halteverbote und Einbahnstraßen zählen dabei nichts. Doch das befreit den Einsatzfahrer auch nicht vom vorausschauenden Fahren. Ertle erklärt, dass es keine grundsätzliche Anweisung gibt, wie eine Einsatzfahrt ablaufen muss. Es gebe ja auch keine Möglichkeit den Notfall zu trainieren, weil jeder Verkehrsteilnehmer anders auf Blaulicht und Horn reagiere und die Strecke von Einsatz zu Einsatz eine andere sei. Manchmal können die Autofahrer einfach keinen Platz machen, sagt er.

„Schauen Sie am Abend mal an die Luitpoldstraße. Da stehen sie an der Ampel und auf der Straße reihenweise in Schlangen.“ Dann spricht Ertle von einem anderen Problem: „Ab und zu haben Fahrer ihre Anlage so laut, dass eher der Rettungsdienst die Musik hört, als sie das Horn. „Manchmal fährt das Auto vor einem einfach nicht weg“, sagt er. „Was will man da machen?“

Vergleichbares hört man von der Freiwilligen Feuerwehr Neuburg: Auch dort kam es noch nie zu einer Anzeige, sagt Kommandant Christian Braun. Überhaupt ist er schockiert, dass ein Autofahrer Anzeige gegen einen Fahrer mit Blaulicht stellt. Sollte es zu einer Verurteilung im Fall des Notarztes kommen, sieht Braun darin ein „riesiges Problem“.

 „Wer traut sich denn dann noch eine Blaulichtfahrt zu unternehmen?“ Dies sei ein zusätzliches Handicap für freiwillige Helfer. Immer wieder appelliert er an seine Truppe, stets vorsichtig zu fahren. Die eigene Sicherheit stehe an erster Stelle – sonst könne man nicht mehr helfen. Außerdem bekommen die Fahrer während ihrer Ausbildung ein spezielles Fahrtraining, das regelmäßig wiederholt werde, schildert Braun. Wenn das Martinshorn ertönt, ginge es nun mal um Leib und Leben.

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