Soziales

12.07.2019

Wege aus der Sucht

Die Suchtambulanz feiert ihr 50-jähriges Bestehen (v. l.): Sozialpädagogin Sandra Stenner, Sozialpädagoge Daniel Matasic, Psychologin Elena Lindinger, Fachdienstleiterin Monika Gabler, Verwaltungsangestellte Maria Landes, Psychologe Dominik Sowa und Sozialpädagogin Stephanie Schönle.
Bild: Martin Guth/Caritas Ingolstadt

Seit 50 Jahren betreibt die Caritas eine Suchtambulanz in Ingolstadt. Dort finden nicht nur Abhängige Hilfe, sondern auch Angehörige

Sucht kann Leben zerstören – das war schon den Gründern des Diözesan-Caritasverbandes Eichstätt vor 100 Jahren bewusst. Nicht zuletzt deshalb setzte sich einer von ihnen, nämlich Benefiziat Joseph Pemsel, besonders für alleinstehende Männer in Ingolstadt ein. Doch erst in den 1960er Jahren waren die finanziellen Grundlagen geschaffen, um eine eigenständige Suchtberatungsstelle in Ingolstadt aufzubauen. Am 1. Juli 1969 – also vor 50 Jahren – nahm sie in der Seeholzerstraße 21 ihren Betrieb auf. 1975 zog das Angebot ins Piusviertel um und ist seit 1982 in der Caritas-Kreisstelle in der Jesuitenstraße zu finden.

Die Suchtambulanz, wie sie heute genannt wird, hat sich seit ihrer Gründung kontinuierlich weiterentwickelt. So bietet sie aktuell neben der Suchtberatung auch ambulante Behandlung und Nachsorge, Begleitbetreuung für substituierte Opiatabhängige und eine Fachbetreuung für Menschen mit einer Glücksspielproblematik an. Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in dem Team zusammen, das sich aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammensetzt. Neben Psychologen, Sozialpädagogen und einer Verwaltungskraft zählt eine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie dazu.

Diese Vielfalt sei wichtig, heißt es in einer Pressemitteilung der Caritas, denn die Sucht stelle sich nicht einheitlich dar. Zwar ist bei 56 Prozent der Klienten der Alkoholmissbrauch und bei rund 30 Prozent der Drogenkonsum das Hauptproblem, doch auch Menschen mit Glücksspielsucht, Essstörungen oder Internetabhängigkeit suchen die Beratungsstelle auf. Darüber hinaus leiden oft die Angehörigen unter der Krankheit der Betroffenen. Auch sie können bei den Beratern Hilfe finden. Die Menschen, die die Hilfe der Beratungsstelle in Anspruch nehmen, stehen meistens mitten im Leben. Wie die Statistik aus dem Jahr 2018 zeigt, sind zwei Drittel von ihnen Männer – oft Arbeiter, Angestellte oder Beamte zwischen 30 und 60 Jahren. Häufig löst ein Schicksalsschlag die Sucht aus, aber meistens kommt sie schleichend. „Ich habe immer gerne getrunken“, gibt ein 49-jähriger Mann zu. Doch als nach einer Scheidung und einer beruflichen Durststrecke Einsamkeit und Niedergeschlagenheit hinzukommen, entgleitet ihm der Konsum. Erst als er von seinem Chef auf seine Alkohol-Fahne angesprochen wurde, machte es „Klick“ bei ihm. Sofort vereinbarte er einen Termin bei der Suchtambulanz. Dieser Anruf bedeutete für ihn wie für viele andere den ersten Schritt aus der Abhängigkeit. In der Beratungsstelle konnte er sein Verhaltensmuster gezielt analysieren und überdenken. Gemeinsam mit den Mitarbeitern entwickelte er wirksame Strategien für den Alltag. Zudem lernte er in der wöchentlichen Motivationsgruppe andere Suchtkranke und deren Probleme kennen. „Ein besonderes Anliegen ist es uns, dass Betroffene sich frühzeitig Hilfe suchen“, erklärt die Fachdienstleiterin Monika Gabler. „Deshalb bieten wir regelmäßig Präventionsveranstaltungen an und möchten Menschen aus dem sozialen Umfeld die Scheu nehmen, auffälliges Verhalten anzusprechen“. Das vielfältige Angebot ist für die Klienten kostenlos. Finanziert wird es durch verschiedene Geldgeber.

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Der Bezirk Oberbayern, der Caritasverband für die Diözese Eichstätt und das Bistum Eichstätt tragen die allgemeine Beratung. Die Landesstelle für Glücksspielsucht in Bayern konzentriert ihre Unterstützung auf die Spielsucht. Für die Ambulante Reha oder Nachsorgemaßnahmen kommen die Deutsche Rentenversicherung und die jeweiligen Krankenkassen auf. „Die Kostenfreiheit trägt ganz entscheidend dazu bei, dass die Hilfe niederschwellig bleibt“, sagt Gabler. „Den Suchtkranken kostet der erste Anruf meist schon Überwindung genug.“

Die Suchtambulanz feiert am 28. Juli im Münster ihr 50-jähriges Bestehen. Die Messe, die Dekan Bernhard Oswald zelebriert, beginnt um 11 Uhr. In seiner Predigt wird er das Thema „Sucht“ aufgreifen.

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