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Mobilität im Ries

14.02.2018

Carsharing: Mein Auto ist dein Auto

Auf dem Markt des Autoteilens helfen inzwischen Apps und Internetseiten. Dort können sich auch Autobesitzer aus dem Ries registrieren und ihr Fahrzeug privat stunden- oder tageweise an andere Leute vermieten. Die Nachfrage ist bislang verhalten. Klassisch ist das Ausleihen bei Nachbarn oder in der Familie. (Symbolbild)
Bild: Karolin Krämer, dpa

In den Metropolen teilen sich immer mehr Menschen ihre Fahrzeuge. Im Ries ist die Nachfrage verhalten. Ist das Interesse vielleicht nur noch eine Frage der Zeit?

Stellen Sie sich vor, Sie könnten jeder Zeit auf ein Auto zugreifen, müssten aber keins kaufen. Sie geben nur dann Geld aus, wenn Sie tatsächlich zum Einkaufen, abends zu Freunden oder in den Urlaub fahren. Das geteilte Auto ist lange schon fester Bestandteil in vielen Familien. Nachbarn, Bekannte und Freunde praktizieren das sogenannte Carsharing ebenfalls seit Jahrzehnten. Dann zog die Automobilbranche nach. Die prominentesten Anbieter sind „Drive Now“ oder „Car2Go“. Neuerdings mischen immer mehr Apps den Markt des geteilten Fahrens auf. Beim Internetauftritt von SnappCar ploppen für den Landkreis Donau-Ries bislang wenig bis keine Treffer auf. Will man über die Website „Drivy“ ein Auto in Nördlingen buchen, bekommt man einen Fünfsitzer mit Automatik für 58 Euro. Sucht man für Donauwörth, kann man private Autos anmieten (ab 38 Euro pro Tag). Bei den Nachbarn Richtung Augsburg und im Ostalbkreis ist das Angebot schon größer und deshalb billiger. Einen Mitsubishi Space Star findet man für 22,50 Euro pro Tag.

Dass für Carsharing das Interesse in der Gesellschaft wächst, zeigt allein die Tatsache, dass es einen deutschlandweit agierenden Verein gibt, der sich diesem Thema angenommen hat. Der Bundesverband Carsharing sieht im gemeinsam genutzten Auto viel Zukunft. In Deutschland gibt es laut Verband rund 600 Orte, in denen das recht gut funktioniert. Nördlingen ist keiner davon und auch im restlichen Ries sowie im Landkreis sieht es schlecht aus, was Carsharing auf digitaler Grundlage angeht: Der Verband zählt hier auch keine Mitglieder. Wie Carla Westerheide, eine Sprecherin des Bundesverbands, sagt, ist die Nachfrage im ländlichen Raum nicht ganz so groß wie in den Metropolen, in denen das schnelle Mieten von größeren Firmen betrieben wird. Hier auf dem Land seien es eher Privatpersonen, die mit ihrem Nachbar oder vielleicht einem Bekannten das Auto teilten. Vereine spielten oft eine zentrale Rolle. Sie würden das Marketing vor Ort übernehmen und ein Netzwerk aufbauen.

Carsharing ist jedoch nicht für alle Fahrten geeignet. „Wenn jemand morgens 20 Kilometer zu Arbeit fährt und abends wieder zurück, ist Carsharing eventuell nicht das richtige Modell für sie oder ihn. Aber Carsharing kann auch auf dem Land oftmals den Zweitwagen ersetzten“, sagt Carla Westerheide weiter.

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Der Bundesverband sieht Carsharing neben dem öffentlichen Nahverkehr, Fahrrad- und Fußverkehr als eine der Säulen des Umweltverbundes. Sich ein Auto zu teilen, habe viele Vorteile. Man würde Kosten und natürlich die Zeit sparen, die man für die Wartung oder Instandhaltung aufbringen müsste. Solche Aspekte werden vom Carsharing-Anbieter übernommen.

So funktionieren die Apps und Websites für Carsharing

Bei SnappCar oder Drivy muss lediglich Internetseite oder Programm geöffnet werden. Dann gibt man den Zeitraum, für den man das Auto mieten möchte, und den Ort ein. Schließlich nimmt man Kontakt mit dem Besitzer auf. Freikilometer, Versicherung und die Übergabe werden dann individuell mit dem jeweiligen Besitzer geregelt.

Kritik gegenüber Carsharing gibt es oftmals wegen Konkurrenzaspekten von der Autoindustrie, aber auch von Umweltaktivisten, die einen verstärkten Ausbau des Schienenverkehrs oder Elektromobilität fordern. Oftmals werden Folgen des Airbnb-Konzepts auch für das Carsharing gesehen.

Das sollte beim Carsharing beachtet werden

Mit Carsharing kann man sich ein paar Euro hinzuverdienen und vor allem Geld sparen. Wer sich bei den gängigen Anbietern anmeldet, sollte einige Punkte beachten.

Steuer Vor allem Personen, die ihr Auto oft verleihen, sollten die Mieteinnahmen laut Experten bei der Steuererklärung angeben. Um die Gewerbesteuer zu vermeiden, sollte man demnach auch auflisten, dass die Mieteinnahmen die Haltungskosten nicht übersteigen.

Versicherung Einige App-Anbieter arbeiten mit der Allianz-Versicherung zusammen (Drivy, Snappcar). Man sollte also eine Zusatzversicherung abschließen, die erste tangiert das allerdings nicht. Der Autoversicherer sollte auf jeden Fall informiert werden, nicht dass Leistungskürzungen drohen. Auch der Bundesverband CarSharing bietet mit einer Versicherung Kooperationen an.

Für wen lohnt sich das Autoteilen? Die Zeitschrift Finanztest hat herausgefunden, dass sich Carsharing für all die lohnt, die nicht mehr als 10000 Kilometer pro Jahr mit dem Auto fahren. Dann könne Geld gespart werden. Modell für den Test war der Besitzer eines Kleinwagens. Er zahlt inklusive aller Kosten 206 Euro pro Monat. 10000 Kilometer mit Carsharing: 138 Euro.

Mietwagen Laut Finanztest ist für Fahrten über einen längeren Zeitraum ein Mietwagen günstiger.

Carsharing-Gesetz Das Kabinett hat Ende 2016 das Gesetz auf den Weg gebracht, im September 2017 trat es in Kraft. Die Verbreitung von gemeinsam genutzten Fahrzeugen sollte damit gefördert werden.

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