Porträt

29.03.2018

Mister Almarin

1975 wurde das Almarin gebaut, Ernst Dollmann (rechts) zum Schwimm-Meister und Michael Gumpp (links), Initiator der Neuaufnahme des Badbetriebs, geboren.
Bild: Ronald Hummel

Ernst Dollmann war vom Bau 1974 bis zur Schließung 2010 die Seele des Schwimmbads.

Wohl kaum ein Schwimm-Meister bereitete sich so gut auf seinen Beruf vor wie Ernst Dollmann. Er sollte ab der Eröffnung 1975 im Schwimmbad in Mönchsdeggingen eingesetzt werden, also half er 1974 tatkräftig beim Bau mit: „So kannte ich mich von vornherein aus.“ Die Eröffnung wurde für ihn ein Sprung ins kalte Wasser, er wurde von einer Welle neugieriger Badegäste überrollt, die nicht nur aus der Region kamen, sondern bis aus Donauwörth, Heidenheim oder Aalen. Die Besucherzahlen pendelten sich dann ein, aber auf hohem Niveau; 1200 bis 1500 kamen an Spitzentagen.

An heißen Freibad-Tagen ließ der Besuch zwar nach, aber sobald es ein bisschen abkühlte, stürmte alles wieder ins Almarin. Schon nach zwei Jahren musste der Umkleidebereich massiv erweitert werden; bis dahin hielt schon mal sein Schwimm-Meister-Raum als Not-Umkleide her, wenn wieder einmal alle Garderobenschlüssel verliehen waren – wo wäre so etwas heute denkbar?

Dollmanns Arbeitstag begann um 7 Uhr. Dann galt es, der Putzkolonne, die von der Gemeinde gestellt wurde, die Reinigungsmittel richtig anzumischen – tadellose Hygiene war wichtig, aber die Putzmittel durften auch nicht schäumen oder die Fliesen rutschig machen. Dann kontrollierte er die Wasserwerte, baute die Filter aus und reinigte sie. Ab 7.30 Uhr hatten bereits die Schulklassen Schwimm-Unterricht, die wurden von ihren Lehrern beaufsichtigt. Ab 10 Uhr war öffentlicher Einlass: „Vormittags ging es noch ruhig zu, da schwammen meist Hausfrauen und Rentner.“ Gegen Nachmittag kamen dann verstärkt Kinder und Jugendliche. Die sollten ja ihren Spaß haben, der halt oft in Arschbomben und Wasserschlachten eskalierte. „Dann musste ich trennen, die einen dorthin, die anderen ins andere Eck“, erinnert sich Dollmann und lacht.

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Hier mischt sich Michael Gumpp ein, einer der Initiatoren der Bad-Wiederbelebung, die in der Almarin-Badewoche am Ostermontag gipfelt. Auch für ihn hat das Jahr 1975 eine besondere Bedeutung– da wurde er geboren. Also erlebte er Dollmann als Jugendlicher mit: „Er war eine der natürlichsten Autoritäten, die man kannte, völlig unaufgeregt. Wenn er sagte ‚Jetzt ist Schluss’, dann war Schluss.“ Dollmann wurde vom Gemeindearbeiter und der DLRG unterstützt; schließlich waren Bad und Sauna bis 22 Uhr geöffnet und er hatte „nebenher“ noch seine Landwirtschaft zu betreiben.

Ab der Jahrtausendwende kippte dann ganz allmählich die Stimmung: Die Menschen wurden immer beweglicher, also rückten die „Spaßbäder“, die überall entstanden, als Konkurrenz in den Einzugsbereich. Vor allem Kinder und Jugendliche fühlten sich von Attraktionen wie Riesenrutschen oder Wellenmaschinen angezogen und bedrängten die Eltern, hinzufahren. Immer mehr Stammgäste blieben aus, immer lauter wurde das Geraune vom unhaltbaren Defizit. Vor allem die älteren Badegäste aus der Region, die unter anderem das optimal temperierte Wasser schätzten, waren verzweifelt: „Wo sollen wir denn hin?“, zitiert Dollmann den hundertfach gehörten Ausspruch, als das Ende unvermeidbar schien. „Redet mit euren Gemeinden“, hatte er damals gesagt, „die sollen das Bad finanziell mit unterstützen.“ Doch das stieß auf taube Ohren und 2010 war Schluss. Umso mehr zeigt sich „Mister Almarin“ begeistert, was die Bewegung aus Ehrenamtlichen nun auf die Beine gestellt hat, um das Bad zu retten. Er stimmt Michael Gumpp zu, dass die Euphorie von keinerlei Misstönen begleitet wird und hofft: „Ich wünsche der jungen Generation, die sich dermaßen einsetzt, das Glück, dass sich das, was sie jetzt tun, auch langfristig positiv umschlägt.“

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