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Ingolstadt

22.04.2015

Randale nach Fußballspiel: Polizist schreibt falschen Einsatzbericht

Ein Polizist hat einen Fußball-Fan geschlagen. In seinem Bericht schrieb er, dass er mit einer Bierflasche angegriffen wurde - doch das stimmt nicht.
Bild: Rolf Vennenbernd (dpa)

Nach einem Fußballspiel greift ein Mann einen Polizisten an. Der schlägt zu, schreibt einen falschen Einsatzbericht und wird verurteilt. Doch dagegen wehrt er sich jetzt.

Es geht um seine Existenz und um seine Berufsehre. Es geht also um ziemlich viel für den Polizisten der Inspektion Ingolstadt, der sich nach einem Fußballspiel mit Randalierern hatte herumschlagen müssen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Vor dem Landgericht Ingolstadt hat in dieser Sache gestern eine Berufungsverhandlung begonnen. In erster Instanz war der Familienvater im Oktober vergangenen Jahres vom Amtsgericht Ingolstadt zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt worden. Er hatte nach Überzeugung von Amtsgerichtsvizedirektor Christian Veh einen dienstlichen Bericht über einen Schlagstockeinsatz geschrieben, der nicht den Tatsachen entsprach.

Der Polizist hatte darin einen Anhänger der Bamberger Mannschaft beschuldigt, ihn von hinten in den Rücken getreten und ihn daraufhin mit einer abgeschlagenen Bierflasche bedroht zu haben. Daraufhin hatte er den Schlagstock eingesetzt. Ein Handyvideo zeigt aber, das sich diese entscheidende Szene anders zugetragen haben muss. Sollte das Urteil des Amtsgerichts rechtskräftig werden, würde der Polizist aus dem Staatsdienst entfernt werden und nach Beamtenrecht auch Pensionsansprüche verlieren.

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Handyvideo zeigt, was wirklich passierte

Es war nach einem Fußballspiel zwischen dem FC Ingolstadt II und Eintracht Bamberg im Sommer 2013. Bamberg verlor und eine aus Franken angereiste Gruppe sogenannter Fans war danach schlecht drauf. Schon am Stadion hatte es Bambule gegeben. Nun ging es den Polizisten am späten Abend nach dem Spiel darum, die teilweise aggressive Gruppe am Hauptbahnhof ohne weitere Zwischenfälle durch die Unterführung ans richtige Gleis zu bugsieren und in den Zug raus aus der Stadt zu begleiten. In aufgeheizter Stimmung eskalierte die Situation dann an der Treppe des Hauptbahnhofs runter zur Unterführung.

Auf dem – von einem in diesem Moment unbeteiligten „Bamberger“ aufgenommenen – Handyvideo sieht man, wie Polizisten und „Fans“ die Treppe herabsteigen. Unter ihnen ist auch der 24-jährige Student. Man sieht, wie er die letzten zwei, drei Stufen auf einmal nimmt und den vor ihm gehenden angeklagten Polizeihauptmeister mit dem Arm von hinten etwa in Schulterhöhe anstößt. Der Beamte muss daraufhin zwei Ausfallschritte machen, fängt sich aber, dreht sich um und beginnt den Schlagstock zu benützen.

Der betrunkene Student (etwa zwei Promille) weicht sofort zurück. Es folgen drei, vier Schläge und ein Stockstich in die Rippen. Danach ist der angehende Wirtschaftsingenieur – mithilfe der weiteren Beamten – mit den Armen auf den Rücken fixiert und gefesselt. Kurz war er wohl auch bewusstlos. Er hat – auch das zeigt das Video – eine Bierflasche in der Hand.

Die wird aber nirgendwo zerbrochen, sondern ein Polizist entwendet sie dem jungen Mann. Auch das steht nicht in dem Einsatzbericht des Angeklagten. Richter Konrad Kliegl las die entscheidende Passage unter Hinweis auf genau diese Diskrepanz vor. Darin heißt es: „Als ich mich umdrehte, sah ich den Mann (Name weggelassen, Anm. d. Red.) , der gerade eine Bierflasche zerschlug und sich in meine Richtung drehte.“

Polizist kann den Vorfall nicht erklären

Der Polizist kann sich die Sache bis heute nicht erklären. Er sagt: „Ich kann mir nur vorstellen, dass es zwei Situation waren, die ich als eine abgespeichert habe.“ Den Bericht schrieb er noch in der Nacht nach dem Einsatz. Er sei in dieser eskalierenden Ausnahmesituation „unter Strom“ gewesen. Er betonte: „Das geht gegen meine Berufsehre. Ich habe mit Sicherheit niemand falsch beschuldigt.“

Staatsanwalt Ingo Christ und der Vertreter der Nebenklage haben daran ihre Zweifel. Eine Überreaktion im Einsatz ist das eine, aber eine solche Diskrepanz zwischen Erinnerung, Bericht und Video? Es gab gestern vor Gericht viele Zeugen, viele Fragen und weniger klare Antworten. Die, die es gab, begannen nicht selten mit den einleitenden Worten: „Der Erinnerung nach...“ Der Prozess wird im Mai fortgesetzt.

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