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Justiz

12.06.2019

Flohmarkt-Fahrrad bringt Ärger mit sich

Im Juli 2018 ist aus dem Parkhaus am Nördlinger Bahnhof ein Fahrrad gestohlen worden.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Ein Mann kauft ein gestohlenes Rad und wird von der Polizei kontrolliert. Ein anderer Rieser hat zwar sein Mountainbike zurück, dafür steht vor Gericht offenbar ein Unschuldiger.

Ein grün-schwarzes Mountainbike ist im Juli 2018 aus dem Parkhaus am Nördlinger Bahnhof gestohlen worden. Monate später kontrollierten Beamten einen Oettinger mit einem schwarzen Rad, checkten die Rahmennummer und landeten prompt einen Treffer. Es handelte sich genau um das Bulls-Bike, das ein Rieser im Sommer vergangenen Jahres als gestohlen gemeldet hatte. Es wurde umlackiert. Die Polizisten fanden zwar das Fahrrad, aber den Dieb hatten sie nicht. 120 Tagessätze à 15 Euro sollte der Oettinger zahlen, den die Polizei in Löpsingen kontrolliert hatte. Weil er Einspruch einlegte, fand am Dienstagnachmittag eine Verhandlung vor dem Nördlinger Amtsgericht statt – mit einer Überraschung.

Der 45-Jährige stritt ab, das Rad gestohlen zu haben. Am Tag des Altstadt-Flohmarktes im August 2018 habe er für sich und seine Frau zwei Räder gekauft. Er sei mit zwei Bekannten von Oettingen nach Nördlingen gekommen, ließ der Afghane über seinen Dolmetscher sagen. Sie hatten Sommerpause im Sprachkurs und wollten sich unbedingt um Fahrräder kümmern, die sie beispielsweise für Einkäufe so dringend brauchten. In der Altstadt selbst habe es aber nichts Passendes gegeben. So soll die Ehefrau den Angeklagten aufgefordert haben, ins Kaufland nach Baldingen zu fahren, um nach Angeboten zu suchen.

Der typische Bulls-Sattel ist aufgefallen

Nahe einer Fahrradbrücke sollen zwei Männer mehrere Fahrräder verkauft haben und der 45-Jährige fand die passenden: eines für 65, das andere für 50 Euro. Weil er aber nicht so viel Bargeld dabei hatte, bat er seinen Flohmarkt-Begleiter, das Geld auszulegen. Schließlich war die kleine Familie im Besitz eines schwarzen und eines braunen Fahrrads, von denen letzteres bald wieder gestohlen wurde, obwohl es abgesperrt gewesen sein soll.

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Als Zeuge sagte vor Gericht der Polizeibeamte aus, der das gestohlene Fahrrad bei der Kontrolle entdeckt hatte. Er sagte, dass der typische Bulls-Sattel aufgefallen sei. Mit Händen und Füßen habe er sich mit dem Oettinger unterhalten, der offenbar damals schon angegeben hatte, das Fahrrad auf dem Flohmarkt gekauft zu haben. Weitere Angaben stimmten mit denen überein, die der Angeklagte vor Gericht bekannt gab. Die Kontrolle fand am 26. Februar statt, wenig später war das Fahrrad wieder bei seinem Besitzer – wenn auch umlackiert.

Der Flohmarkt-Begleiter hat die Fahrräder nicht gesehen

Der Flohmarkt-Begleiter des Afghanen sagte vor Gericht ebenfalls aus. Die Beiden würden sich aus Oettingen kennen. Er kam damals zum Kaufland, um seinem Bekannten die 50 Euro zu übergeben. Gesehen habe er die Fahrräder aber nicht.

Während der gesamten Verhandlung saß der 45-Jährige ruhig und unaufgeregt neben seinem Dolmetscher. Er war ohne Verteidiger gekommen. Die Vorsitzende Richterin Katrin Wegele kam schließlich mit Staatsanwalt Michael Rauh überein, das Verfahren gegen den Oettinger einzustellen. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse, der Angeklagte seine notwendigen Auslagen selbst. Der 45-Jährige warb letztlich noch einmal für seine Unschuld. Er sei kein Dieb. Er habe sogar einmal einen Geldbeutel mit 1000 Euro Inhalt gefunden und dem Besitzer zurückgebracht.

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