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Neuburg/Rain

17.04.2019

Sekundenschlaf endet beinahe in Tragödie

Wenn Autofahrer am Steuer einnicken, droht höchste Gefahr.
Bild: animaflora, Fotolia.com

Im August 2018 gab es auf der B16 einen heftigen Unfall. Der Verursacher stand nun vor Gericht.

Ob er dem Geschädigten noch etwas zu sagen habe, fragte Amtsrichter Christian Veh den Angeklagten. „Ich wollte mich nur noch einmal persönlich entschuldigen“, sagte dieser, hob kurz seine Hand, um daraufhin sein Gesicht in selbiger zu vergraben – und zu weinen. Zum Entschuldigen hatte der Angeklagte allen Grund: Im August 2018 hatte er mit seinem Wagen das Auto des Geschädigten auf der B16 bei Neuburg gerammt. Der damals 39-jährige Mann aus Neuburg erlitt schwere Verletzungen, unter anderem innere Blutungen, einen Riss in der Milz und einen Bruch der Wirbelsäule. Auch der Angeklagte, ein 23-Jähriger Mann aus Rain, erlitt einige Verletzungen – kam aber vergleichsweise glimpflich davon. „Sie hatten eine Menge Glück“, sagte Richter Veh. Doch damit meinte er nicht etwa die Verletzungen des Angeklagten, sondern die des Geschädigten.

Der hätte nämlich auch im Rollstuhl sitzen können, wie Veh sagte. Zwar hört er weiterhin schlecht, hat Beschwerden in Hals und Oberkörper, kommt um Lähmungen jedoch herum. Wer jetzt aber den Angeklagten für einen wüsten Verkehrs-Rowdie hält, der irrt. Denn der hatte den Unfall nicht etwa mutwillig verursacht – sondern aus Fahrlässigkeit.

Sekundenschlaf durch Medikamente

Er war nämlich in einen Sekundenschlaf gefallen, hervorgerufen durch Medikamente. Diese hatte er genommen, weil er sich am Morgen noch krank gefühlt hatte. Im Laufe des Tages sei es ihm dann aber besser gegangen, sagte seine Anwältin Cordula Roßkopf. Als daraufhin einige seiner Freunde gefragt hätten, ob er sie zum Barthelmarkt fahren wolle, habe er sich dazu überreden lassen. Auf dem Rückweg kam es zum verhängnisvollen Unfall: Gegen 18.30 Uhr schlief der Angeklagte kurz ein, als er wieder aufwachte, war es zu spät. Da hatte er den Neuburger bereits gerammt, der an der Kreuzung darauf gewartet hatte, auf die B16 einbiegen zu können.

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„Das ist das Tragische daran, dass so jemand aus seinem Leben herausgerissen wird“, kommentierte Veh den Unfall. Der Geschädigte könne schließlich gar nichts dazu. „Da hätten Sie ihren Freunden sagen müssen, dass sie zur Not auch mit der Postkutsche fahren könnten“, sagte er dem Angeklagten. Dass er sich da nicht durchgesetzt habe, müsse der Angeklagte sich vorwerfen lassen. „Damit müssen Sie leben“, sagte er.

Strafe fällt relativ gering aus

Deshalb verurteilte Veh den Angeklagten zu 60 Tagessätzen, deren Höhe mit zehn Euro recht gering ausfiel. Denn: Der Angeklagte erhält lediglich ein Taschengeld von seiner Familie, hat keine abgeschlossene Berufsausbildung und ist arbeitslos. Gestiegen dürften seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt nun nicht sein. Zusätzlich zur Geldstrafe muss er den Führerschein für drei Monate abgeben.

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