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Kriminalität

18.07.2018

Ist ein 39-Jähriger der gesuchte Fahrraddieb?

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16 Bilder
Zerlegt und versandbereit fand die Polizei die Teile, die zu einem gestohlen gemeldeten Fahrrad gehörten.
Bild: Verena Mörzl

Stehlen, zerlegen, verkaufen – dann ist das nächste Rad dran: Die Nördlinger Polizei sucht einen dreisten Fahrraddieb. Hier finden Sie Fotos der gestohlenen Teile.

Was könnte das für ein Glücksmoment für den radbegeisterten Mann sein: Er hat sein gestohlenes Fahrrad zurück. Nach der polizeilichen Kriminalstatistik erhält nicht einmal jeder zehnte Besitzer sein Rad wieder. Doch der Dieb hat das geliebte Gefährt in Einzelteile zerlegt und wollte es über diverse Plattformen im Internet verkaufen. Vom Glück bleibt also nicht mehr viel übrig.

Wie berichtet, konnte die Nördlinger Polizei diesen Verkauf verhindern. Ein glücklicher Zufall spielte den Nördlinger Beamten in die Karten. Nach einer Gerichtsverhandlung in Augsburg im Juni gegen einen 39-Jährigen wegen des Verdachts des Fahrraddiebstahls, verließ der Nordrieser den Gerichtssaal und wurde von Polizeibeamten in zivil beobachtet, wie er wieder ein Rad stahl. Der Mann konnte damals flüchten; die Beamten mussten einen Durchsuchungsbeschluss beantragen, den die Nördlinger Polizei vergangene Woche vollzog. Bei der Hausdurchsuchung im Nordries fand sie im Dachgeschoss einer Wohnung hunderte Fahrradeinzelteile. Manche schon versandbereit. Dort lag auch der Rahmen des sündhaft teuren Rads des Geschädigten. Nördlingens Polizeichef Walter Beck erzählt, dass es durch die Rahmennummer zugeordnet werden konnte.

Der Radbesitzer wiederum wusste detailgenau, wie seine Bremse, seine Schaltung oder seine Federgabel aussah. Die Beamten suchten die restlichen Teile in ihrem beschlagnahmten Fundus und waren dabei nur begrenzt erfolgreich. Der Geschädigte bleibt auf einem Teilschaden sitzen. D

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Die aktuellen Fälle zählen laut Beck zu den dreistesten der vergangenen Jahre mit dem es die Nördlinger Polizei aktuell zu tun hat. Immer wieder soll er teure Markenräder gestohlen haben, in Nördlingen und in Augsburg. Während die Beamten die Wohnung des Mannes durchsuchten, wurden fast zeitgleich wieder zwei Räder aus einem Kellerabteil in der Wagga-Wagga-Straße in Nördlingen gestohlen. Doch den Nördlinger Polizisten sind eigenen Angaben zufolge die Hände gebunden. Es gebe einen Verdacht, dass wieder der Mann aus dem Nordries hinter der Straftat stehe – die Hinweise seien zu unkonkret und reichten nicht für einen weiteren Durchsuchungsbeschluss aus. Zeugen, die den Fahrraddiebstahl bemerken, müssten den Mann erkennen, sagt Beck. Bleibt es bei dem aktuellen, vagen Verdacht, sei die Polizei mehr oder weniger machtlos. So wie neulich auf einem Radweg von Nördlingen ins Nordries. Beamte erkannten den mutmaßlichen Täter auf einem Rad, wieder nagelneu, wieder eine namhafte Marke. Bei einer Kontrolle stellte sich heraus, dass dieses nicht als gestohlen gemeldet wurde. Der Mann fuhr weiter.

Im ersten Halbjahr 2018 wurden der Polizeiinspektion Nördlingen knapp 60 Fahrraddiebstähle gemeldet; zehn mehr als im Vergleichszeitraum 2017. Auffällig war eine Häufung der Diebstähle während der Nördlinger Mess’ und ganz aktuell von meist hochwertigen Rädern seit Juni. Während die Räder nach der Mess’ wieder an anderer Stelle in der Region auftauchten, blieben die aktuellen Fälle weitgehend verschwunden.

In der Wohnung im Nordries hat der mutmaßliche Täter laut Polizei eine professionelle Fahrradwerkstatt eingerichtet. Vom Rahmen bis zu Schaltgruppen konnten bei der Durchsuchung hunderte Fahrradteile aufgefunden werden. Allerdings gestaltete sich für die Polizei eine Zuordnung der Teile zu gestohlenen Fahrrädern zunächst schwierig. Erst die Überprüfung der Rahmennummern und Telefonate mit einigen Geschädigten sowie der Abgleich mit Fotos ermöglichten die Klärung einiger Diebstähle.

Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen wird der Mann verdächtigt, zwei Diebstähle im Stadtgebiet Augsburg und drei in Nördlingen begangen zu haben. Dem Vernehmen nach heißt es, dass die Dunkelziffer sehr viel höher liege.

Die Polizei rät: Beim Abschließen nicht das Anschließen vergessen: Werden Räder durch ein Fahrradschloss gesichert, ist darauf zu achten, dass sie auch an einer Befestigungseinrichtung angeschlossen sind. Fahrradständer oder im Erdboden verankerte Eisenstangen sind hierfür geeignet. Oft ist es sinnvoller, Sicherheitsschlösser über den Rahmen zu befestigen, da bei modernen Fahrrädern die Räder oft leicht ausgehebelt werden können. „Wählen Sie einen öffentlich viel besuchten Abstellort: Es ist nicht ratsam, Räder an abgelegen Plätzen abzustellen, die von kaum einem Menschen eingesehen werden können. Diebe wissen, dass sie dort relativ ungestört zu Werke gehen können. Daher sind öffentliche Plätze, die gut besucht sind, vorteilhaft.“

Wichtige Fakten notieren: Fahrradliebhaber sollten in jedem Fall alle wichtigen Informationen zu ihren Bikes notieren, um der Polizei ausreichend Hilfestellung geben zu können, wenn es zum Fahrraddiebstahl kommt. Hierzu bietet sich ein Fahrradpass an, der im Fachhandel erhältlich ist. Dieser sollte zumindest Rahmennummer und besondere Merkmale des betroffenen Rades enthalten. Und am besten wird das Radl noch abfotografiert. (mit pm)

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