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Geschichte

12.11.2019

Gedenken an die Reichspogromnacht

Die Gedenkfeier für das Reichspogrom des 9. November 1938, an dem die Synagogen in Deutschland zerstört und gebrandschatzt wurden, fand in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth statt. Die Gedenkrede hielt der Eichstätter Domkapitular Wolfgang Hörl. Die musikalische Gestaltung übernahm das Orchester des Albrecht-Ernst-Gymnasiums Oettingen unter der Leitung von Günter Simon.
Bild: Ernst Mayer

In der ehemaligen Synagoge in Hainsfarth spricht Eichstätts Domkapitular auch über Fehler seiner Kirche

Mit der berühmten „Air“ von Johann Sebastian Bach hat das Schulorchester des Albrecht-Ernst-Gymnasiums die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth eröffnet. Es war der 9. November 1938, als die Hetzjagd gegen die Juden mit der Zerstörung vieler Synagogen, mit Verhaftungen und Morden begann. Angesichts der aktuellen antisemitischen Vorfälle forderte Hainsfarths Bürgermeister Klaus Engelhardt bei seiner Begrüßung dazu auf, im Bekanntenkreis, an der Arbeitsstelle oder am Stammtisch gegen antijüdische Hetze Stellung zu beziehen.

81 Jahre sind seit der Reichspogromnacht vergangen. Das war für Sigried Atzmon am diesjährigen Gedenktag nicht nur ein Anlass, die Tatsachen vor dem Vergessen zu bewahren, sondern, im Wissen um den Massenmord in deutschem Namen, zu null Toleranz gegen Antisemitismus aufzurufen. Gemeinsam müsse man verhindern, dass sich solche Taten wiederholen, sagte sie. Der Judenhass sei nicht über Nacht gekommen, sondern ihm seien viele Dinge vorausgegangen. Die Pogromnacht habe deutlich gemacht, dass Verbrechen gegen die Juden nicht mehr bestraft wurden, und weite Teile der Bevölkerung hätten weggeschaut. Jüngste Ereignisse in Chemnitz und Halle, verstärkter Polizeischutz und Fahndungen nach antisemitischen Gefährdern weckten Befürchtungen und Zweifel, ob die demokratischen Kräfte und die Erinnerung gegen die Bedrohungen stark genug seien.

In einer Gedenkrede nahm der Eichstätter Domkapitular Wolfgang Hörl Bezug auf das II. Vatikanische Konzil (1962-65), bei dem es in der katholischen Kirche grundlegende Änderungen in der Beziehung zu anderen Bekenntnissen gegeben habe. Mit der lutherischen Kirche habe es in der Ablehnung des Naziregimes ab 1934 erste zaghafte Annäherungen gegeben. Das „Ökumenismusdekret“ des II. Vatikanischen Konzils habe erst einen Weg für einen fruchtbaren Dialog gebahnt. Heute sei er in vollem Gange, angestrebt werde eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit der Konfessionen. So gebe es in der Frage nach der Rechtfertigung des Menschen vor Gott keine Unterschiede mehr, auch in der Beziehung von Schrift und Tradition sei man deutlich weitergekommen. Neuralgische Punkte seien nach wie vor das unterschiedliche Verständnis von Eucharistie. Das Verhältnis Kirche und Judentum sei von Anfang an, von der Kreuzigung Jesu bis zum II. Vatikanischen Konzil, negativ geprägt gewesen. Die Juden galten als die Gottesmörder schlechthin. Für die Texte, die Predigten und die Katechese schäme er sich noch heute, sagte Hörl. Natürlich seien diese Schuld am Antijudaismus und am Antisemitismus. Das sei gar nicht zu leugnen. Er sei froh, dass das Konzil unter Johannes XXIII. eine Wende vollzogen habe.

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Das neue theologische Denken verdeutliche sich in einer „Erklärung über die nichtchristlichen Religionen“. Die Kirche beklage im Bewusstsein des gemeinsamen Erbes alle Verfolgungen, Hassausbrüche und Manifeste zum Antisemitismus. Christus habe Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt.

Das Orchester des Oettinger Gymnasiums gestaltete die Gedenkfeier mit einem „Quartett“ von G. Ph. Telemann, dem Hauptthema von „Schindlers Liste“ und J.S. Bachs Choralbearbeitung „Jesu bleibet meine Freude“.

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