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Ingolstadt/Neuburg

15.05.2015

Streik für wichtigste Stütze der Gesellschaft

Mit einem Demonstrationszug durch die Ingolstädter Innenstadt machten über 600 Beschäftigte der Sozial- und Erziehungsberufe, unterstützt von Angestellten des Handels, ihrem Unmut über die ungerechte Bezahlung in ihrer Branche Luft. Der Streik soll weitergehen.
Bild: Manfred Dittenhofer

Beschäftigte in Sozial- und Erziehungsberufen demonstrieren in Ingolstadt. Auch Betroffene aus dem Landkreis sind vertreten

Von Manfred Dittenhofer

Ingolstadt/Neuburg-Schrobenhausen Ein gellendes Pfeifkonzert hallte am Mittwochvormittag durch die Ingolstädter Innenstadt. Quer durch die Fußgängerzone bahnte sich der Demonstrationszug seinen Weg, der in der Region den unbefristeten Arbeitsausstand der Erzieherinnen und Kindergärtnerinnen, der Heilerziehungspflegerinnen und Sozialarbeiter, der Sozialpädagogen und Jugendsozialarbeiter sowie der Heil- und Kinderpädagogen in den Fokus rückte. Denn bei dem unbefristeten Streik geht es nicht nur um Kindergärtnerinnen. Alle Sozialberufe fordern eine bessere Entlohnung und mehr gesellschaftliche Anerkennung. In Neuburg sind auch die Werkstätten der Lebenshilfe betroffen.

Nach fünf erfolglosen Tarifrunden in diesem Jahr haben die Mitarbeiterinnen von staatlichen und kommunalen Einrichtungen die Arbeit nun unbefristet niedergelegt. Und das soll laut Dr. Brigitte Zach, Fachbereichsleiterin der Gewerkschaft Ver.di in Bayern, auch so bleiben. Zach verwendete mit Bedacht das Wort „Kolleginnen“, denn für die Metaller-Hochburg Ingolstadt untypisch sorgten nur wenige Männer in der Schar der Frauen für Geschlechtergleichheit. Und weil der Frauenanteil bei den Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsdienste so hoch sei, sagte Zach, gehe es um einen für die Frauen bedeutenden Tarifabschluss. „Die Arbeitgeber wollen ausloten, wie weit sie mit uns gehen können und womit sie uns abspeisen können.“ Dabei tragen die Mitarbeiterinnen der Kitas, Kindergärten und der Pflegestationen große Verantwortung für die Kinder, für die Familien und die gesamte Gesellschaft. „Wir produzieren keine Ware wie zum Beispiel Automobile. Wir beschäftigen uns mit Kindern und Behinderten. Wir kümmern uns um Chancengleichheit und arbeiten an sozialen Brennpunkten.“ Der Streik treffe vor allem diejenigen, die nichts dafür könnten, so Zach weiter. Aber der Rückhalt, gerade seitens der Eltern, sei groß. Geld sei genügend vorhanden in Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen. „Wir brauchen die Solidarität aller für eine gute Dienstleistung, die für alle da ist.“ Fünf Verhandlungstage lang sei nichts passiert. Die Arbeitgeber sehen keine Notwendigkeit, den Lohn für die Pflegeberufe generell aufzuwerten. Zach ist sich sicher, der Ausstand werde fortgeführt, bis die Arbeitgeber wieder an den Verhandlungstisch kämen.

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Die Solidarität ist groß. Das zeigte die Demo in Ingolstadt, an der sich neben den Erziehungsberufen auch Mitarbeiter aus dem Handel beteiligten. Und auch die Beschäftigten von Audi zeigten durch Jörg Schlagbauer, Vorsitzender der IG-Metall Vertrauenskörperleitung bei Audi, ihre Solidarität. Wenn man die aktuelle Situation verfolge, so Schlagbauer, könne man schon ordentlich grantig werden. Besonders, wenn man höre, wie viel die Beschäftigten Tag für Tag leisteten und wie viel Verantwortung sie trügen – und wie wenig sie dafür am Ende des Monats auf dem Konto hätten.

Der Vorsitzende des DGB Bayern, Matthias Jena, verglich die politischen Sonntagsreden mit dem realen Gehaltszettel der Beschäftigten. „Die Gehälter sind eine Schande. Und mit euch betrifft dieser Streik uns alle.“ Schließlich handle es sich bei diesen Dienstleistungen um eine Grundvoraussetzung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Ihr alle streikt für uns, für die Frauen und für Familien.“ Nur durch die vereinigte Kraft der Gewerkschaften würden Tarifrunden gewonnen, so Jena. Mit von der Partie war auch Eva Bulling-Schröter. Laut der Bundestagsabgeordneten müsse die Gesellschaft verstehen, dass gute Arbeit nicht als Schnäppchen zu haben sei. Wenn die Arbeitgeber nicht einlenkten, müsse weiter gestreikt werden.

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