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Mecklenburg-Vorpommern erwägt Abschaffung der Maskenpflicht

Oettingen

30.03.2016

100 neue Nachbarn

Mehr als 100 Flüchtlinge leben derzeit im ehemaligen Schwesternwohnheim in Oettingen. Angedacht war das Gebäude ursprünglich mal als sogenannte Not-Unterkunft. Mittlerweile ist das Haus ein ganz reguläres Asylbewerberheim, eine dezentrale Einrichtung.
Bild: Jan Kandzora

Das ehemalige Schwesternwohnheim in Oettingen ist die größte Asyl-Unterkunft der Stadt. Die Anwohner gehen gelassen mit der Situation um, auch wenn es manchmal hakt.

Die Zeugen Jehovas sind nicht mehr willkommen. Die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft haben Hausverbot im ehemaligen Schwesternwohnheim in Oettingen. „Sollten Sie noch einmal das Haus betreten, werden die Bewohner die Polizei rufen“, so steht es unmissverständlich auf einem Zettel an der Eingangstür an die Adresse der Gemeinschaft gerichtet. Offenbar gab es in der Vergangenheit ein paar Probleme, Konflikte. Das allerdings ist hier eher die Ausnahme.

Im vergangenen Jahr wurde aus dem Gebäude ein Asylbewerberheim. Erst hatte es den Status einer sogenannten Notfallunterkunft, formell lediglich für eine Dauer von drei Monaten angelegt, dann wurde es eine reguläre Unterkunft. Zu Beginn kamen die Flüchtlinge im Erdgeschoss unter, dann zogen weitere Asylbewerber in die Räume im ersten Stock und zweiten Stock. Erst lebten zehn Menschen in dem Wohnheim, dann 30, dann 60, heute sind es 105. Um die 100 neue Nachbarn: Das alleine würde oft schon ausreichen, um Spannungen zu erzeugen. In Oettingen kommt hinzu, dass das Gebäude mitten in einem Wohngebiet liegt: eine ruhige Lage, trotz der direkten Nachbarschaft zum Krankenhaus. Schwerwiegende Konflikte sind bislang dennoch nicht ausgebrochen. Krankenhaus, Polizei und Landratsamt berichten, es gebe bei der Unterkunft keine bemerkenswerten Auffälligkeiten. „Es gibt keine Beschwerden“, sagt auch Bürgermeisterin Petra Wagner. „Alles läuft glatt.“

Stimmt das in dieser Absolutheit? Stippvisite vor Ort, bei den Nachbarn. Als die ersten Bauarbeiter anrückten, um das Wohnheim für Asylbewerber vorzubereiten, zeigten sich einige Anwohner auf Nachfrage unserer Zeitung zwar nicht gerade begeistert, aber auch nicht ablehnend. Und jetzt, gut ein Jahr später? Nun steht Hans Seiler vor seinem Haus, zeigt auf die Straße und sagt: „Da muss man natürlich furchtbar aufpassen.“ Er meint die Szene, die sich vor dem ehemaligen Wohnheim abspielt: Flüchtlingskinder, die dort im Bereich einer Kurve spielen, auf Tretrollern umherdüsen oder auf kleinen Fahrrädern in die Pedale treten. Sie tun, was Kinder eben so tun, und Seiler hat Verständnis dafür. „Aber es ist auch gefährlich“, sagt er, „und nur eine Frage der Zeit, bis mal ein Unfall passiert.“

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Seilers Haus steht direkt neben der Asylbewerberunterkunft, er kennt das Gebäude gut. Der 73-Jährige hat dort gelehrt, als er noch berufstätig und Chefarzt des Krankenhauses war. Probleme mit den Flüchtlingen hat er nicht. Doch die Sache mit den oft auf der Straße umhertollenden Kindern bereitet ihm Sorgen. Und zudem machten die mehr als 100 neuen Nachbarn zuweilen ziemlichen Lärm.

Ein weiterer Anwohner, Christian Zuber, sieht die Situation mit den spielenden Kindern auf der Straße zwar „nicht dramatisch, aber auch nicht gerade ideal“, wie er sagt. Und ja, es sei zuweilen laut. Dennoch habe sich insgesamt wenig geändert, seit die Flüchtlinge da sind. Wirkliche Probleme gebe es bisher nicht, und generell biete sich das Gebäude schon an als Unterkunft für Asylbewerber. „Ich finde auch in Ordnung, dass sie in einem Wohngebiet liegt“, sagt Zuber. Er erzählt davon, dass er und seine Frau ab und an Kontakt zu einer Familie aus der Unterkunft haben, zu einer syrischen Christin mit ihren Kindern. Manchmal sehe man sich in der Kirche oder treffe sich zum Tee.

In der Unterkunft selbst hängen Info-Zettel im Gang aus, einer ermahnt die Kinder, nicht in fremden Gärten zu spielen. In den Räumen im Erdgeschoss stehen Stockbetten. Die fünfköpfige Familie des Afghanen Mohammad Ali Noor lebt in zwei überschaubaren Zimmern, die durch eine Tür miteinander verbunden sind. Es sei nicht übel hier in der Unterkunft, sagt er auf Englisch, „it’s not bad here“. Aber alles sei sehr eng, sehr klein. Und außerdem sehr laut, bei all den Menschen, all den Nachbarn in dem Heim.

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Die Diskussion ist geschlossen.

31.03.2016

Zeugen jehovas wittern in den Flüchtlingen ausnahmslos fette Beute. Neue Mitglieder rekrutieren da jeder einzelne Mensch einen finanziellen Mehrwert für diesen amerikanischen Bücherverlag, der sich zu einer Religion aufblässt, darstellt. Flüchtlinge sind traumatisiert und suchen Anschluß und sind daher ein begehrtes Opfer. Kaum ein normal denkender Mensch sucht freiwillig den Weg zu einem abtrünnigen Sektengründer wie es CT Russel 1880 war. Daher ist es mehr als lästig wenn vor Edeka, in der Einkaufszone, oder im trauten Heim versucht wird mich weg von Jesus, hin zum gebastelten Gott jehova zu bewegen. Zeugen jehovas sollen mal anfangen ihren Glauben zu hinterfragen. Dann werden sie ihr blaues Wunder erleben. Aber sie dürfen ja nicht der Geschichte der wtg tiefgründig wühlen und erst nicht Kritik üben. Warum wohl ??? Bin auf den Shitstorm eifriger Zeugen gespannt. Aber Leute ich weiß es besser. War 20 Jahre dabei ;-) jetzt bin ich ein pöser Abtrünnger. :-)

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30.03.2016

Wer ist laut ? Der Rasenmäher vom Nachbarn oder der Landsmann vom Nebenzimmer? ? Ich denke wenn ich dem Hass und dem drohenden Tod entkommen bin dann nehme ich alles in kauf , auch die vielbefahrene siedlungsstrasse des Oettinger Nordens

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30.03.2016

Jetzt würde mich aber brennend interessieren, wer ein solches Verbot initiiert hat. Die Asylanten mit Sicherheit nicht. Gegen welche Interessen haben Jehovas Zeugen denn hier verstoßen? Wem gehört dieses Gebäude? Der katholischen Kirche ? Na dann wäre ja der Grund für das Hausverbot schon völlig klar. Die religiöse Konkurrenz soll auf Distanz gehalten werden.

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30.03.2016

Bemerkenswert, dass nicht religiöse Missionierung untersagt wurde, sondern Zeugen Jehovas nicht willkommen sind.

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30.03.2016

Ein großer Vorteil der Zeugen Jehovas; die sind sehr ruhig, kosten nichts und wenn man ihnen freundlich erklärt, dass kein Interesse besteht gehen Sie einfach :-)

Ein Schelm der böses dabei denkt.

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30.03.2016

@ Waldemar Hirsch: Hausieren ist allgemein verboten. Die Sektenmitglieder Jehovas Zeugen sind still, freundlich aber aufdringlich beim Hausieren. Es geht hier um die Religionsfreiheit.

In der Schlosstrasse in Oettingen stehen sie täglich still lächelnd, freundlich und unaufdringlich. Das ist doch in Ordnung - denn wer will, der kann sich ja mit den Jehovas Zeugen unterhalten - muss aber nicht.

Hier im Internet sind ALLE Blogs religiösen Inhalts - egal ob Sekte, evangelisch, katholisch, Freikirche usw. - vermutlich erlaubt. Man muss ja nicht lesen - an der Haustüre kann man sie kaum abwimmeln, darum " Hausieren ist verboten" . . .

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30.03.2016

Man kann sie kaum "abwimmeln"? So kenne ich das aber nicht. Außerdem sei die Frage erlaubt, wer denn hier diese Bestimmung eines Missions- und Hausverbots erklärt und eingeführt hat? Sollten die Flüchtlinge hier nicht mitsprechen dürfen? Ich denke weiterhin die Kirche hat das aus "konkurrenztechnischen" Gründen initiiert. Würde mich nicht wundern, da die Kirche als Eigentümer von soviel Grund und Boden und Gebäuden dieses Gebäude an den Staat vermietet hat. Und dann einfach weiterhin als Hausherr mit Verweisungsrecht auftritt.

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31.03.2016

Hier, ich kann die "brennende" Neugier stillen ;o):

Der Begriff "Schwesternwohnheim" bezieht sich hier darauf, dass dort früher die Krankenschwesterschülerinnen während ihrer Ausbildung gewohnt haben, also keine Ordensschwestern. Das Oettinger Krankenhaus gehört zum Klinikverbund des Landkreises und hat damit erstmal nix mit irgendeiner kirchlichen Institution zu tun.

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30.03.2016

Für die Flüchtlinge muss das Ankommen in Oettingen, dieser liebenswerten Stadt im Nördlinger Ries - nach dieser langen Odyssee - ein kleines Stück vom Paradies sein.

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30.03.2016

Paradies? Herr Noor hat offensichtlich noch nicht Ihre rosa Brille bekommen.

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Die fünfköpfige Familie des Afghanen Mohammad Ali Noor lebt in zwei überschaubaren Zimmern, die durch eine Tür miteinander verbunden sind. Es sei nicht übel hier in der Unterkunft, sagt er auf Englisch, „it’s not bad here“. Aber alles sei sehr eng, sehr klein. Und außerdem sehr laut,...

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Auch aufschlussreich, dass das Lärmproblem sowohl bei Bewohnern als auch Nachbarn erkannt wird.

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30.03.2016

Peter P. müssen Sie immer ein "Miesepeter" sein? Können Sie nicht mal Ihr Denken umbauen - Ihre Sichtweise verändern? Lernen Sie die Menschen kennen, machen Sie sich vertraut mit ihnen.

Die Welt verändert sich, auch wir müssen uns verändern. Wer sich nicht verändert, der ist längst gestorben.

Ja natürlich gibt es da wieder Leben in Hülle und Fülle. Das Schwesternhaus stand lange Zeit leer und würde bestimmt irgendwann als unbewohnbar abgerissen.

Die Nachbarn (gleich nebenan steht das Haus von Dr. Seiler, dem ehem. Chefarzt) stellen ganz einfach nur fest - machen sich aber gleichzeitig Sorgen, dass den spielenden Kindern nichts passiert.

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30.03.2016

Wenn ich meine Sichtweise ändere ist es dort nicht mehr so laut???

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Es ist halt einfach etwas lahm, wenn man Probleme einfach stehen lässt und aus einer gemeinsamen Berurteilung keine Verbesserung erzielen will.

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