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Kriminalität

27.06.2017

Hat Oettingen ein Drogenproblem?

Bei den meisten Rauschgiftdelikten im Ries geht es laut Polizei um Marihuana, in Oettingen haben die Beamten jedoch auch Jugendliche mit Kräutermischungen erwischt.
Bild: Ingo Wagner, dpa

2016 gab es im Ries etwa 30 Prozent mehr Rauschgiftdelikte als zuvor. Jetzt schlägt ein Leser Alarm: Er sorge sich zunehmend um die Sicherheit in seiner Stadt Oettingen.

Der Drogenkonsum wird in Oettingen immer mehr zum Problem. Das sagt zumindest ein Leser unserer Zeitung aus der Residenzstadt. Er habe schon selbst miterlebt, wie Polizisten eine Gruppe Jugendlicher hochgenommen hätten. Sie hätten noch versucht, die Drogen im nahen Gebüsch zu entsorgen, doch die Beamten hätten die Rauschmittel später gefunden. Vor allem im Umkreis der Mittelschule und im angrenzenden Hofgarten sei die Drogenszene aktiv, meint der Leser, der anonym bleiben will. Er sorge sich zunehmend um die Sicherheit in seiner Stadt.

Von einer richtigen Drogenszene könne man nicht sprechen, sagt Polizeichef Walter Beck. Dass es in Oettingen Probleme mit Drogen gebe, lasse sich aber nicht leugnen. "Auch in Nördlingen sind Drogen aktuell ein großes Thema, aber in Oettingen ist die Situation noch ernster."

30 Prozent mehr Drogenfälle als im Vorjahr

Die Zahl der Rauschgiftdelikte hat im vergangenen Jahr im Ries deutlich zugenommen. 98 Fälle, und damit rund 30 Prozent mehr als zuvor, wurden im Jahr 2016 von der Polizeiinspektion Nördlingen erfasst. Meist gehe es laut Beck um weiche Drogen wie Marihuana, doch es seien auch immer wieder synthetische Mittel und Kräutermischungen im Umlauf. "Erst kürzlich hatten wir in Oettingen einen Jugendlichen, der deshalb umgekippt ist", sagt Beck.

Einige Verfahren wegen Drogendelikten in Oettingen würden aktuell noch laufen, meint der Polizeichef. Woher die Drogenproblematik rühre, lasse sich nicht eindeutig sagen. "Ich vermute eher, dass es fast eine Art Trend ist." Denn es seien vor allem die Jugendlichen, die auffällig seien, sagt Beck. Dass es an einer bestimmten Schule mehr Probleme gebe als anderswo, könne er jedoch nicht bestätigen. Die Fälle würden sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen.

Drogenbekämpfung: Hilft eine Videoüberwachung?

Der Direktor der Oettinger Volksschule, Helmut Suëss, wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe, an seiner Einrichtung würde es Probleme mit Drogen geben. "In diesem Schuljahr gab es keinen einzigen Fall." Was im Hofgarten oder im Umkreis passiere, könne die Schule nicht beeinflussen oder kontrollieren. "Wir sind ja nicht die Polizei."

Bürgermeisterin Petra Wagner räumt ein, dass es in Oettingen Probleme mit der Zahl der Drogendelikte gebe. "Aber das ist in jeder Stadt ein Thema", meint Wagner. Die Verwaltung versuche, die Situation in enger Zusammenarbeit mit der Polizei zu verbessern. "Wir befinden uns in ständigen Gesprächen", sagt die Bürgermeisterin. Für öffentliche Anlagen habe man etwa die Hausordnung angepasst, sodass die Beamten dort über ein Ausübungsrecht verfügen. Es gebe seit geraumer Zeit auch verstärkte Kontrollfahrten im Stadtgebiet. Seitens der Verwaltung gebe es zwar Vermutungen, welche Orte bevorzugt als Umschlagplätze genutzt werden, doch wirklich belegbar sei das nicht. Laut Wagner soll eine Videoüberwachung öffentlicher Plätze dabei helfen, mehr Fälle aufzudecken. An welchen Orten Kameras die Menschen filmen, will Wagner nicht verraten. "Das passiert alles unter Einhaltung der rechtlichen Vorgaben."

Oettingen setzt auf Prävention

Weil das Thema Drogen in Oettingen nicht neu sei, betreibe die Stadt schon lange Präventionsarbeit, die gemeindliche Jugendarbeit sei aus dem Grund extra aufgestockt worden. Polizeichef Walter Beck verspricht, ein besonderes Augenmerk auf die Oettinger Drogendelikte zu legen.

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