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Oettingen

11.02.2020

Alles begann mit Kalb "Mausi" - jetzt forscht eine 13-Jährige mit 93 Rindern

Louisa Zajitschek hat Rindern Fotos von ihren Herdenmitgliedern und von Menschen gezeigt. Erstaunlich war für sie: Mutterkühe erkennen ihre Kälbchen, selbst wenn sie kurz nach der Geburt von ihnen getrennt werden.
Bild: Grimmeißen

Plus Die AEG-Schülerin Louisa Zajitschek wollte wissen, ob Kühe ihre Herdenmitglieder auf Fotos erkennen. Mit ihrem Projekt tritt sie bei „Jugend forscht“ an.

Sie hat nicht die Absicht, einen großen Preis zu gewinnen – aber sie möchte das Thema Landwirtschaft, die Abläufe und den Umgang mit Tieren auf einem Bauernhof allgemein bekannt machen. 13 Jahre ist Louisa Zajitschek alt, Schülerin der Klasse 7a am Albrecht-Ernst-Gymnasium (AEG) in Oettingen. Und sie nimmt am europaweit größten Jugendwettbewerb im Bereich Naturwissenschaften und Technik, „Jugend forscht“, teil.

Die ganze Geschichte beginnt mit einem Kalb, das vor zwei Jahren auf einem Bauernhof in Wassertrüdingen zur Welt gekommen ist. Seit Louisa ein kleines Kind ist, kennt sie den Hof. Das Mädchen und ihre Eltern holen dort wöchentlich ihre Milch. Als das Kalb, das später den Namen „Mausi“ erhielt, geboren wurde, hat man es, wie gewöhnlich, von seiner Mutter getrennt.

Die Mutterkuh hatte fortan die Aufgabe, Milch für den Bauern zu geben, die er im Anschluss weiterverkauft. Louisa besuchte damals den Hof jeden Tag, um das kleine Jungtier zu füttern. Mehr und mehr interessierte sie sich für die Tiere und deren Alltag. Der tägliche Gang zum Bauernhof wurde für sie zu einem Hobby, das sie auch jetzt mit großem Engagement fortsetzt, obwohl ihr Kalb bereits gestorben ist.

Alles begann mit Kalb "Mausi" - jetzt forscht eine 13-Jährige mit 93 Rindern

13-Jährige Schülerin aus Wassertrüdingen forscht mit Kühen

Korbinian Sterner, Biologielehrer des AEG, ist auf die Freizeitbeschäftigung von Louisa aufmerksam geworden, als sie ihm in den Biounterricht einen ausgefallenen Kuhzahn mitbrachte. Gemeinsam mit ihrem Lehrer ist die Siebtklässlerin auf unterschiedlichste Studien zum Thema „Sozialverhalten von Rindern“ gestoßen, weshalb sie zu dem Entschluss gekommen ist, selbst eine zu erstellen. Sie wollte eine Antwort auf die Frage, ob Rinder ihnen bekannte Lebewesen anhand von Fotos wiedererkennen können und ob sie bei ihnen unbekannten Tieren anders reagieren.

Bei ihrem Projekt untersuchte die 13-Jährige außerdem die Reaktion von Mutterkühen auf ihre Kälber, ob sogenannte Ammenkühe auf fremde Kälber anders reagieren als auf ihre eigenen und ob die Jungtiere ihnen bekannte Menschen anhand von Bildern wiedererkennen können. Beim Test der Reaktion auf Personen unterschied sie zwischen Kälbern in Gruppen- und in Einzelhaltung.

Hier entstand eine wunderbare Freundschaft, die zwei Jahre später weitreichende Folgen hat: Louisa mit ihrem Kalb Mausi.
Bild: Corinna Grimmeißen

Die Gymnasiastin hat die Tiere von vier verschiedenen Bauernhöfen abfotografiert und deren Köpfe ausgeschnitten und auf orangenem Hintergrund platziert. In ihrer elfseitigen Niederschrift zur Studie für den Wettbewerb hat sie jede Handlung anhand von Recherchen oder weiteren Studien begründet. Beispielsweise verwendete sie die spezielle Hintergrundfarbe, weil Rinder auf diese Konstellation besonders intensiv reagieren würden. Den Blickwinkel, aus dem Louisa den Tieren die Fotos zeigte, analysierte sie anhand des Sehverhaltens der Stalltiere.

Sie selbst war zum Teil von den Ergebnissen überrascht, auch wenn manche ihrer Vermutungen mit den Befunden übereinstimmten. „Erstaunlich war für mich vor allem, wie intensiv die Rinder auf ihnen bekannte Herdenmitglieder reagiert haben. Sie haben ihre Beziehung zum Tier auf dem Bild eindeutig durch Ablecken des Fotos oder durch Schnüffeln und Fixieren deutlich gemacht“, sagt die Schülerin über ihr Ergebnis zur ersten Frage. „Auf unbekannte Tiere haben die Kühe zum Teil aggressiv reagiert oder kein Interesse gezeigt.“

Jugend forscht: Schülerin nimmt bei Regionalwettbewerb teil

Aufgrund vorheriger Recherchen glaubte die Wassertrüdingerin nicht daran, dass Mutterkühe, von denen das Kalb nach der Geburt getrennt wurde, ihr Junges nach einigen Monaten wiedererkennen würden. Ihre Testreihe bewies das Gegenteil. Zajitschek sagt: „Die Kühe bauen vermutlich bereits innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Geburt eine solch enge Bindung zu ihrem Kalb auf, dass sie es jederzeit ohne Probleme wiedererkennen würden.“

Die Ammenkuh, die nicht nur ihre eigenen Kälber ernährt, sondern auch fremde Tiere, habe bei jedem Kalbfoto aufmerksam reagiert. Auch der dritte Versuch zeigte ein unerwartetes Ergebnis: Alle Kälber, unabhängig von deren Haltung, hätten die ihnen bekannte Person auf dem Foto erkannt, jedoch nicht den Abzug eines unbekannten Menschen. Für ihre Studie hat das Mädchen über einen Zeitraum von drei Monaten mit insgesamt 93 Rindern gearbeitet. Mit dem Projekt hat die Oettinger Schülerin am 19. Februar in Augsburg bei der Siegerehrung des Regionalwettbewerbs die Chance, in der Juniorensparte „Schüler experimentieren“ das Rennen für sich zu bestimmen und in den Bundeswettbewerb einzuziehen.

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