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16.06.2009

Wenn der Pfarrer zum Unfall kommt

Ingolstadt/Neuburg Schlimme Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang sind leider die Regel. Neben der Hilfe vieler Rettungskräfte ist da mitunter auch geistliche Unterstützung gefragt. Nicht selten rückt dann das Neuburger Priesterehepaar Monika und Walter Last aus, um eine schwere Pflicht zu erfüllen.

Die Lasts sind die Dekanatsbeauftragten für Notfallseelsorge im evangelisch-lutherischen Dekanat Ingolstadt. In den verschiedenen Landkreisen ist die Notfallseelsorge zwar unterschiedlich organisiert, man arbeitet aber immer ökumenisch. Ein Priester ist damit rund um die Uhr erreichbar.

Vor Ort werden die Notfallseelsorger dann häufig mit Situationen konfrontiert, die für Unfallbeteiligte extrem belastend sind: plötzlicher Tod, furchtbare Verletzungen oder extreme Gewalterfahrungen an sich selbst oder anderen. Aber während körperliche Wunden schnell heilen können, ist das bei seelischen Verletzungen nicht so.

Notfallseelsorge muss vor allem schnelle Hilfe sein, betont Pfarrer Last, denn erwiesenermaßen sei Hilfe umso wirksamer, je schneller sie nach dem belastenden Ereignis kommt. Dabei gehe es nicht um Therapie, sondern in erster Linie darum, "zuzuhören". Von der normalen Seelsorge unterscheide sich Notfallseelsorge grundlegend, erläutert er. Eine angemessene Reaktion sei, für Betroffene da zu sein, behutsam körperlichen Kontakt aufzunehmen, Erzählungen zuzulassen, Orientierung anzubieten, Ruhe reinzubringen und Ressourcen abzuklären: "Stabilisierung ist das Gebot der Stunde!". Ganz wichtig sei es auch, Betroffenen Zeit und Raum zum Abschiednehmen zu ermöglichen. Gerade bei Unfällen sei dies eine entscheidende seelsorgerliche Maßnahme. Deshalb solle man auch dem Wunsch von Angehörigen entsprechen, die Opfer noch einmal sehen zu können. "Dadurch können Angehörige sofort mit der Trauerarbeit beginnen."

Wenn der Pfarrer zum Unfall kommt

Ureigene Aufgabe der Kirche

Für Walter Last ist die Notfallseelsorge unverzichtbar geworden. "Es ist eine ureigene Aufgabe der Kirche, da zu sein, wo Menschen Hilfe brauchen", sagt er und fügt hinzu: "Wir sollten nicht jammern, dass die Menschen nicht in die Kirchen kommen, sondern sollten dahin gehen, wo die Menschen sind und uns brauchen." Deshalb legt er seinen Amtskollegen auch ans Herz, sich für solche Notfallsituationen schulen zu lassen und regt auf Dekanatsebene Fortbildungen an.

Monika Last, die als Notfallseelsorgerin für die Feuerwehr Schrobenhausen im Einsatz ist, betont, dass alle Helfer "hoch motiviert sind" in der Hoffnung auf einen guten Ausgang. "Wir sind für die Menschen in Ausnahmesituationen da," sagt sie und verweist auf die hervorragende Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte.

Bei einer Pfarrkonferenz stellten die Notfallseelsorger ihre Arbeit vor kurzem dem Pfarrkapitel im Dekanatsbezirk vor. Jetzt hoffen die Aktiven, dass sich in Zukunft noch mehr Pfarrerkollegen beteiligen, damit die Rufbereitschaft kürzer wird. Besonders wichtig sei dabei jedoch eine umfassende Ausbildung, damit wirklich kompetent Hilfe geleistet werden könne.

Seit zwölf Jahren gibt es die Notfallseelsorge in Zusammenarbeit mit dem Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes in Ingolstadt.Pfarrer Köglmeier ist einer von drei Pfarrern, die über ein Notfallhandy Tag und Nacht erreichbar sind.

Nicht selten sind mehrere Einsätze an einem Tag zu bewältigen.

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