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Kinokabarett Oettingen

10.11.2019

Maxi Schafroth und seine satirische Hommage an die Heimat

Maxi Schafroth im Kinokabarett in der Goldenen Gans in Oettingen. Der Allgäuer wurde begleitet von Gitarrist Markus Schalk.
Bild: Toni Kutscherauer

Das Allgäuer Multitalent Maxi Schafroth begeistert mit „Faszination Bayern“ das Publikum in der Goldenen Gans im „mittelmäßig erschlossenen“ Oettingen.

Den Beobachtern der bayerischen Kleinkunstszene ist sein Name schon länger ein Begriff, doch seit seinem Debüt als Fastenprediger auf dem Nockherberg im März dürfte ihn so gut wie jeder im Freistaat kennen – den Allgäuer Kabarettisten Maxi Schafroth. Den Verantwortlichen des „Kinokabaretts“ Oettingen ist es nun gelungen, den vielseitigen Lockenkopf für einen Auftritt in den Kinosaal der „Goldenen Gans“ zu holen.

Maxi Schafroth in Oettingen und das Bläser-Ensemble aus Fremdingen

„Faszination Bayern“ lautet der Titel seines aktuellen Programms, was als satirische Hommage an seine Heimat verstanden werden darf. Folgerichtig betritt er als „Vertreter des bayerischen Heimatministeriums“ im Trachtenjanker („Kampfanzug des Raiffeisenvorstands“) die Bühne, begleitet von einem Bläser-Ensemble des Musikvereins Fremdingen. Im Stile eines Politikers wird zunächst der „verkehrstechnisch mittelmäßig erschlossene“ Auftrittsort Oettingen gelobt („Perle der Braukunst“), wo mit Bayern, Schwaben und Franken eine „Verschmelzung der Kulturen“ stattfinde.

Mit dem Ablegen des Lodenkittels wird auch die Bühnenfigur gewechselt, wobei Schafroth weitgehend autobiografisch, aber eben satirisch überspitzt, vom Leben in seinem Heimatort Stephansried erzählt. In diesem 70-Seelen-Dorf bleibe man gerne unter sich („hohe Erbgutüberschneidungen“), Burschen wie er seien allesamt „designierte Hoferben“. Doch lebe man leider auf der falschen Seite des Lechs, der „Bayern in arm und reich teilt“. Deshalb sei der „schwäbische Sparzwang“ verständlich, doch einen Fendt („7er-BMW des Groß-Agrariers“) möchte man sich schon leisten.

Maxi Schafroth und seine satirische Hommage an die Heimat

Markus Schalk begleitet Schafroth an der Gitarre

Mit einem langgezogenen, wimmernden Blues und begleitet vom Gitarristen Markus Schalk werden die Zuschauer auf eine virtuelle Reise ins Unterallgäu mitgenommen. In eine Gegend, wo die abgemagerten und lädierten Stallkatzen noch „echte Nutztiere“ sind, wo der Dichtschaum aus der Fensterlaibung die Schwimm-Nudel ersetzt und wo „alles verbrannt wird, was man kostenpflichtig entsorgen müsste“. Mit erst 34 Jahren hat Schafroth eine bemerkenswerte Entwicklung genommen, seit er vor zehn Jahren das Passauer Scharfrichterbeil gewann. Dass er zwischenzeitlich als Schauspieler in mehreren Rosenmüller-Filmen („Sommer der Gaukler“, „Wer’s glaubt, wird selig“) reüssierte und 2017 mit dem Bayerischen Kabarettpreis in der Sparte Musik ausgezeichnet wurde, zeigt die Vielseitigkeit des Künstlers.

Nach mehreren Nebenrollen im Singspiel auf dem Nockherberg, stellt sein Aufstieg zum Fastenprediger den vorläufigen Höhepunkt in seiner Karriere dar. Seine Banklehre in München dient der sympathischen Frohnatur im zweiten Programmteil als Fundus für den Vergleich zwischen Stadt- und Landleben, den er anhand seiner Freunde „Silke und Jörn“ illustriert: Hier die „gastro-konzeptionelle Molekularküche mit Lounge-Musik“, dort die „Allgäuer Einbrenne, mit der man auch das Dach isolieren kann“. Hier die „Delfin-Therapie für laktose-intolerante Rechtsanwaltskinder“, dort der „gelbe Sprudel, das flüssige Gold des Landwirts“.

In „Faszination Bayern“ zeigt Schafroth, wie einfach gutes Kabarett funktionieren kann: spritzig, temporeich, frech und stets mit einem lausbubenhaften Augenzwinkern – dargeboten mit zündendem Wortwitz, treffsicheren Pointen und einer quirlige Bühnenperformance. Vor allem aber findet er geschickt die Balance zwischen ironisch-kritischer Distanz zu Heimat und Herkunft einerseits und Verständnis für die Schwächen und Marotten von Land und Leuten andererseits. Am Ende der Zugabe gibt es im Kinosaal kein Halten mehr, minutenlang werden Schafroth und Schalk für ihren starken Auftritt gefeiert.

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