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Fluggesellschaft

03.06.2020

Manager Carsten Spohr ist ein Lufthansa-Chef auf Schrumpfkurs

Carsten Spohr ist ein hartnäckiger Manager mit einnehmendem Lächeln.
Bild: Arne Dedert, dpa

Carsten Spohr ist ein hartnäckiger Manager und hat sich im Lufthansakonzern Sympathien erworben. Nun muss er in der Krise mit dem Staat als Aktionär klarkommen.

Carsten Spohr kann wirklich einnehmend lächeln. Und ist er nicht ein oberster Lufthanseat wie aus dem Bilderbuch mit breiten Schultern, grau meliertem vollen Haar, klarem Blick, weißen Zähnen, buschigen Augenbrauen, festem Händedruck, kerniger Statur und seinem hartnäckigen Festhalten an Krawatten, die andere Manager, um jünger und lockerer zu erscheinen, längst verbannt haben?

Allrounder Carsten Spohr ist selbst gelernter Pilot

Wenn sich einer wie Spohr mit Pilotenmütze vor dem Abheben der Maschine den Passagieren präsentieren würde, könnte das zu einem deutlichen Absinken des Flugangst-Levels beitragen. Der 53-jährige Konzernchef ist gelernter Pilot und Inhaber der Lufthansa-Kapitäns-Lizenz für Flugzeuge der Airbus-A320-Familie. Er hat sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. Als Topmanager steuert Spohr natürlich keine Linienflugzeuge. Er bestimmt vielmehr seit 1995, als er Referent des Vorstandsvorsitzenden wurde, den Konzern-Kurs mit, ab 2014 in der Funktion des Chefs.

Spohr neigt zur guten Laune und beweist Humor. Als er einmal gefragt wurde, was ihn als Student des Wirtschaftsingenieurwesens gestört habe, meinte er: „Der Frauenmangel.“ Es erschien ihm hart, in der schönsten Zeit des Lebens fast nur unter Männern gewesen zu sein. Der Konzentration muss das nicht abträglich gewesen sein: Der Mann aus Wanne-Eickel im Ruhrgebiet glänzte mit einem Einser-Examen.

Welche Herausforderung dem Lufthansa-Chef bevor steht

Spohr ist jedoch kein Überflieger, sondern ein Mensch, der hartnäckig und das mit Freude arbeitet. Studenten riet er einmal: „Suchen Sie sich einen Job, der Ihnen Spaß macht.“ Denn Spaß sei nichts Schlimmes im Beruf, es sei das Wichtigste. Doch die gute Laune des Lufthansa-Chefs wird von Jahr zu Jahr auf härtere Proben gestellt. Es ist zu beobachten, dass Spohr bei Auftritten zunehmend ernster wirkt, sein einnehmendes Lächeln seltener aufscheint. Letztlich war es der 24. März 2015, der sein Leben verändern sollte. Seit damals ein Co-Pilot eine Maschine des Konzerns auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf vorsätzlich gegen einen Berg steuerte, was allen 150 Insassen das Leben kostete, beginnt für Spohr eine neue Zeitrechnung. Er duckte sich nicht weg, was gut ankam, ihn aber nicht vor Kritik von Angehörigen der Opfer bewahrte.

Angesichts eines solchen Dramas scheinen andere Widrigkeiten wie nicht enden wollende Verhandlungen mit auf Privilegien beharrenden Piloten als eher leichte Prüfung. Und eine gigantische Herausforderung steht Spohr nun bevor: Er muss die Airline schrumpfen, was Flugzeuge wie Mitarbeiter betrifft – und das auch noch mit dem Staat als Anteilseigener. Ob der Manager dann im Konzern überwiegend beliebt wie jetzt bleibt, ist fraglich. Wenn er tausende Arbeitsplätze abbaut, was ihn emotional als überzeugten Lufthanseaten sicher stark belastet, wird für ihn sein größtes Hobby, die Familie, seine Frau und die beiden Töchter, als Kraftzentrum noch wichtiger.

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