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Neuburg

04.11.2019

Schuldnerberatung: Wenn das Geld nicht mehr reicht

Ein Brief, vor dem viele Angst haben: eine Mahnung. Auch eine solche Situation ist jedoch nicht aussichtslos. Betroffene können sich beispielsweise an die Schuldner- und Insolvenzberatung in Neuburg wenden.
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Ein Brief, vor dem viele Angst haben: eine Mahnung. Auch eine solche Situation ist jedoch nicht aussichtslos. Betroffene können sich beispielsweise an die Schuldner- und Insolvenzberatung in Neuburg wenden.
Foto: Christian Charisius, dpa

Die Schuldner- und Insolvenzberatung in Neuburg hilft, wenn es keinen Ausweg zu geben scheint. Zwei Beraterinnen erzählen, wo sie Handlungsbedarf sehen.

Verlockend sind Ratenkäufe ja schon. Statt innerhalb kürzester Zeit einen großen Batzen Geld los zu sein, wird jeden Monat nur eine kleine Summe fällig. Selbst kleinere Anschaffungen kann man mittlerweile häppchenweise bezahlen. Doch das birgt gewisse Gefahren, wie Tina Heinz und Jennifer Kober von der Schuldnerberatung in Neuburg wissen.

Seit 30 Jahren gibt es die Schuldner-, seit 20 Jahren die Insolvenzberatung. Beide werden von der Diakonie in Ingolstadt getragen. Gewandelt haben sich die Gründe, weshalb Menschen in die Schuldenfalle tappen, über die Jahre kaum. Arbeitslosigkeit, eine längere Krankheit oder eine Scheidung sind nach wie vor die Hauptauslöser.

Schuldnerberatung in Neuburg: Jeder zehnte Deutsche ist überschuldet

Bei Menschen unter 40 Jahren sei aber der Internetkonsum ein entscheidender Faktor geworden: „Es gibt verlockende Kleinstraten, es ist alles verfügbar, man muss nicht mehr raus. Da verliert man schnell den Überblick“, sagt Kober. Die beiden Beraterinnen beobachten zudem, dass das Problem der Altersarmut immer größer wird. „Eine Klientin hat beispielsweise noch einen Kredit mit ihrem Mann abgeschlossen, der dann gestorben ist. Alleine konnte sie ihn nicht mehr bezahlen“, erklärt Heinz.

Dass in Deutschland immer mehr Verbraucher in finanzielle Schwierigkeiten geraten, zeigt eine Zahl aus dem Schuldneratlas 2018 besonders deutlich: Jeder zehnte Erwachsene in der Bundesrepublik ist überschuldet. Grund genug, bereits in jungen Jahren den richtigen Umgang mit Geld zu lernen, fordern Heinz und Kober. „Zwar ist die Schuldenquote in unserer Region niedriger, aber auch die Finanzkompetenz ist gering. In Schulen wird diese nur teilweise abgedeckt“, moniert Heinz. Schließlich gehe es beim Thema Geld und Schulden auch um Werte. „Brauche ich bestimmte Marken, um dazuzugehören? Werte beeinflussen das Konsumverhalten. Genau das geht bei Kindern schon früh los“, betont Heinz. Sie und ihre Kollegin Kober wünschen sich daher, dass in Schulen diese Werte in verschiedenen Fächern behandelt werden.

Schuldnerberatung in Neuburg: Mehr Prävention an Schulen 

Da es vielen Jugendlichen an finanzieller Bildung fehlt, haben sie oft Probleme, ihren eigenen Haushalt zu führen und richtig mit ihrem Geld zu wirtschaften. Dem wollen die beiden Frauen entgegenwirken. Dafür halten sie regelmäßig Vorträge in den elften Klassen der Fachoberschule Neuburg rund um die Themen Finanzen und Schuldenprävention. „Wir würden gerne noch viel mehr machen, dazu fehlen uns aber die Leute“, erklärt Heinz. Daher suchen die Beraterinnen nach Ehrenamtlichen, die solche Projekte an Schulen betreuen, um die Kinder frühzeitig auf die Gefahren der Schuldenspirale hinzuweisen. „Wenn bei den Projekten zumindest einige Tipps hängen bleiben, haben wir schon eine Menge erreicht“, ergänzt Kober.

Insgesamt 36 Stunden für Schuldner- und Insolvenzberatung werden in Neuburg finanziert. Knapp 150 Menschen hat das Team im vergangenen Jahr beraten. „Die Nachfrage ist immer höher als das, was wir leisten können“, fasst Heinz zusammen und appelliert zugleich an die Menschen, dass sich diese auch vor einer Überschuldung an die Beratungsstelle telefonisch oder persönlich wenden können – allerdings befindet die sich mittlerweile an einem neuen Ort. Denn heuer stand der Umzug von der Luitpoldstraße an den Schrannenplatz 131 an.

Die Außenstelle der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Ingolstadt befindet sich am Schrannenplatz 131. Erreichbar ist die Stelle unter 08431/43647-45 (Jennifer Kober) und 08431/43647-46 (Tina Heinz). Die Beratungen sind kostenlos.

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