Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. „Um des schnöden Mammons Willen“

Justiz

28.04.2015

„Um des schnöden Mammons Willen“

Eine Ingolstädter Wirtin wurde wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt.
Bild: dpa

Das Amtsgericht Ingolstadt hat eine Wirtin zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Die 55-Jährige hatte über Jahre Steuern hinterzogen. Es ging um rund 350000 Euro

Man sieht ihr an, wie mitgenommen sie ist. Dass harte Jahre hinter ihr liegen, mit einem belastenden Ermittlungsverfahren. Und, so sagt Amtsgerichtsvizedirektor Christian Veh, „sie haben sicher immer fleißig gearbeitet, das wird ihnen keiner absprechen. Allerdings: Was war, das ist selbst verschuldet. Und irgendwann kommt halt einmal der Betriebsprüfer.“

So war es bei der Wirtin eines Ingolstädter Traditionsgasthauses. Die Folge dieser Betriebsprüfung: Gestern wurde sie am Amtsgericht Ingolstadt wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Schuldig in acht Fällen. Die Bewährungszeit wurde auf vier Jahre festgelegt. Zudem muss die Wirtin eine Geldbuße von 20000 Euro zahlen. In Teilen fließt das Geld in die Staatskasse, in Teilen an gemeinnützige Einrichtungen.

Auf die vor Gericht zur Verhandlung stehende Summe der Steuerschuld hatten sich die Verteidiger Jan Andreijtschitsch und Lars Firchau mit dem Vertreter der Staatsanwaltschaft München II, Staatsanwalt Thomas Böx, verständigt: Es waren den Ermittlungen der Steuerfahnder zufolge über die Jahre rund 350000 Euro.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Das Gericht hielt der Gastronomin zugute, dass sie letztlich ein vollumfängliches Geständnis abgelegt, die Steuerschuld im Vorfeld der Verhandlung vollständig beglichen hatte und zudem nicht vorbestraft war. Andernfalls, so Richter Veh, hätte es wohl keine Bewährungsstrafe gegeben. Dann hätte die 55-Jährige wohl ins Gefängnis gemusst. Ihre Anwälte hatten ein Jahr und vier Monate, der Staatsanwalt ein Jahr und zehn Monate gefordert. Jeweils auf Bewährung. Diese, so betonte Veh, sei aber bei der Summe der Steuerschuld die Ausnahme. Das gehe nur, wenn man – wie die Wirtin – gewisse Voraussetzungen erfülle.

Die Wirtshausbesitzerin hatte zur Tilgung der ausstehenden Summe Darlehen aufnehmen müssen. Veh begründete, warum sie zudem auch noch die Geldbuße von 20000 Euro leisten muss, denn deren Notwendigkeit schien sich der älteren Dame nicht vollständig zu erschließen. „Die Schadenssumme“, so Veh, „ist enorm. Das hat sich über Jahre hingezogen. Und sie haben sich in dieses Dilemma um des schnöden Mammons Willen gebracht.“

Die Steuerhinterziehung in der Gaststätte hatte System, wie die Steuerfahnder in einem sich über Jahre hinziehenden Verfahren in mühevoller Kleinarbeit herausfanden. Vereinfacht dargestellt waren regelmäßig sogenannte „Schwarzeinkäufe“ getätigt worden. Die Wirtin bestellte Waren, bekam dafür aber jeweils zwei Rechnungen. Eine fürs Finanzamt, eine – die mit der tatsächlich – eingekauften Summe für sich. Aus dem Gewinn, der mit den nicht angegeben Waren (zum Beispiel 1500 Brezn für das Catering einer Großveranstaltung) gemacht wurde, resultierte die Steuerschuld. Ein weiteres Verfahren wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt war im Zuge der Gerichtsverhandlung eingestellt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren