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Landkreis

13.02.2018

Bangen vor der Afrikanischen Schweinepest

Konrad Kloning hält auf seinem Hof in Breitenlohe bei Oettingen 240 Bio-Schweine. Er befürchtet, dass die Afrikanische Schweinepest sich auch bald in Deutschland ausbreiten könnte.
Bild: René Lauer

In Osteuropa breitet sich das aus Afrika stammende Virus immer weiter aus, Experten befürchten auch Fälle in der Region. Was das für die Tiere und die Landwirte bedeuten würde.

Es ist noch kein Jahr her, dass Landwirte im Ries ihr Geflügel hinter verschlossenen Gattern halten mussten. Die Vogelgrippe machte sich in Deutschland breit und Behörden waren gezwungen, zu reagieren. Jetzt droht Schweinen ein ähnliches Schicksal.

Die Afrikanische Schweinepest ist in Osteuropa auf dem Vormarsch. Das Virus, das 2007 zum ersten Mal in Europa registriert wurde, hat in Russland, der Ukraine und Litauen schon Tausende Wild- und Hausschweine getötet. Seit einigen Monaten werden auch zunehmend Fälle in Polen und Tschechien registriert, wie das Friedrich-Löffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, dokumentiert. Fieber, Atembeschwerden, Durchfall oder Blutungen seien mögliche Symptome, nach wenigen Tagen verlaufe eine Erkrankung für die Schweine tödlich. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich.

Bedenklich ist es trotzdem. Experten gehen davon aus, dass bald erste Fälle in Deutschland auftreten werden. Besteht die Gefahr, dass sich die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch im Landkreis ausbreitet? Dr. Thomas Kellner, Leiter des Veterinäramtes am Landratsamt Donau-Ries, sagt: „Wann und wo sie auftritt, kann nicht vorhergesagt werden.“ Mit einem Ausbruch in Deutschland müsse aber gerechnet werden.

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Deswegen ist man im Landkreis bereits bemüht, Landwirte und Jäger zu informieren, wie kürzlich auf dem Schwarzwildforum. Denn die Schweinehalter in der Region sind besorgt um ihre Tiere, für sie hätte ein Ausbruch der Seuche in der Region weitreichende Folgen.

240 Schweine leben auf dem Bio-Hof von Konrad Kloning in Breitenlohe bei Oettingen. Einige der Tiere haben es sich im Innenbereich des Stalls gemütlich gemacht, andere sonnen sich draußen im Stroh. Mithilfe einer Schwingtüre, die die Schweine selbst bedienen können, gelangen sie von einem Bereich in den anderen. Sollte ein Fall der ASP bei einem Wildschwein in der Region registriert werden, dürfte sich das allerdings erledigt haben. Denn dann würde ein sogenannter gefährdeter Bezirk ausgerufen, der einen Mindestradius von 15 Kilometern um die Ausbruchsstelle umfassen würde. Die Freiland- und Auslaufhaltung würde dann beschränkt, ähnlich wie vergangenes Jahr bei der Vogelgrippe müssten die Tiere abgeschirmt werden. In einer weitläufiger angelegten Pufferzone würde bei Bedarf gleichzeitig der Schwarzwildbestand reduziert, wie das Landratsamt mitteilt. Welche Folgen es hätte, wenn seine Schweine nicht mehr nach draußen dürften, sei schwer abzuschätzen, meint Kloning. Seine Schweine seien regelmäßigen Auslauf gewohnt, wenn der Außenbereich nicht mehr benutzt werden dürfte, falle ein Quadratmeter Stallfläche pro Tier weg – fast die Hälfte des gesamten Platzes.

Kloning befürchtet, dass der Virus sich auch in Deutschland ausbreitet. Für manche Schweinemasten und -züchter drohe dann der finanzielle Ruin. „Die Nachfrage würde extrem zurückgehen. Wer kauft denn dann noch Schweinefleisch, auch wenn es ungefährlich ist?“, fragt der Landwirt. Befinde man sich mit seinem Hof im Sperrbezirk, sei es wegen zahlreicher Auflagen ohnehin kaum noch möglich, Schweine zu schlachten oder zu handeln. Erkranke ein Tier auf einem Hof, müssten der gesamte Bestand gekeult werden, erklärt Veterinär Thomas Kellner.

Viele Vorbereitungen könne er nicht treffen, um seine Tiere zu schützen, sagt Kloning. Im Außenbereich will er den Zaun verstärken, denn nur wenige hundert Meter von seinem Hof entfernt beginnt der Wald. „Und da leben einige Wildschweine“, sagt der Breitenloher. In der Nacht würden die sich auf der Suche nach Nahrung schon mal dem Hof nähern. Kloning setzt im Kampf gegen die ASP auch auf die Jäger. Werde der Schwarzwildbestand reduziert, sei die Gefahr der Verbreitung geringer.

Eine Forderung, die Rupprecht Walch, Vorstandsmitglied im Kreisjagdverband Nördlingen, nachvollziehen kann. Doch der Ehinger gibt zu bedenken, dass nicht Wildschweine der Hauptgrund für die rasche Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest seien, sondern mangelnde Hygiene, die auf vielen Höfen in Osteuropa herrschen würde. Oft würden dort Schweine geschlachtet, obwohl sie krank sind. Das Virus halte sich teils auch in verarbeitetem Fleisch und werde beispielsweise über weggeworfene Essensreste von Lkw-Fahrern über lange Distanzen transportiert. „Es ist auf jeden Fall wichtig, Jäger zu informieren, wie sie reagieren sollen, wenn sie ein totes Wildschwein finden“, sagt Walch. Denn den Schwarzwildbestand reduzieren könne man ohnehin nicht von heute auf morgen.

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