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Neuburg/Ingolstadt

19.02.2015

Notaufnahmen in Not

Stephan Müller, pflegerischer Leiter der Neuburger Notaufnahme.
Bild: Kl. St. Elisabeth

Die Anzahl der Patienten steigt immer weiter. Viele sind ernsthaft krank, doch manche nutzen das System aus

Neuburg/ Ingolstadt Viele bayerische Notaufnahmen sind derzeit extrem überlastet. Auch in Neuburg und Ingolstadt bietet sich ein ähnliches Bild: Alle Sitzplätze im Wartebereich sind bereits besetzt – und trotzdem treffen immer wieder neue, krank aussehende Menschen mit verschnupften Nasen und glasigen Augen ein. Insbesondere in Neuburg kommen die Ärzte mit der Behandlung der Patienten nicht mehr hinterher. Schuld daran ist aber nicht nur die Grippe-Welle.

„Wir haben auffällig viele Infekte, aber auch sehr viele Stürze – obwohl es gar kein Glatteis gibt“, berichtet Thomas Bauch, Pressesprecher der Kliniken St. Elisabeth in Neuburg, stellvertretend für den pflegerischen Leiter der Notaufnahme Stephan Müller. Dieser steckt so tief in Arbeit, dass er für Presseauskünfte im Moment gar keine Zeit hat. Erklären kann sich Bauch die vielen Stürze nicht. Bei den Infektgeplagten hingegen handle es sich vor allem um ältere Menschen und Kinder – eben Personen mit einem weniger robusten Immunsystem, die bei winterlicher Witterung besonders krankheitsanfällig sind. Bis zu 300 Patienten werden zurzeit an einem Wochenende versorgt. Unter der Woche sind es 120 bis 150 pro Tag. Bauch: „Das ist extrem viel. 80 bis 90 Patienten sind normal.“

In den Kliniken St. Elisabeth gibt es neben der Notaufnahme auch eine GO-IN-Notfallpraxis, in der die „leichteren Fälle“ von einem Hausarzt, der gerade Dienst hat, behandelt werden. „Das entlastet schon, aber die Praxis ist nur mittwochs, am Wochenende und an Feiertagen geöffnet – und dann jeweils nur stundenweise. Und den Rest der Zeit boomt die reguläre Notaufnahme“, sagt der Pressesprecher. Am Faschingsdienstag mussten die Dienst habenden Ärzte – in der Regel ein Kinderarzt, ein Chirurg und ein Facharzt für Innere Medizin – sogar eine Stunde länger arbeiten, um den Strom an Patienten zu bewältigen.

Der Leiter der Ingolstädter Notfallklinik Florian Demetz hat es zumindest etwas besser. Auch am Klinikum gibt es eine GO-IN-NotfallPraxis. Statt einer herkömmlichen Notaufnahme gibt es allerdings eine Notfallklinik mit eigenem Personal, das nicht vom Krankenhausbetrieb abgezogen werden muss. „Auch wir merken, dass seit Weihnachten mehr Patienten kommen. Doch wir haben das Glück trotz Spitzenbelastung alles noch irgendwie händeln zu können“, erzählt Demetz. Es sei jeden Tag wieder eine Herausforderung, aber die Mitarbeiter seien sehr engagiert und würden hervorragende Arbeit leisten.

Demetz ist seit der Gründung der Unfallklinik im Jahr 2010 dort Leiter. In diesen fünf Jahren ist die Anzahl der Patienten um rund 30 Prozent gestiegen: von 30000 auf 44000 pro Jahr, inklusive GO-IN-Praxis sogar auf rund 80000. Am Tag werden aktuell 200 bis 250 Menschen versorgt. „Das ist ein unheimlich großer Betrieb (Anm. der Red.: inklusive Verwaltung rund 100 Mitarbeiter), der sehr viele personelle und räumliche Ressourcen verschlingt“, sagt Demetz. Dabei sei die Finanzierung dünn: Pro ambulanten Fall in der Notaufnahme bekommt das Krankenhaus 20 bis 25 Euro, jeder Patient kostet aber gemäß bundesweitem Durchschnitt rund 120 Euro.

Ginge es nach Demetz, sollten die Gesetzgeber dieses Grundkonzept überdenken, denn er schätzt, dass der Bedarf an Kapazitäten in den Notaufnahmen künftig noch weiter steigen wird. Er sieht nämlich einen Trend: „Es gibt eine Reihe von Patienten, die das System Notaufnahme ausnutzen, weil sie so relativ schnell alle Leistungen bekommen.“ Sie müssen sich nicht erst einen Termin beim Hausarzt geben lassen, dann auf Laborergebnisse warten und möglicherweise weiter zum Facharzt... „Dieses Verhalten ist nur menschlich.“ Es sei unrealistisch, zu erwarten, dass sich diese Einstellung ändere. Und es gelte nun einmal die Maxime, dass jeder behandelt werde, der in die Notaufnahme komme – wobei Prioritäten gesetzt würden: Höchstes Risiko habe höchste Dringlichkeit.

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