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Wirtschaft

03.04.2017

Bäckerei: Eine Tradition endet

Bäckermeister Heinrich Fischer (ganz rechts) geht in den Ruhestand. In der Mitte seine Frau Monika, links Hohenaltheims Bürgermeister Wulf-Dietrich Kavasch.
Bild: Woerlen

Bäckermeister Heinrich Fischer geht in den Ruhestand. Die Semmeln und Brezeln für die Hohenaltheimer backt künftig ein Nördlinger Betrieb.

Zuerst die gute Nachricht: Es wird in Hohenaltheim weiterhin frische Semmeln, Bretzeln, Brot und sonstiger Backwaren aus handwerklicher Herstellung geben, auch wenn Bäckermeister Heinrich Fischer zum April 2017 in den Ruhestand ging. Die Bäckerei Haußer, Nördlingen, wird den Laden als Filiale offenhalten, und auch die mobilen Verkaufsstellen von Forheim bis Appetshofen sollen erhalten bleiben. Die Einschränkung: Nur werktags von 6 bis 13 Uhr werden die Kunden bedient und – auf Gegenseitigkeit– mit den neuesten Dorfnachrichten versorgt.

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„Symptomatisch für die Entwicklung im ländlichen Raum“ nennt Bürgermeister Wulf-Dietrich Kavasch diesen Vorgang: Nicht nur ein pünktlicher Gewerbesteuerzahler, sondern auch ein Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb fällt weg, für eine Gemeinde von knapp 600 Einwohnern ein spürbarer Verlust. 25 Jahre lang waren die Eheleute Heinrich und Monika Fischer – er als Bäckermeister, sie als ausgebildete Bäckergehilfin, beide unterstützt von Schwester und Schwager – in der eigenen Backstube aktiv, als Nachfolger von Vater Fischer, der sie seinerseits 1956 von seinem Patenonkel übernommen hatte. Seit 1900 war die Bäckerei unter dem Namen Ulrich im Haus Kirchstraße 2 betrieben worden.

Stolz und wehmütig präsentieren die Fischers noch die gute technische Ausstattung, für die es nun keine Verwendung mehr gibt. Sie berichten von aufregenden Zeiten, als „der Chef“ am Herzen operiert werden musste und die Chefin mit Kollegenhilfe den Betrieb aufrechterhalten musste. Die gesundheitlichen Gründe waren letztlich neben der familiären Situation entscheidend für den Schlussstrich, der jetzt gezogen wurde. Die gute Lage an der Staatsstraße hat noch ansatzweise über die Änderungen im Verbraucherverhalten hinweggeholfen, aber Pizza und Junkfood machen sich zunehmend bemerkbar, und die Nachfrage nach Kuchen und Torten war früher auch größer. Hinzu kommt die Konkurrenz durch Billiganbieter mit importierten Teiglingen.

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„Das Schönste an meinem Berufsleben war der Kontakt mit den Kunden und das Bewusstsein, wirkliche Bedürfnisse korrekt zu befriedigen“, zieht Heinrich Fischer Bilanz. Jetzt werden es die Fischers genießen, nicht mehr mitten in der Nacht aufstehen zu müssen und mehr am „normalen Leben“ teilnehmen zu können. Monika Foscher will erst einmal tief Luft holen und sich dann nach einer Tätigkeit im Nahrungsmittel- oder Küchenbereich umschauen, und Heinrich Fischer will die neue Tageseinteilung für sportliche Aktivitäten nutzen und schauen, was sich sonst im Dorf tut.

Langweilig wird es den beiden nicht werden.

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