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Neuburg

11.09.2019

Wann kommt der Spielplatz in Neuburg-West?

Da wo eigentlich seit Frühjahr dieses Jahres der modernste Spielplatz der Stadt stehen sollte, macht sich derzeit nur eines breit: Wildwuchs.
Bild: Marcel Rother

Erst beschwerten sich Anwohner, nun stoppt eine Kostenexplosion das Prestigeprojekt. Wie es weitergeht und warum die Stadt nun selbst zur Schaufel greifen will.

Eigentlich hätten schon dieses Frühjahr Kinder auf dem neuen Spielplatz in Neuburg-West herumtollen sollen. Auf Kletterstämmen, mit freiem Blick nach Süden, umringt von essbaren Sträuchern und Blühwiesen. Der naturnah gestaltete Spielplatz galt mit seinem innovativen Konzept als Vorzeigeprojekt und sollte mit Kosten von 55.000 Euro der modernste Spielplatz Neuburgs werden. Das war der Plan, als das Projekt 2018 vom Bauausschuss euphorisch verabschiedet wurde. Passiert ist bislang nichts. Das einzige, was auf der vorgesehenen Fläche in die Höhe schießt, ist Unkraut.

Zuerst waren es Anwohner, die den Prestigebau verzögerten. Denn ein Spielplatz mag noch so schön sein, versperrt er den Anwohnern die Aussicht, regt sich Widerstand. Kern der Kritik: Der Spielplatz liege zu nah an der Wohnbebauung, zudem versperre ein geplanter Hügel mit Rutsche im Süden den Blick in die weitläufige Landschaft. Die Stadt zeigte sich kompromissbereit und plante den Spielplatz um. Landschaftsarchitekt David Riek, der bereits den ersten Entwurf für den Spielplatz in Zusammenarbeit mit dem Stadtbauamt und in Abstimmung mit den Anwohnern entwickelt hatte, machte sich an die Arbeit und verschob den Spielplatz nach Norden in Richtung einer bestehenden Wendeschleife. Der Knick im Süden entfiel, der Blick Richtung Südpark und Feldkirchen wurde frei, die Anwohner waren besänftigt. Das naturnahe Konzept, die Spielgeräte sowie die Gesamtfläche sollten erhalten bleiben und der Spielplatz im Herbst dieses Jahres fertig sein.

Spielplatz Neuburg-West: Der Baubeginn verzögert sich erneut

Doch auch daraus wird nichts mehr. Grund ist eine massive Kostensteigerung. Wie Riek in der Bauausschusssitzung am Mittwoch bekannt gab, hatten sich auf die Ausschreibung für die Landschaftsbauarbeiten lediglich zwei Firmen gemeldet und Angebote abgegeben. Diese waren mit 100.000 Euro und 104.000 Euro jedoch annähernd doppelt so hoch, wie bei der Kostenschätzung im Jahr 2018 veranschlagt. „Unbefriedigend ist sowohl die Anzahl der Bieter, als auch die damit verbundenen Ergebnisse“, fasste Riek zusammen. Eine Kostenanalyse mit aktuellen Marktpreisen hätte zwar ergeben, dass die Preise für den Bau von Spielplätzen seit Juni 2018 um 25 bis 40 Prozent angezogen haben. Damit käme der Spielplatz in Neuburg-West auf rund 79.000 Euro. Die aktuellen Ausschreibungsergebnisse liegen dennoch weit darüber.

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Daher sah der Bauausschuss nur eine Möglichkeit: die Reißleine ziehen. „Das sind absurde Resultate“, kommentierte Oberbürgermeister Bernhard Gmehling die Wucherangebote, die bei der Stadt eingereicht wurden. Entsprechend beschloss der Ausschuss, die Ausschreibung für die Arbeiten am Spielplatz aufzuheben. Im Gegenzug will die Stadt nun selbst zu Schaufel und Bagger greifen. „Wenn die Kosten so aus dem Ruder laufen, warum lassen wir das dann nicht unsere eigenen Leute machen?“, schlug Stadtrat Alfred Hornung vor. Gemeint waren die Mitarbeiter des Bauhofs und der Stadtgärtnerei. Die Idee fand Anklang im Gremium.

So soll aus dem Spielplatz Neuburg-West noch etwas werden

Die Mitarbeiter würden sich freuen, an großen Projekten wie diesem mitzuarbeiten, bestätigte Landschaftsarchitekt Riek aus Erfahrung. Die nötige Kompetenz sei auch vorhanden, ergänzte Hornung, und verwies auf die jüngst neu angelegte Grüninsel an der Luitpoldstraße samt Weg, Sitzbank und Kiesfläche. Lediglich bei groben Erdarbeiten, wie der Vorbereitung des Fundaments oder dem Modellieren großer Geländeflächen, sind der Stadt die Hände gebunden. „Dazu fehlen uns große Geräte wie Radlader“, erklärte Gmehling. In einem nächsten Schritt soll ausgelotet werden, welche Arbeiten tatsächlich in Eigenregie erledigt werden können und welche fremd vergeben werden müssen. Sobald das feststeht, sollen die verbleibenden Arbeiten erneut ausgeschrieben werden. „Zeitnah“, sagte Gmehling.

Neuburgs Dritter Bürgermeister Johann Habermeyer mahnte, sich bei der Umsetzung nicht allzu viel Zeit zu lassen. „Ich bin schon mehrfach angesprochen worden, wann der Spielplatz denn endlich kommt.“ Gerade in Neuburg-West würden viele Familien wohnen, deren Kinder in diesem Sommer zum Spielen auf die Straße ausweichen mussten. Denen habe er immer gesagt, der Spielplatz würde im nächsten Jahr fertig. Könnte klappen – es sei denn, es kommt wieder etwas dazwischen.

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