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Tiere

10.11.2017

Abschussgenehmigungen im Kreis für Biber werfen Fragen auf

Gemeinden dürfen den Biber nun abschießen lassen.

Jäger haben angesichts der Neuerung Bedenken. Der Kreisobmann der Bauern erhofft sich nicht

Seit vergangener Woche ist es amtlich: Erhalten Kommunen vom Landratsamt eine Abfanggenehmigung für Biber, dürfen sie wählen, ob sie das Tier mit einer Falle fangen oder per Abschuss erlegen lassen (wir berichteten). Bisher konnten die Gemeinden die Biber nur mittels Lebendfallen fangen und beim Landratsamt abgeben. Den Biber vor Ort und ohne Falle zu erlegen, wurde nur im Einzelfall genehmigt.

Vielerorts sorgt der Nager für Ärger. Seine Burgen verursachen Überschwemmungen auf landwirtschaftlichen Flächen, im Forst oder setzen technische Bauwerke außer Kraft. Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands im Donau-Ries, Karlheinz Götz, erwartet „nicht zu viel“ von der Neuerung. Ob die Möglichkeit des Abschusses wirke, werde sich in der Praxis zeigen. „Es müssen weniger Biber im Donau-Ries werden“, sagt er. Mit welchem Mittel das erreichte werde, sei zweitrangig. Bisher hätten zahlreiche Auflagen, Präventionsmaßnahmen und Regularien zu Schwierigkeiten und einem „viel zu großen Verwaltungsaufwand“ für betroffene Gemeinden geführt.

Skeptisch zeigen sich auch die Verantwortlichen der beiden Jagdverbände im Kreis. Sowohl Robert Oberfrank, Vorsitzender des Jagdverbands Donauwörth, als auch Ralf Stoll, Sprecher des Kreisjagdverbands Nördlingen, weisen auf ungeklärte Fragen hin. Oberfrank stellt klar, dass ausgeschlossen werden müsse, dass „Fremde“ beauftragt werden, im Revier eines Jägers den Biber zu erlegen. Auf eine Anfrage der Rieser Nachrichten antwortet das Landratsamt Donau-Ries, dass ein Abschuss nur im „Benehmen“ mit dem zuständigen Revierjäger erfolge. Im Klartext bedeutet der juristische Begriff „Benehmen“ in diesem Zusammenhang wohl, dass der Revierjäger zwar informiert werden muss, seine Meinung einbringen kann, sein Einverständnis aber nicht unbedingt notwendig ist. Grundsätzlich sei es Sache der Gemeinde, einen Jäger zu finden, der „bereit ist und die erforderliche Sachkunde besitzt, um den Abschuss durchzuführen“. Dieser müsse der Behörde gemeldet werden, werde im Genehmigungsbescheid genannt und sei der Einzige, der den Abschuss durchführen darf. Doch schon bei Lebendfallen sei die Kommunikation mit den Jägern schlecht gewesen, bemängelt Oberfrank. Oft wüssten Revierjäger nicht Bescheid, wenn Fallen in ihrem Revier gestellt werden. Das Landratsamt entgegnet darauf, das sei Sache der jeweiligen Gemeinde, weil diese die Falle im genehmigten Areal bewegen könne.

„Jäger müssen Rechtssicherheit haben“, fordert Ralf Stoll, Sprecher des Nördlinger Jagdverbands. Grundsätzlich sei der Biber erstens streng geschützt, zweitens nicht Gegenstand des Jagdrechts. Folglich gebe es „nicht viel Erfahrung in der Jägerschaft“ im Umgang mit diesem Tier. Außerdem hat er praktische und moralische Bedenken. Er teilt die Bedenken von Volker Geiß, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, hinsichtlich des Nachsuchens eines angeschossenen Tieres. Da sich der Biber fast ausschließlich im Gewässer oder dessen Nähe befinde, sei es schwierig, mit Sicherheit garantieren zu können, ob man das Tier nach dem Schuss finden und ein langsames Verenden ausschließen könne. Stoll weist daraufhin, dass dies nicht nur ein rechtlicher Faktor sei, sondern auch eine „waldgerechte und moralische Frage“. Insbesondere unter diesem Gesichtspunkt sei „die Fallenjagd die zielführendste Möglichkeit“, sagt Stoll. Dies deckt sich mit der Haltung des Landratsamts, das den „Fallenfang nach wie vor für die effektivere Methode“ hält. Das Landratsamt erklärt, es sei die Auffassung einzelner Bürgermeister gewesen, dass die Möglichkeit des Abschusses anstelle des Abfangens eine Entlastung darstelle. In anderen Landkreisen seien Gemeinden bei ähnlichen Sachverhalten nach anfänglicher „Euphorie“ häufig zum Fallenfang zurückgekehrt.

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