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RN-Serie

19.01.2019

Ein Dichter, der dem Ries verbunden blieb

Die Friedrich-Völklein-Straße in Oettingen: Ihr Namensgeber kam 1880 in Lehmingen zur Welt. Er arbeitete in Würzburg als Lehrer. Seinen Ruhestand verbrachte er aber in Nördlingen und im Ries.
Bild: Dettweiler

In Oettingen gibt es die Friedrich-Völklein-Straße. Der Namensgeber arbeitete als Lehrer und hatte eine Passion.

In den 60er Jahren ist in Oettingen ein neues Baugebiet benötigt worden. Der „Steinerbach-Plan“ wurde umgesetzt und 1963 schließlich vom Stadtrat mit Straßennamen versehen. Eine der Nebenstraßen der breiten Goethestraße erhielt den Namen des Heimatdichters Friedrich Völklein, der am 12. Juni 1880 in Lehmingen das Licht der Welt erblickt hatte und am 7. 7. 1960 in Nördlingen starb.

Friedrich Völklein steht heute gleichberechtigt neben anderen Dichtern des Rieses wie Gottfried Jakob, Melchior Meyr oder Michel Eberhardt. Er war kein Vielschreiber, vielmehr ein sparsamer Schwabe, dem diese natürliche Sparsamkeit sein ganzes Leben lang nachhing, wie er in seinen Erinnerungen bekennt. Er hinterließ gerade mal ein halbes Dutzend Büchlein im Taschenbuchformat. Nach seinem Tod und zu seinem 100. Geburtstag brachte der Verein Rieser Kulturtage 1980 noch ein letztes Büchlein heraus, in dem bis dato nicht veröffentlichte Manuskripte verarbeitet wurden. „Isch des a Zeit!“ ist auch das einzige Werk Völkleins, das noch im Handel zu haben ist. Seine sechs früheren Bücher sind nur noch ab und zu und mit Glück antiquarisch zu bekommen.

Ein echter Rieser

Völklein zeigte sich stets als echter Rieser mit allen Eigenschaften und Eigenheiten der Bewohner seiner Heimat, selbst als er nach erfolgreichem Studium im Königlichen Schullehrer-Seminar Altdorf zunächst im Ries, dann ab 1905 vierzig Jahre lang in Würzburg seinen Dienst als Lehrer tat. Er hat sich nur schwer eingewöhnen können in der Großstadt, wie ein Gedicht aus den ersten Jahren dort in der Fremde erahnen lässt:

Schritte und Wagengepolter

Auf Straße und hartem Stein.

Da fällt mir mein liebes

Feldweglein ein.

Doch er hat Würzburg mit der Zeit lieben gelernt, er hat die Großstadt angenommen, er wollte, wie er einmal bekannte, „in seinem Leben und in seinem Werk den Segen des Dorfes und der Stadt verbinden und vereinen – der Menschen wegen.“ Einmal schickte Völklein seiner kranken Mutter ein kleines Fässlein Frankenwein. „Das machte eine große Freude für eine lange Zeit. Allen Frauen und Nachbarn musste die Mutter davon erzählen. Und die Freude hat ihr Herz noch mehr erquickt als der Wein.“ Eine innige, tiefe Verbundenheit zu seiner Mutter beeinflusste wohl sein Verhalten gegenüber dem weiblichen Geschlecht so sehr, dass er Junggeselle blieb.

Bombennacht nahm ihm Lebensgrundlage in Würzburg

Die grausige Bombennacht vom 16. März 1945 nahm ihm die Lebensgrundlage in Würzburg. In sieben Nachtmärschen schlug er sich durch bis nach Lehmingen und fand Unterschlupf bei seinem Bruder auf dem väterlichen Hof.

Gerettet hatte er lediglich, was in seinen Rucksack gegangen war, dazu seinen unzerstörbaren und unverlierbaren Schatz seiner dichterischen Berufung. Völkleins erstes Gedicht nach der Flucht hatte bezeichnenderweise die Überschrift „Heimkehr“:

Heimkehr

Hier find ich wieder Pfad und Spur,

Feldweg und Ackerkrume.

Die Heimat schaut aus Bach und Flur,

Aus jeder kleinen Blume.

Ein gutes Jahr blieb Völklein auf dem Hof seines Bruders Johann. Dort erreichte ihn auch seine Versetzung in den Ruhestand. 1946 zog Friedrich Völklein nach Nördlingen in eine Mietwohnung in der Herlinstraße. Nun durchstreifte er seine ehemalige Schulstadt und widmete ihr Gedichte und Geschichten. 1956 veröffentlichte er seine dörflichen Erlebnisse „Das Wunder der Heimat“ und seine Gedichtbände „In den lichten Morgen“ und „Die Zukunft naht, die lichte Braut“. Sein zweiter Prosaband „Zwischen Heimat und Fremde“ erschien ebenfalls noch im gleichen Jahr. Kurz vor seinem Tod im Jahre 1960 veröffentlichte Völklein sein letztes Büchlein „Wende und Wandlung“. Nur ein paar Wochen später starb Völklein am 7. Juli 1960 im Spital und wurde auf dem Nördlinger Emmerams-Friedhof beerdigt. Schulkinder sangen an seinem offenen Grab das von ihm gedichtete und von Gerhard Kronberg vertonte Rieser Heimatlied „Wogende Getreidefelder“.

RN-Serie Nach den Mühlen (2017) und den Wirtshäusern (2018) gibt es in diesem Jahr 2019 eine neue vierzehntägige Serie über verschiedenste „Straßennamen im Ries“, seien diese nach Rieser Persönlichkeiten benannt oder nach Ereignissen oder von ehemaligen Flurnamen abgeleitet.

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