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Neuburg

04.08.2016

Wohin mit meinem Tier?

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2 Bilder
Hund Ridley mit Tierpflegerin Caro
Bild: Julia Sewerin

Die Pflegepension im Tierheim ist zur Ferienzeit immer voll. Es ist nur noch Platz für Notfälle. Dem Tierheimleiter macht allerdings etwas ganz anderes Sorgen.

Zur Urlaubszeit herrscht Hochsaison im Neuburger Tierheim. In der Pflegepension tummeln sich zeitweise bis zu 30 Hunde, bis zu 25 Katzen und allerlei Kleintiere wie Hamster Meerschweinchen und Vögel. Hin und wieder schaut auch ein Hängebauchschwein vorbei. Sogar ein Affe und ein Puma waren vor Jahren einmal zu Gast. Die ausgebuchte Pension ist aber nicht die größte Herausforderung, die Tierheimleiter Gerhard Schmidt beschäftigt.

„Die Pension ist grundsätzlich voll, aber wir haben immer Plätze für Notfälle“, berichtet Schmidt. Zur Ferienzeit kämen durchaus vermehrt Tiere ins Heim – aber nicht, weil sie einfach irgendwo ausgesetzt wurden. Das passiere nur noch selten. Hunde auszusetzen sei schließlich strafbar, erklärt er. Schon im Januar rufen die ersten an, um ihrem Liebling einen Platz in der Pension für die Sommerferien zu reservieren. Je nach dem, ob der Eigentümer Mitglied im Tierschutzverein ist oder nicht, und je nach Größe des Tieres, zahlt man für einen Hund zwischen zwölf und 20 Euro pro Tag, für eine Katze zwischen fünf und zehn Euro. Menschen, die überhaupt kein Geld haben, bekämen beim Tierheim in Ausnahmefällen auch Sonderkonditionen, so der Leiter. Er warnt davor, Haustiere bei fremden Privatpersonen unterzubringen: „Das kann für die Tiere zu einer Stresssituation werden.“ Und nicht nur für sie. Auch die neuen Besitzer, zum Beispiel Familien, deren Kinder sich über die Ferien einen Hund wünschen, seien mit einem ungewohnten Tier oft überfordert. Schmidt: „Wir bekommen dann verzweifelte Anrufe mit der Nachricht: Wir haben einen Hund in Pflege und jetzt ist er weggelaufen.“ Deshalb rät er, das eigene Haustier nur bei Freunden oder Bekannten unterzubringen – also bei Menschen, die man wirklich gut kennt.

Ein weitaus größeres Problem als die volle Pension während der Urlaubssaison ist Schmidts Ansicht nach jedoch ein anderes: Schon seit längerer Zeit würden zahlreiche Katzen frei herumlaufen, Jungtiere, die niemandem gehören. Tausende sind es laut Schmidt allein im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Und die Katzen würden sich rasend schnell vermehren – nicht mehr nur im Frühjahr und im Herbst, sondern das ganze Jahr über, erzählt der Tierheimleiter. Schmidt sieht hier jeden einzelnen Katzenbesitzer, aber auch Behörden und Gemeinden in der Pflicht. Die Eigentümer sollten ihre Katzen eigenverantwortlich kastrieren lassen und die Kommunen sollten – wenn es nicht anders geht – eine Kastrationspflicht anordnen, findet er. „Aber die Bürgermeister und Landratsämter scheuen sich“, sagt Schmidt. Eine Kastrationspflicht sei die einzige Möglichkeit, gegen das Problem flächendeckend vorzugehen. „Jeder muss für sein Tier – egal, ob männlich oder weiblich – Verantwortung übernehmen.“ Es sei nicht Aufgabe des Tierheims, all diese Tiere aufzugreifen und kastrieren zu lassen. Katzen, die einmal längere Zeit draußen gelebt hätten, könnten nicht mehr gezähmt werden und seien auch nicht als Haustiere weiter vermittelbar, erklärt Schmidt. Außerdem sei das Tierheim mit so vielen Kastrationen finanziell überfordert. Wer ein freilaufendes Tier füttere, sei dadurch automatisch für das Tier verantwortlich, mahnt der Tierheimleiter und appelliert damit vor allem an die Besitzer großer Bauernhöfe. Schmidt sieht die freilaufenden Katzen aber nicht nur aufgrund ihrer steigenden Anzahl als Problem an: Herumstreunende Katzen könnten Krankheiten übertragen und seien somit eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, sagt er.

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Norbert Kieslich, Leiter des Veterinäramts im Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen, schätzt die Situation anders ein. Genaue Zahlen könne er nicht nennen, doch aktuell gebe es nur eine einzige Kommune im Landkreis, die sich tatsächlich über zu viele Katzen im Ort beschwert habe. Den Namen der Gemeinde will der Veterinäramtsleiter nicht verraten. Eine Kastrationspflicht sei dort aber noch nicht ausgesprochen worden. Jetzt werde erst einmal geklärt, wie viele Bürger die Katzen wirklich als Problem empfinden, ob die Tiere Krankheiten übertragen oder sich gegenseitig verletzen. Die Kastrationspflicht, die dann jedoch nur für ein begrenztes Gebiet und nicht für den ganzen Kreis gelte, sieht Kieslich als letzte Lösung an – nur, wenn andere Maßnahmen nicht wirken. So wolle er lieber erst einmal mit den Menschen reden – Aufklärungsarbeit leisten –, sodass sie sich um ihre Tiere selbstständig kümmern. Eine Kastrationspflicht sei schließlich ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Eigentümer.

Laut Kieslich wurde im ganzen Landkreis bisher noch nie eine Kastrationspflicht verhängt. In ganz Bayern sei ihm keine einzige Kommune bekannt.

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